Filmschauplatz-Start in Herne

Aki Kaurismäkis „Die andere Seite der Hoffnung“

Szenenfoto: Die andere Seite der Hoffnung.Foto: Sputnik Oy / Malla HukkanenSzenenfoto: Die andere Seite der Hoffnung.

Mit Aki Kaurismäkis finnisch-deutscher Komödie Die andere Seite der Hoffnung starten die Filmschauplätze NRW unter dem beliebten Motto umsonst und draußen am Donnerstag, 19. Juli 2018, vor den Herner Flottmannhallen. Im um 20 Uhr beginnenden Rahmenprogramm präsentiert die Gruppe Orient-Express Lieder aus aller Welt und Andre Hörmanns animierter Kurzfilm Obon porträtiert mit Akiko Takakura eine der letzten Überlebenden der Atombombenexplosion in Hiroshima. In Aki Kaurismäkis Die andere Seite der Hoffnung entsteigt ein schwarzer Mann dem Kohlenkeller: Khaled (Sherwan Haji), ein junger Mechaniker aus Syrien, gelangt als blinder Passagier eines Kohlefrachters eher zufällig nach Helsinki. In der finnischen Hauptstadt will er Asyl beantragen, freilich ohne große Hoffnung auf die Gewährung, ja generell ohne Erwartungen an seine Zukunft. In der Tat entscheiden die Einwanderungsbehörden, ihn in die Ruinen der vom Bürgerkrieg zerstörten Stadt Aleppo zurückzuschicken – aufgrund einer angeblich verbesserten Sicherheitslage. Eine Behauptung, die von finnischen Fernseh-Nachrichtenbildern von der Bombardierung der einst blühenden Stadt sogleich als Lüge entlarvt wird. zum Flyer mit allen Filmen

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Flottmannhallen.Foto: Wolfgang QuickelsFlottmannhallen.

So beschließt Khaled, wie viele seiner Leidensgenossen illegal im Land zu bleiben, muss sich erst mühsam einen Ort suchen, an dem er sich waschen kann. Parallel ist auch Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), die zweite Hauptfigur des Filmschauplatz-Openers, bereit für einen Neuanfang. Der Handelsvertreter für Männerhemden und Krawatten steckt beruflich und privat in der Midlife Crisis, verlässt seine alkoholabhängige Frau und gibt seinen Job auf. In einem illegalen Spielcasino hat er Glück und kauft ausgerechnet in der trübsten Gegend Helsinkis das völlig heruntergewirtschaftete Restaurant Zum Goldenen Krug. Ohne jede gastronomische Erfahrung setzt er mit dem über die Fähigkeiten ihres neuen Chefs entsprechend höchst skeptischen Personal die skurrilsten Ideen um. Die Kellnerin Mirja (Nuppu Koivu), der stets mit einer Kippe im Mund anzutreffende Koch Nyrhinen (Janne Hyytiäinen) und der livrierte Empfangsportier Calamnius (Ilkka Koivula) sind erst recht entgeistert, als Wikström dem jungen Khaled Obdach und Arbeit gibt...

Die andere Seite der Hoffnung erzählt davon, dass jeder – hier mit finnischem Tango unterlegter - Melancholie ein fast rebellischer Zug der Hoffnung innewohnt. Und zeigt das Leben als Wechselspiel von ständiger Sehnsucht und schwankender Hoffnung, von fast märchenhafter Menschlichkeit und kaltem Realismus. Die Filme des 60-jährigen finnischen Regisseurs sind bekannt für ihren lakonischen, skurrilen und minimalistischen Stil. Seine Helden sind immer die kleinen Leute: Außenseiter, Arbeiter und Arbeitslose – die Verlierer der Gesellschaft. „Die andere Seite der Hoffnung“ wurde 2017 auf der 67. Berlinale mit dem Silbernen Bären für die beste Regie und auf dem Filmfest München mit dem Friedenspreis „Die Brücke“ in der Kategorie Regie international ausgezeichnet.

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Text: Pitt Herrmann 10. Juli 2018, 13:59 Uhr