Schutzkonzepte gegen Missbrauch entwickelt

Heinz Otlips neuer Präventionsbeauftragter im Dekanat Emschertal

Ökumenischer Gottesdienst an den Flottmannhallen.
Die vier Pfarreien im Dekanat entwickelten Schutzkonzepte gegen Missbrauch von Kindern (Symbolbild). Foto: Günter Mydlak

Die katholischen Pfarreien im Dekanat Emschertal, namentlich St. Christophorus aus Wanne-Eickel und St. Dionysius aus Herne sowie Corpus Christi und der Pastoralverbund aus der Nachbarstadt Castrop-Rauxel, haben institutionelle Schutzkonzepte entwickelt, um präventiv gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen vorzugehen.

Zugleich wurde eine Stelle als beauftragte Präventionsfachkraft geschaffen, die der frühere Dekanatsreferent Heinz Otlips übernommen hat. Der Prozess dafür ist bereits Ende 2018/Anfang 2019 gestartet, hat sich durch die Corona-Pandemie aber zeitlich verzögert. Über die neuen Konzepte informierten die Verantwortlichen bei einem Pressegespräch am Mittwoch (26.1.2022).

Gemeinsam erarbeitet

„Wir haben das gemeinsam erarbeitet, da wir diesem Thema ein großes Gewicht beimessen“, sagt Ludger Plümpe, Dechant von St. Christophorus. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung habe aber nichts mit dem kürzlich veröffentlichten Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising zu tun.

Vielmehr seien solche Konzepte seit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche im Jahr 2010 im Aufbau, versichert Georg Birwer, Pfarrer von St. Dionysius: „Wichtig ist eine einheitliche Regelung. Dabei passiert nicht erst jetzt etwas, sondern hat schon vor einiger Zeit begonnen.“ Jeder Verdacht müsse auch gemeldet werden.

Kreuz - Kirche.
In den katholischen Pfarreien soll die Prävention vor Missbrauch gestärkt werden (Symbolbild). Foto: Carola Quickels

Rebecca Goeke, Dekanatsreferentin für Jugend und Familie, erläutert, dass sich alle vier Pfarreien zusammengeschlossen hätten, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. „Normal sollte jeder einzelne Konzepte entwickeln, wir haben uns aber zusammengeschlossen“, so Goeke. Mehrere hauptamtliche Personen seien involviert gewesen.

Damit wurde eine Grafik, die einem Haus ähnelt und den Titel „Kultur der Achtsamkeit“ trägt, entwickelt. Darin sind unter anderem Bausteine wie „Aus- und Fortbildung“, „Verhaltenskodex“, „Beratungswege“ und einer „Leitungskultur“ zu finden.

Kein Detektiv, dafür achtsam

Ein wichtiger Baustein dafür sei die Benennung einer Präventionsfachkraft. Diesen Post hat Heinz Otlips übernommen. „Ich bin kein Detektiv, der Fälle aufklärt, sondern zuständig für den gesamten Bereich vor irgendwelchen Vorkommnissen“, erläutert Otlips. „Es gilt, Achtsamkeit zu entwickeln. Wie konnte es dazu kommen, wie ist es entstanden?“

Sexuelle Gewalt würde schon viel früher vor den Taten auftreten, beispielsweise bei ungewollten Berührungen oder Annäherungen im privaten Leben. „Daher ist die Prävention eine wichtige Grundlage im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit“, so der frühere Dekanatsreferent, der Ende 2019 in Rente ging (halloherne berichtete). Bereits jetzt müssten Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und regelmäßig Schulungen besuchen.

Verabschiedung von Dekanatsreferent Heinz Otlips.
Der ehemalige Dekanatsreferent Heinz Otlips ist nun die beauftragte Präventionsfachkraft. Foto: Barbara Rohde

Seine künftigen Tätigkeiten beschreibt er mit unabhängigen Begleitungen und Kontrollen, wie das Konzept umgesetzt wird. Dafür arbeitet er auf Honorarbasis, die Kosten teilen sich die vier Pfarreien. Zeitlich ist das erstmal ungebunden und ohne bestimmten Zeitraum. „Ich sehe es als Daueraufgabe mit keinem festen Ende. Es wird eine begleitende Aufgabe über mehrere Jahre sein.“ Das bekräftigt auch Rebecca Goeke: „Das Konzept ist im besten Fall nie ganz fertig, sondern ein kontinuierlicher Prozess in stetiger Evaluierung.“

Kein Generalverdacht

Mit manchen Personen oder Gruppen habe man auch noch nicht arbeiten können, da sie aufgrund der Pandemie noch gar nicht wieder zusammengekommen sind. „Dazu kommen und gehen immer wieder Mitarbeiter. Wichtig ist, dass nicht alle unter Generalverdacht gestellt werden“, betont Otlips.

Wenn etwas passieren sollte, wäre er der Ansprechpartner für Betroffene oder deren Eltern. „Ich habe eine Lotsenfunktion. Ich kann nach Absprache dann an Organisationen wie Schattenlicht e.V. oder direkt an Behörden wie Jugendamt, Polizei oder Staatsanwaltschaft vermitteln“, berichtet Otlips. Ziel sei aber, Vorfälle so gut es geht zu vermeiden.

Das Konzept für St. Dionysius ist unter diesem Link als PDF nachzulesen, St. Christophorus hat unter diesem Link Informationen bereitgestellt. Dort finden sich jeweils auch Kontaktdaten.

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