'Gegen Gewalt gegen Frauen'

Aktionswoche geplant, HCR unterstützt

v.l. Dirk Rogalla (HCR) Melanie Kampa, Sabine Schirmer-Klug und Cordelia Neige (Büro für Gleichstellung und Vielfalt) Antonie Brieske (Schattenlicht) präsentieren die Buswerbung für die Aktionswoche 'Gewalt gegen Frauen'.
(v.l.) Dirk Rogalla (HCR), Melanie Kampa, Sabine Schirmer-Klug und Cordelia Neige (Büro für Gleichstellung und Vielfalt) und Antonie Brieske (Schattenlicht) präsentieren die Buswerbung für die Aktionswoche 'Gewalt gegen Frauen'. Foto: Carola Quickels

'Gewalt gegen Frauen' - dazu zählen nicht nur die physische, also die körperliche Gewalt, sondern auch die psychische und die sexuelle Gewalt. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen benannt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist eine allgegenwärtige Menschenrechtsverletzung. Darum ist es nur gut und richtig, dass seit 1999 der 25. November eines jeden Jahres als „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ deklariert ist.

'Der runde Tisch gegen häusliche Gewalt Herne' hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Schutz und Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen zu informieren und für das Thema 'Gewalt gegen Frauen' zu sensibilisieren. Dazu ist auch in diesem Jahr eine Aktionswoche - von Montag bis Samstag, 22. bis 27. November 2021 - geplant. Auf einer Pressekonferenz am Freitag (19.11.2021) stellten die Verantwortlichen ihre Angebote für die Woche vor.

Werbung auf und in Bussen

Gleichzeitig wurde auch einer der HCR Busse mit einer entsprechenden Werbung vorgestellt. Mit Fördermitteln des Landes NRW und der Unterstützung der HCR wurde auf dem Heck von drei Bussen das Plakat der Aktionswoche angebracht. „Zusätzlich zu der Außenwerbung, die im gesamten Stadtgebiet wahrgenommen wird, läuft über unseren Monitore in den Bussen ein Hinweis auf die Webseite: 'Der runde Tisch gegen häusliche Gewalt'“, erklärt HCR-Pressesprecher Dirk Rogalla.

Auf und in drei Bussen der HCR ist die Werbung für die für die Aktionswoche 'Gewalt gegen Frauen' zu sehen.
Auf und in drei Bussen der HCR ist die Werbung für die für die Aktionswoche 'Gewalt gegen Frauen' zu sehen. Foto: Carola Quickels

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Sabine Schirmer-Klug findet den Bus als Werbemedium ideal, sei die Gewalt gegen Frauen doch immer noch ein Tabu-Thema und etwa jede zehnte von Gewalt betroffene Frau habe keine Ahnung von den möglichen Hilfsangeboten, die unter anderem auf der Webseite runder Tisch aufgelistet sind.

Antonie Brieske von der Beratungs- und Kontaktstelle Schattenlicht weiß zudem: „Für viele Mädchen und Frauen ist es wichtig, diese Infos in der Öffentlichkeit zu sehen. Sie sitzen im Bus und lernen die Monitor-Info auswendig. So haben sie die Hilfe im Kopf und es kann ihnen niemand beweisen, dass sie sich informiert haben." Stichwort: Handykontrolle durch Väter, Brüder oder Ehemänner.

Wichtig ist es den Akteurinnen, die Gewalt langfristig zu reduzieren und eine gute Präventionsarbeit zu leisten, dies sei auch an Schulen notwendig. Dazu fand am Donnerstag (18.11.2021) der Aktionstag 'Hennamond' an der Erich-Fried-Gesamtschule statt (halloherne berichtete).

Impro-Theater Emscherblut

Das Improvisations-Theater Emscherblut.
Das Improvisations-Theater Emscherblut. Foto: Veranstalter

Ein besonders Gimmik wird für Mittwoch, 24. November, vor der Wanner Christuskirche, und für Donnerstag, 25. November 2021, direkt am Kugelbrunnen angeboten. Jeweils in der Zeit von 12 bis 13:30 Uhr wird die Ruhrgebietsgruppe 'Emscherblut' erwartet. Das Impro-Theater verbindet Schauspielkunst, Comedy, Sketche und Wortspielereien. Passend zum Thema Gewalt werden unter Einbeziehung des Publikums, das auch gleichzeitig Stichwortgeber sein wird, die absurdesten Szenen entstehen.

Friedensgebet und Lichtergang

Ebenfalls am Donnerstag, 25. November 2021, lädt die Kreuzkirchen-Gemeinde und die Pfarrei St. Dionysius auf den Europaplatz zum Friedensgebet mit anschließendem Gang über die Bahnhofstraße (halloherne berichtete). Das Thema: „Das Licht der Welt für die Frauen der Welt."

'Orange your City'

Cordelia Neige - Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle Herne.
Cordelia Neige - Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle Herne. Foto: Carola Quickels

Eine weitere Aktion sei auch gleichzeitig eine Premiere in Herne, erzählt die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte Cordelia Neige: die weltweite Aktion „Orange your City – sag NEIN zu Gewalt gegen Frauen". In Herne werden passend zu dieser Aktion die beiden Rathäuser, die Akademie Mont-Cenis und der Eingangsbereich des Kulturzentrums orange angestrahlt (von 18 bis 24 Uhr).

Neige: „Wir hoffen darauf, dass im nächsten Jahr noch mehr Gebäude angestrahlt werden.“ Ebenfalls angestrahlt wird das Mulvany-Berufskolleg, dort tragen die Lehrkräfte am Donnerstag zusätzlich Kleidungstücke in Orange. Sie führt weiter aus: „Wir fänden es schön, wenn sich die Bürger daran beteiligten und zum Beispiel auch etwas in der Farbe Orange tragen und/oder ein Licht ins Fenster stellen würden."

Aufklärung ist dringend Notwendig

Dass die diversen Hilfs- und Unterstützungsangebote dringend notwendig sind, das machen Zahlen deutlich, die belegen, dass jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebt. An jedem dritten Tag geschieht in Deutschland ein Femizid, das bedeutet: eine Frau wird aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Wobei die meisten Femizide bei einer Trennung geschehen, oder wenn die Frau nur von Trennung spricht. 2019 zählte das Bundeskriminalamt 117 Femizide, die nahezu alle aus häuslicher Gewalt hervorgegangen sind. Denn vor der Tötung steht immer die häusliche Gewalt.

Sabine Schirmer-Klug, Leiterin der Gleichstellungsstelle Herne.
Sabine Schirmer-Klug, Leiterin der Gleichstellungsstelle Herne. Foto: Carola Quickels

Laut Antonie Bierske von Schattenlicht gab es im Jahr 2020 über 1.000 Beratungen an gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen und gut 290 Polizeieinsätze zu diesem Thema. Während des Lockdowns ging diese Zahl deutlich zurück, um im Jahr 2021 umso höher anzusteigen und 2020 noch zu übertreffen. Die Frauen vom runden Tisch Herne beobachten, dass die Brutalität seit dem Lockdown immens gestiegen ist. Der Frust bei den Tätern scheint sehr tief zu sitzen und immer mehr Frauen suchen Schutz und Hilfe.

Hilfsangebote für Frauen die Schutz suchen, die fehlen an jeder Ecke: es fehlen räumliche, psychologische und auch juristische Hilfsangebote. Und eines zeigt die Erfahrung: Häusliche Gewalt, die findet in allen gesellschaftlichen Gruppen statt und ist kein Minderheitenproblem. Gewalt findet in allen Schichten, allen Religionen und allen Kulturen statt.

Istanbul-Konvention

In Deutschland trat die Istanbul-Konvention - „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ - im Februar 2018 in Kraft. Deutschland verpflichtet sich damit, alles dafür zu tun, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, Betroffenen Schutz und Unterstützung zu bieten und Gewalt zu verhindern. Festgelegt ist in den Konventionen zum Beispiel auch ein flächendeckender Ausbau der Frauenhäuser. Laut der Konvention soll es auf 10.000 Einwohner einer Stadt einen Platz im Frauenhaus geben. Für Herne müssten also rein rechnerisch 15,7 Plätze bereitstehen.

Gewaltschutzgesetz

Kommt es zur Anzeige häuslicher Gewalt, so kann der Täter bis zu 14 Tagen der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden. Es ist jedoch eine trügerische Sicherheit, denn nach dieser Zeit kann er wieder in die Wohnung und es beginnt ziemlich sicher wieder von vorne.

Das brauchen wir

Neben mehr und effizienteren Hilfsangeboten für betroffene Frauen braucht es zielgerichtete Maßnahmen, damit es erst gar nicht so weit kommt. Dabei könnte ein wichtiger Baustein für den Opferschutz die Arbeit mit den Tätern sein. Denn wenn es die Täter in Zukunft schaffen, Konflikte ohne Gewalt auszutragen, und eine Beziehung ohne Gewalt zu führen, erst dann ist den Frauen geholfen. Diese Täterarbeit könnten den gesamten Kostenapparat positiv beeinflussen.

Kosten der häuslichen Gewalt

Neben allem menschlichen Leid, verursacht die häusliche Gewalt zudem enorme Kosten. Kosten für die Polizei, die Justiz, für die unterschiedlichsten Unterstützungs Angebote, Kosten im Gesundheitswesen oder auch der Ausfall der Erwerbsarbeit. Und auf keinen Fall darf vergessen werden, dass durch die Gewalt, die die Kinder mit- oder auch abbekommen, enorme Trauma-Folgekosten entstehen.

Hilfetelefon

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet deutschlandweit seit März 2013 unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 erste Hilfe an. Es ist ein Unterstützungsangebot für Frauen, die von jeder Form von Gewalt betroffen sind, und steht rund um die Uhr zur Verfügung.

November
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Mittwoch
Mittwoch, 24. November 2021, von 12 bis 13:30 Uhr Kunst Christuskirche , Hauptstraße 245 , 44649 Herne
November
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Donnerstag
Donnerstag, 25. November 2021, von 12 bis 13:30 Uhr Kugelbrunnen , Bahnhofstraße 30 , 44623 Herne
November
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Donnerstag, 25. November 2021, um 17:30 Uhr Evangelische Kreuzkirche , Bahnhofstraße 8 , 44623 Herne
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