Offener Brief vom Circus Schnick-Schnack

Erneut Unterstützung von der Stadtverwaltung gefordert

„Kuriosum“: Nachmittagsvorstellung beim Familiencircus Schnick-Schnack in Herne (NW), am Donnerstag (20.06.2019).
Der Circus Schnick Schnack erhofft sich weiter Unterstützung von der Stadtverwaltung bei der Standortsuche (Archivbild). Foto: Stefan Kuhn

In Thematik um die Standortsuche und Zukunft des Circus Schnick-Schnack (halloherne berichtete) gibt es weiter keine Klarheit. Zuletzt wurde mitgeteilt, dass der Circus die Kündigung für das Gelände zwischen Roonstraße und Eschstraße erhalten habe (halloherne berichtete). Der Vorsitzende des Circus, Rainer Deutsch, verschickte nun einen Offenen Brief zu Situation, adressiert an Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. Darin heißt es:

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dudda, im Februar dieses Jahres hat der Circus Schnick-Schnack die Stadt Herne darüber informiert, dass der Internationale Bund das Gelände an der Roonstraße, auf dem auch der Circus seine Heimat hat, verkaufen will. Damit ist nun der Fall eingetreten, den wir schon seit 20 Jahren befürchtet/erwartet haben und den wir deshalb seit 20 Jahren immer wieder in Richtung der Stadt als mögliches Szenario kommuniziert haben, um uns mit der Stadt Herne uns diesen Szenario vorzubereiten.

Die offizielle Kündigung zum 31. Dezember 2022 Anfang September 2021, über informiert wurde, war nun der endgültige Schritt dahin, dass der Circus heimatlos zu werden droht und seine Arbeit für die Kinder und Familien dieser Stadt nach 25 Jahren trotz einer gesicherten finanziellen Situation und eines belastbaren Netzwerkes einstellen muss.

Vorschläge 'abgeräumt'

Wir haben deshalb erneut darum gebeten, dass wir seitens der Stadt bei der Standortsuche unterstützt werden. Über die SPD- und die CDU-Fraktion wurden dann zwei Standorte „ins Spiel gebracht“. Aus unserer Wahrnehmung wurden beide Standorte (Grundschule Jürgens Hof und Gasometer Herne) aber sehr schnell vom Baudezernat „abgeräumt“. Die Grundschule Jürgens Hof liegt mitten in einem Wohngebiet. Die Lärmimmissionen und auch die Parkplatzsituation wären offensichtlich große Hindernisse. Zudem gab es ebenso schnell aus dem Baudezernat den Hinweis, dass dieses Gelände natürlich nicht kostenfrei zur Verfügung gestellt werden könne, sondern erworben werden muss. Auch die Kostenseite hinsichtlich einer notwendigen Einfriedung und Erschließung wurde eher skeptisch gesehen.

Circus Schnick Schnack Zeltstadt an der Eschstraße.
Die Circus Schnick Schnack Zeltstadt an der Eschstraße (Archivbild). Foto: Marcel Gruteser

Beim Gasometer gab es sofort den Hinweis, dass es sich hier um eine Hundewiese handele, die nicht einfach aufgegeben werden könne. Zudem wurden auch hier die Einfriedung, die Erschließung und auch die Parkplatzsituation äußerst kritisch gesehen. Somit war dieser „Sondierungsprozess“ schon im März erledigt. Von der Stadt selber haben wir keine Vorschläge bekommen.

In einem persönlichen Gespräch haben wir ihnen ein Konzept für eine Kulturinsel am jetzigen Standort vorgestellt, dass wir mit anderen Kulturschaffenden entwickelt haben. Mit diesem Konzept haben wir die Hoffnung verbunden den aktuellen Standort zu halten. Gleichzeitig haben wir uns erfolgreich um Unterstützungsmöglichkeiten bemüht, mit denen wir nicht nur unsere baufällige Zeltstadt erneuern, sondern auch das Gelände an der Roonstraße erwerben können. Somit besteht eine große Möglichkeit die pädagogische Arbeit für rund 750 Kinder jährlich verlässlich fortzusetzen und zusammen mit anderen Kulturschaffenden weiter zu entwickeln.

Infos zum Kauf

Da es durchaus auch die Möglichkeit für einen alternativen Standort geben könnte, haben wir uns am Dienstag (28.9.2021) mit dem Baudezernat zu erneuten „Sondierungen“ in der Akademie getroffen. Wir selber haben diese Gespräche in aller Offenheit geführt und nicht nur die Dringlichkeit für einen dauerhaften Standort erneut versucht deutlich zu machen, sondern als Zwischenschritt auch vereinbart, dass wir unter anderem darüber informiert werden sollen, wer der Käufer des Geländes an der Roonstraße ist, ob wir Chancen haben das Gelände unter Vermittlung der Stadt selber zu erwerben oder ob nicht sogar die Stadt selber über die Wirtschaftsförderung einen Erwerb plant. Dies wollten wir als unseren „Plan A“ gerne klären, da ein Umzug grundsätzlich - auch wenn er natürlich denkbar und auch machbar wäre - eine große Belastung für den Verein wäre und wir im aktuellen Standort eine Menge Potential sehen – die Mitgliedschaft diesen Standort auch präferieren würde.

Trotz Nachfrage und entgegen dieser Absprache wurden wir bisher nicht nur nicht informiert, sondern es scheint nach Informationen des Circus zumindest nicht ausgeschlossen, dass die Stadt selber eine Vermarktung des Geländes plant und damit letztlich selber ein großes Interesse daran hat, dass wir das Gelände trotz einer nicht vorhandenen Alternative und vor dem Hintergrund des „Aus“ für unsere Einrichtung räumen müssen.

Nach diesen zahllosen nicht zielführenden Gesprächen haben wir die Hoffnung, dass sie sich nun persönlich unserer offenen Standortfrage annehmen und als neuer „Motor“ mit dazu beitragen, mit uns den aktuellen Status des Geländes an der Roonstraße zu erörtern und auch über mögliche Alternativen ins Gespräch zu kommen. Da die Zeit nun sehr drängt, würden wir uns über eine zeitnahe Terminabsprache sehr freuen.“

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