Kunst im Zeichen von Corona

Eine Kolumne von Hans-Jürgen Jaworski

Hans-Jürgen Jaworski.
Hans-Jürgen Jaworski. Foto: Günter Mottyll

Kunst im Zeichen von Corona… in wessen Zeichen denn auch sonst. Zur Zeit passiert ja alles unter dem weiten Himmel immer auch oder ausschließlich nur angesichts oder unter Corona. Also, auch Kunst, Kultur und Kirche. Nichts und niemand wird verschont.

Von daher sollte es selbstverständlich sein, dass sich jemand wie ich, der zugleich mit Kunst und Kultur und Kirche zu tun hat, auch noch in diesen Tagen irgendwie äußert. Oder es ist genau deshalb überflüssig, weil anscheinend so selbstverständlich. Noch ein Spruch zu unzähligen Sprüchen, Mitteilungen, Aufrufen, Verlautbarungen, Videobotschaften!! Vieles hört man schon nach einigen Tagen nicht mehr.

Dennoch möchte ich es wagen, immer wieder einmal in der nächsten Zeit auch ein paar Gedanken weiterzugeben - wie gesagt aus der Sicht eines Kunstschaffenden und zugleich eines Theologen, der auch noch Kunst-und Kulturbeauftragter des Kirchenkreises Herne ist. Und das hat diesen einen Grund: Kunst/Kultur und Kirche hatten es immer schon mit Corona zu tun, längst vor der Corona-Krise, und vielleicht jetzt erst recht.

Wir alten Lateiner wissen, Corona heißt auf Deutsch: Krone, Siegeskranz, Ehrenkranz

Wem in der Antike eine Corona verliehen wurde, der wurde in besonderer Weise geehrt und gewürdigt. Die Corona ist dann schon recht früh jenseits spezieller gesellschaftlicher Würdigungen zum Zeichen der unantastbaren und unverwechselbaren Menschenwürde geworden. Jeder Mensch ist gewissermaßen gekrönt, er ist ein Königskind.

Dann steckt in dem Wort Corona auch das Wort „cor“, auf Deutsch „Herz“, das für unseren Willen, unsere Seele, für Liebe, für die Mitte unserer Existenz steht. So verschieden Kunst und Kirche auch sein mögen: beiden geht es um die Würde des Menschen.

Wirkliche Kunst, die in der Mitte der eigenen Existenz ihren Ursprung hat, die von Herzen kommt, die beseelt ist, thematisiert letztlich immer die Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Wahre Kirche setzt sich immer laut oder leise, beherzt für sie ein, weil sie um den Schöpfer weiß, der diese Würde auf Ewigkeit verliehen hat. Diese Würde ist quasi im „Himmel“ verankert und sollte dadurch dem menschlichen Zu-und Angriff entzogen sein.

Dieses Zusammenspiel von Kunst und Kirche wird gerade auch äußerlich sichtbar, wenn Kunst im sakralen Raum, in einer Kirche, ausgestellt wird, wie zum Beispiel seit etlichen Jahren in der Christuskirche in Wanne-Mitte. Dabei sollen die Ausstellungen nicht nur gefallen und erfreuen (das natürlich auch), sondern auch Denkanstöße geben und ermahnen; denn nichts wird auf diesem Globus so verachtet und verletzt wie die menschliche Würde. Während sich in vielen Ländern der Erde (verständlicherweise) alles um das Corona Virus dreht, wird weiter geschossen, geschlagen, missbraucht und vergewaltigt - nur wir hören zur Zeit nichts oder nur wenig davon.

Während dieses verheerende Corona Virus (welch ein schöner Name für diesen unsichtbaren Todfeind) sich explosionsartig ausbreitet, ist dagegen der Gedanke an die unantastbare Würde des Menschen gar nicht virulent, geradezu ins Stocken geraten. Es könnte umgekehrt proportional sein. Das wäre traumhaft. Eben ein Traum. Leider.

Zur Zeit sind das kulturelle Leben und die Kunst in der Öffentlichkeit zum Stillstand verdammt, und das kirchliche Leben ist jetzt nicht mehr als ein glimmender Docht. Aber es wird eine Zeit danach geben. Vielleicht sind Kunst, Kultur und Kirche dann anders als bisher gefragt Aber man weiß es natürlich nicht. Dennoch könnten wir, die mittendrin sind, sich schon einmal ohne Druck darüber Gedanken machen. Zeit genug haben wir jetzt.

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