halloherne.de

lokal, aktuell, online.
Im heruntergekommenen, aber mit britischen Landschaften geschmückten Motelzimmer warten die Profikiller Ben (Konstantin Bühler) und Gus (Martin Horn) auf ihren nächsten Auftrag.

„Der stumme Diener“ in Bochum

Killer im Keller

Warten auf Wilson: Zwei Männer, der jüngere, smarte Ben (Konstantin Bühler), der gerne den Bestimmer mimt, und der ältere, nervöse Gus (Martin Horn), lümmeln sich auf dem schmuddeligen Bett eines Birminghamer Motels, das ganz offenbar schon bessere Zeiten gesehen hat (Bühne: Sascha Kühne). Ben gibt den Coolen, liest ausgiebig in einem Boulevardblatt, während Gus ein skurril gebogenes, tropfenden Wasserrohr, das am Kopfende weit aus der Wand herauskragt, mit zerknülltem Zeitungspapier zu stopfen versucht.

Anzeige: Glasfaser in Crange

Der coole Gus

Es sind offenbar schon länger miteinander im Team arbeitende Profikiller, die darauf warten, von ihrem Auftraggeber Details über ihren neuen Job zu erfahren. Erzählzeit ist erzählte Zeit: das Warten zermürbt vor allem Gus, der unruhig im Zimmer herumläuft, sogar aufs Bettgestell steigt, um an der von der Decke herunterhängenden nackten Glühbirne herumzufummeln. Der sich Gedanken um die Klospülung und den Füllstand der Gaspatrone für den Herd im Nebenraum hinter den Landschafts-Wandgemälden macht, sich aber nicht dazu aufraffen kann, dem Wunsch seines Kumpans entsprechend Tee aufzusetzen.

Ben, der ruhige

„Wir sind gleich dran“: Ben dagegen will sich partout nicht aus der Ruhe bringen lassen, liest haarsträubende Geschichten aus dem Blatt vor wie die einer 87-Jährigen, die sich aus Angst vor der Überquerung einer belebten Straße unter einen Lastwagen gelegt hat und von diesem überrollt wurde. Er ist zufrieden mit seiner beruflichen Situation: einmal in der Woche einen gut bezahlten Auftrag erledigen, um sich danach wieder ganz seinem Hobby, dem Holz-Modellbau, widmen zu können.

Der laute 'Stumme Diener'

Beide erschrecken fürchterlich, als sie Geräusche in der Wand hinterm Kopfende des Bettes wahrnehmen. Diese stammen von einem nur 'Stummer Diener' genannten Speisenaufzug, der immer neue Anforderungen zumeist exquisiter kulinarischer Wünsche unbekannter Gäste ausspuckt. Um endlich Ruhe zu haben, opfert Gus seinen Keks- und Chipsvorrat. Was aber nicht wirklich zielführend ist. Dafür meldet sich der Auftraggeber über das trichterförmige Sprachrohr neben dem Bett…

Der Trichter entpuppt sich für Gus (Martin Horn) und Ben (Konstantin Bühler) als Sprachrohr, der Schrank rechts daneben als „Stummer Diener“ genannter Speisen-Aufzug.

Im Original: 'The Dumb Waiter'

Der britische Theaterautor, Regisseur und Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter (1930 – 2008) schrieb 1957 das kurze Gangsterdrama 'The Dumb Waiter', das unter dem Titel „Der stumme Diener“ am 28. Februar 1959 von den Städtischen Bühnen Frankfurt/Main uraufgeführt wurde, bevor es am 21. Januar 1960 im Londoner Hampstead Theatre seine englische Erstaufführung erlebte. In dem Stück, gleichzeitig Krimi, Thriller und Komödie, geht es um die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen und welche Rolle Macht dabei spielt.

22 Jahre nach Jürgen Kruses Inszenierung mit Patrick Heyn und Johann von Bülow im Theater unter Tage hat nun, heftig umjubelte Premiere war am 28. Januar 2024, am gleichen, nun Oval Office genannten Ort Christian Feras Kaddoura den Einakter inszeniert. Der gebürtige Wittener des Jahrgangs 1991 hat Theater- und Medienwissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum studiert und ist seit 2021 Regieassistent am Schauspielhaus Bochum.

'Pay what you want'

Zusammen mit den Ausstattern (Kostüme: Lara Suppe) hat der auch als Musiker, Lyriker und Performance-Künstler multitalentierte Kaddoura die absurd-kafkaesken Momente des Stücks noch verstärkt und ihnen szenische Gestalt verliehen – vom Foto einer Kricket-Mannschaft, das vom Sideboard knallt und die angeblich so abgeklärten Profis zu Tode erschreckt, über den unter der Tür geschobenen Umschlag mit Streichhölzern, die dem zigarettenlosen Raucher Gus freilich nicht weiterhelfen, bis hin zum Running Gag der ausbleibenden Tea-Time. Eine Stunde großes Schauspielertheater hautnah – und das nach dem Motto „Pay what you want“.

Anzeige: Spielwahnsinn 2024

Karten

Karten für die Vorführungen sind auf der Homepage des Schauspielhauses zubekommen oder per Telefon unter dieser Nummer: 0234 – 33 33 55 55.

Die weiteren Aufführungen im Oval Office

  • Samstag, 3. Februar 2024, 20 Uhr
  • Donnerstag, 8. Februar 2024, 21 Uhr
  • Freitag, 9. Februar 2024, 20 Uhr
  • Freitag, 16. Februar 2024, 21 Uhr
  • Samstag, 17. Februar 2024, 21 Uhr
  • Donnerstag, 22. Februar 2024, 21 Uhr
  • Freitag, 23. Februar 2024, 21 Uhr
  • Freitag, 1. März 2024, 20 Uhr
  • Samstag, 2. März 2024, 20 Uhr
  • Sonntag, 17. März 2024, 20 Uhr (zum letzten Mal)
Vergangene Termine (10) anzeigen...
  • Freitag, 2. Februar 2024, um 20 Uhr
  • Samstag, 3. Februar 2024, um 20 Uhr
  • Donnerstag, 8. Februar 2024, um 21 Uhr
  • Freitag, 9. Februar 2024, um 20 Uhr
  • Freitag, 16. Februar 2024, um 21 Uhr
  • Samstag, 17. Februar 2024, um 21 Uhr
  • Donnerstag, 22. Februar 2024, um 21 Uhr
  • Freitag, 23. Februar 2024, um 21 Uhr
  • Freitag, 1. März 2024, um 20 Uhr
  • Sonntag, 17. März 2024, um 20 Uhr
| Autor: Pitt Herrmann