Jahreswenden – Lebenswenden

Engel-Statue vor dem Restaurant Engelsburg in Recklinghausen.Foto: Carola QuickelsEngel-Statue.

Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach und vor dem Heiligen Abend feiern wir am 24. Juni das Fest Johannes des Täufers. Markiert der 24. Dezember den kürzesten Tag im Jahr – und damit die Wende zum Licht, so stellt der 24. Juni den Gegenpol dar: Es ist ja eine eigenartig gegenläufige, ja widersprüchliche Gegebenheit im Jahreslauf: Mit dem Anfang des Winters wird es heller, dagegen nimmt das Licht ab, wenn der Sommer beginnt. Dabei ist es kein Zufall, dass genau auf diesen Tag der Sommersonnenwende das Fest des Täufers Johannes gelegt wurde, ebenso wenig zufällig wie das Datum des Weihnachtsfestes. Beide Tage bilden die Achse unseres Kirchenjahres. Vordergründig betrachtet hat die Datierung für das Geburtsfest des Täufers ihren Grund in Lk 1,36. Danach ist Johannes genau ein halbes Jahr älter als Jesus.

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Tiefergründig liegt den beiden Daten und ihrer Zuordnung aufeinander aber ein spirituelles Verständnis des Jahreslaufes zu Grunde. Mit Christus dem „Licht der Welt“, beginnt neu der Tag und verdrängt die Nacht. Ein ostkirchlicher Hymnus bringt dies schön ins Wort: „Herr Jesus, der Tag ohne Abend bist Du, alles durchdringendes Licht“.

Engelskulptur.Foto: Wolfgang QuickelsEngelskulptur.

Den Gegenpol stellt Johannes der Täufer dar, der als letzter der Propheten den Endpunkt des Alten Bundes bildet. Er steht für den Menschen und für die Welt, die auf Erlösung wartet. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Joh 3,30)“. In diesem Wort des Johannes, das er mit Verweis auf Christus sagt, steckt eine geistliche Deutung der zweiten Jahreshälfte: Wenn das äußere Licht abnimmt, muss das innere Licht (Christus) wachsen. Und damit trifft es uns, wenn wir auch im Leben an der Wende zur zweiten Hälfte stehen.

Auch im „Sommer des Lebens“, den sogenannten „besten Jahren“, hat unsere äußere Lebenskraft ihren Höhepunkt bereits längst überschritten. Immer zentraler wird die Frage, wie wir „Wachstum“ verstehen. Von Paulus stammt der Gedanke, dass ein „innerer Mensch“ wächst, wenn der äußere vergeht (2 Kor 4,16). Wir haben es in der Hand, auf welche Art „Wachstum“ wir setzen.

EVK
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Quelle: Pfarrei Dionysius 20. Juni 2018, 13:12 Uhr