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Einmal anhalten, Papiere bitte und Ladung zeigen: Die gemeinsame Schwerpunktkontrolle der Polizei und weiteren Behörden wie Ordnungsamt, Zoll und BALM (früher BAG) zwischen Westring und Forellstraße für Lkw und Transporter. Kontrolliert wurden dutzende Fahrzeuge.

Polizei und Co. mit Lkw-Schwerpunktkontrollen in Baukau

Für mehr Sicherheit: Zahlreiche Verstöße geahndet

Plötzlich schaltet der Streifenwagen vom Zoll sein Blaulicht an, dreht um 180 Grad und rast vom Schotterparkplatz in Richtung Forellstraße. Er nimmt die Verfolgung eines Transporters auf. Nach wenigen Metern Verfolgungsjagd ist klar: Alles ein Missverständnis, der Fahrer wusste nicht, ob er einem Polizeimotorrad oder dem Zollauto folgen soll. Nur eine von vielen Szenen, die sich am Dienstag (27.2.2024) in Baukau, zwischen Westring und Forellstraße, abspielen.

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Die Polizei ist hier bei kühlen fünf Grad Außentemperatur mit weiteren Behörden wie Zoll, Ordnungsamt, Gewerbeaufsichtsamt, Umweltamt, Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM, vorher Bundesamt für Güterverkehr, kurz BAG) und der Bezirksregierung Arnsberg für eine sogenannte Schwerpunktkontrolle vor Ort. Auf dem großen Freifeld werden die zahlreichen Lkw und Transporter von erfahrenen Beamten kontrolliert – halloherne ist exklusiv dabei und darf über die Schulter schauen. Zudem sind im Stadtgebiet Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei unterwegs und kontrollieren unter anderem das Tempo von Autos, Handys am Steuer und Gurtverstöße.

Genauer Blick auf Führerscheine, die Ladung und mehr

Polizeihauptkommissar Bodo Gutt ist einer der Beamten, die in Baukau einen genauen Blick auf die Führerscheine, Reifen, TÜV-Plaketten, Fahrtenschreiber und Co. werfen. „Wir nennen das integrative Kontrollen, die wir regelmäßig durchführen und damit vor allem das Ziel verfolgen, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen“, erläutert Gutt.

All das läuft unter dem Deckmantel der neuen Kampagne „#LEBEN“, die erst Ende Januar 2024 ins Leben gerufen wurde (halloherne berichtete). „Der Begriff bringt die Anstrengungen der Polizei, schwere Verkehrsunfälle zu reduzieren, auf den Punkt. Unter #LEBEN sind in naher Zukunft mehrere Aktionen geplant“, hieß es vom Bochumer Polizeipräsidium dazu. Eine Änderung war vor allem, dass keine Blitzermeldungen mehr angekündigt werden.

Austausch mit anderen Behörden für die Polizei wichtig

„Wenn ein Lkw oder ein voll beladener Transporter einen Unfall baut, hat das größere Auswirkungen als bei einem Pkw“, schildert der erfahrene Polizist und weist damit auf das Gefahrenpotenzial hin. Vor allem der Austausch mit den anderen Behörden sei für die Polizei wichtig, um so deren Arbeitsweisen und Abläufe genauer kennenzulernen und so besser miteinander arbeiten zu können. Grob gesagt: Die Polizei arbeitet am meisten hier vor Ort, der Papierkram und die weiteren Schritte werden zum großen Teil von den anderen Ämtern im Anschluss erledigt – bis hin zur Eintreibung der Bußgelder und zu persönlichen Besuchen bei den Firmen.

Ein genauer Blick auf die Reifen: Die Polizist wird dem Fahrer in Kürze sagen, dass die Reifen

Insgesamt gilt es, erläutert Gutt, zu überprüfen, was das jeweilige Fahrzeug transportiert, wie wird es transportiert, wie ist es gesichert, wie lange ist der Fahrer schon unterwegs, hat er eine Fahrerlaubnis, ist das Fahrzeug ausreichend verkehrstauglich. Aufgrund zahlreicher Details würden sich mittlerweile Fachdienststellen der Polizei darum kümmern, drei Jahre Übung sowie Fortbildungen seien dafür notwendig.

Vor allem aber auch: „Erfahrung ist wichtig. Die bekommt man aber nur bei Einsätzen. Mit der Zeit lernt man aber dazu“, sagt Gutt und geht zum nächsten Lkw, der von einem Motorradpolizisten auf den Schotterparkplatz gelotst wird. Es ist ein Lkw, der Paletten transportiert. Neben Führerschein, Fahrzeugschein und Personalausweis muss der Fahrer unter anderem einen Verbandskasten und sein Warndreieck für alle Fälle vorzeigen. Nach kurzer Suche – das Fahrzeug wird wohl von unterschiedlichen Personen über die Straßen und Autobahnen bewegt – ist alles da.

Digitaler Fahrtenschreiber zeigt Unmengen an Informationen

Doch dann folgt der spannende Teil. Der schon lange bekannte Fahrtenschreiber ist seit einigen Jahren digitalisiert worden und nun einfacher auszulesen. Das geht über eine Kontrollkarte der Polizei, anschließend wird ein kleiner Stick herausgenommen. Im (etwas zu engen) Mannschaftswagen, der nur wenige Meter entfernt steht, wird dieser in einen Laptop gesteckt und viele verschiedene Infos tauchen auf – über den Fahrer, aber auch über den Lkw.

Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnungen, Manipulationen am Fahrzeug, die Lenkzeiten, sogar die gesamte Aufzeichnung der Höchstgeschwindigkeit werden hiermit sichtbar. Einmal im November 2021 92 km/h statt der mit Toleranzabzug erlaubten 86 km/h gefahren? Alles sichtbar für den Kommissar, der das hier unter die Lupe nimmt. Sonst ist aber alles prima, der Fahrer kann sich wieder auf den Weg zur Firma machen.

Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM, früher BAG, Mitte) war neben der Polizei dort - oftmals trifft man diese Autos auf Autobahnen und deren Raststätten an.

Dennoch raubt das den oftmals ohnehin gestressten und unter Zeitdruck stehenden Lkw-Fahrern wertvolle Zeit. „Es ist viel mehr zu tun als beim Auto mit Führerschein und Fahrzeugschein“, erzählt Bodo Gutt. Eine halbe Stunde ist da schnell rum und mehr die Regel als eine Ausnahme.

Fahrer mit 1,28 Promille will noch flüchten

Seit 7:30 Uhr am Dienstagmorgen (27.2.2024) stehen er und weitere rund 30 Personen in Baukau und kontrollieren die Fahrzeuge. Kurz danach ging der erste Volltreffer bereits ins Netz. „Ein Fahrer eines Kleintransporters wollte sich noch der Kontrolle entziehen und flüchten. Er fuhr zu schnell und bei der Ansprache kam den Kollegen eine Alkoholfahne entgegen. Ein erster Test ergab 1,28 Promille, er ist für eine Blutprobe zur Wache gebracht worden“, berichtet Gutt. Dabei war das alles gar nicht so einfach: „Er hat sich zudem noch ordentlich gegen die Kontrolle vor Ort gewehrt.“

Das war auch nicht der einzige „Normalo“, der auf der Rückbank eines Streifenwagens Platz nehmen musste. Kurze Zeit später wird ein Paketauto heraus gewunken. Der Fahrer, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes darf hier nur gesagt werden, er kommt aus dem EU-Ausland, macht sofort einen „besonderen“ Eindruck auf die Beamten. Zudem verfügt er nur über einen nicht in Deutschland gültigen Führerschein.

Bodo Gutt begleitet ihn zum aufgestellten mobilen Klo, nach einer Urinprobe bewahrheitet sich der Verdacht: Positiv auf Kokain vorgetestet. Logischerweise wird ihm die Weiterfahrt untersagt, ein Kollege des Paketzustellers soll das Auto samt den verschiedenen Lieferungen abholen.

Portemonnaie vergessen: Führerschein per Foto präsentiert

Der nächste kontrollierte Fahrer eines Kleintransporters hat eine einigermaßen ungesicherte Ladung von Laminat, welche aber gerade noch so in Ordnung ist. Jedoch hat er sein Portemonnaie zu Hause vergessen und dementsprechend keinen Führerschein dabei. Seine Frau schickt ein Foto davon aufs Handy. Die Polizisten prüfen das Foto genau und überprüfen im Hintergrund mögliche Vermerke im System. Weil auch ein Scheinwerfer defekt ist, bekommt er ein paar ernste Sätze mit auf den Weg, darf dann aber weiterfahren.

Mit den Polizeimotorrädern wurden die Lkw und Transporter

Es geht weiter Schlag auf Schlag, Lkw um Lkw und unzählige Kleintransporter rollen von der Polizei begleitet auf das Gelände. Der nächste Lastkraftwagen ist einer mit Anhänger, in beiden Containern liegt haufenweise Schrott und Sperrmüll. „Der kann vorne 26 Tonnen und hinten 18 Tonnen transportieren. Das wären aber zu viel, 40 Tonnen sind das Maximum“, erläutert Polizeihauptkommissar Torsten „Toto“ Loch.

Leider hat der niederländische Fahrer mit einem deutschen Kennzeichen kein „Wiegeblatt“, also Nachweise über das tatsächliche Gewicht dabei – in den Niederlanden sind übrigens 50 Tonnen auf den Straßen erlaubt. Da aber sonst alles in Ordnung ist, fährt ein Streifenwagen mit dem Lkw zur Anlage von Remondis an die Heerstraße, um dort die Waage zu nutzen – Ergebnis unbekannt.

Die gesamte Liste an gesammelten Verstößen

So geht es mit den Kontrollen bis ungefähr 14 Uhr weiter. Polizeisprecher Jens Artschwager kann im Anschluss gegenüber halloherne die Auflistung der Verstöße präsentieren – die Liste ist lang. „Zwölf Mal Handy am Steuer, zwei Mal Drogenverstöße am Steuer, vier Mal waren Fahrer nicht angeschnallt. Ganze 59 Mal waren Autofahrer zu schnell unterwegs. Zwei Mal (beide oben erwähnt, Anm. d. Red.) wurde die Weiterfahrt untersagt. Elf Mal gab es einen Verstoß im Güterverkehr, sechs Mal hatte der Zoll einen Verdacht zur Schwarzarbeit und die Stadt Herne hat neun Ordnungswidrigkeiten mit TÜV-Verstößen und fehlenden Umweltplaketten festgestellt“, zählt Artschwager auf.

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Logischerweise würden sich die Polizei, als auch die anderen Behörden über eine deutlich kürzere Liste freuen. Trotzdem wissen alle Beteiligten, dass immer noch Fahrer unentdeckt bleiben und somit eine Gefahr für den Straßenverkehr sind. Deshalb wird es auch in Zukunft weiter die Schwerpunktkontrollen geben. Also: Achtsam sein und nach den Regeln der StVO fahren und das eigene Fahrzeug entsprechend überprüfen. Dann hat die Polizei auch nichts zu beanstanden.

Vermutet einen deutlich zu schweren Lkw samt Anhänger: Polizeihauptkommissar Torsten Loch überprüft aber auch noch weitere Stellen.
| Autor: Marcel Gruteser