Friedhöfe nun Immaterielles Kulturerbe

Verschiedene Kulturarten der Ruhestätten sollen gewürdigt werden

Friedhöfe in Herne nun Immaterielles Kulturerbe, das Schild hängt am Südfriedhof
Das neue Schild weist auf die Auszeichnung der Friedhöfe hin. Foto: Marcel Gruteser

Die vier aktiven Friedhöfe in Herne, genauer der Südfriedhof, der Holsterhauser Friedhof, der Nordfriedhof und der Holthauser Friedhof sind seit Freitag (18.9.2020) mit neuen Schildern als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet worden. Diese Aktion fand in rund 125 Städten in Deutschland zeitgleich statt. In Herne wurde die Auszeichnung am Südfriedhof an der Wiescherstraße vorgestellt, sie hängt an der Seite der großen Trauerhalle.

Thilo Sengupta, Mitarbeiter des Fachbereichs Stadtgrün, machte direkt zu Beginn deutlich: „Es handelt sich um immaterielles Kulturerbe und nicht um Welterbe der UNESCO. Die Friedhofskultur ist vielseitig und soll deshalb besonders gewürdigt werden.“

Darunter würde der gemeinsame starke Halt in der Trauer, das Erinnern und Würdigen, die Gräber als kleine Gärten, der Skulpturenpark, der aktive Klima- und Naturschutz, die Seniorentreffs, die Mahnung zum Frieden und noch weitere Aspekte zählen.

Friedhöfe in Herne nun Immaterielles Kulturerbe, hier die Trauerhalle vom Südfriedhof
Die Trauerhalle vom Südfriedhof, an der rechten Seite hängt das Schild. Foto: Marcel Gruteser

„Friedhöfe sind nicht nur Orte der Toten, sondern auch der Lebenden. Täglich kommen hier viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen hin. Manche trauern, manche verbringen Zeit, andere arbeiten hier, um die Gräber und die Grünanlagen zu pflegen. Der Friedhof ist also ein Ort, an dem gelebt wird“, sagte Sengupta. Genau darum ginge es beim immateriellen Kulturerbe. „Der Wert der Kulturform für unsere Gesellschaft soll dadurch sichtbarer gemacht werden.“ Das Schild diene daher zum Hinweis auf die Auszeichnung.

„Hier passiert sehr viel neben den Bestattungen“, bekräftigte Christina Thieringer-Bonk, Friedhofsmeisterin und Mitarbeiterin vom Fachbereich Stadtgrün. „Es entwickelt sich immer mehr zum Treffpunkt für Menschen. Spaziergänger kommen oft hier her, weshalb wir auch mehr Sitzbänke aufgestellt haben. Die Personen haben oft dasselbe Schicksal und können sich hier austauschen, so wird der Friedhof mehr zum Ort der Begegnung und zum sozialen Treff“, erläuterte die Friedhofsmeisterin. „Selbst zum Sport kommen hier Menschen vorbei, zum Beispiel zum Walking oder Radfahren. Dabei ist aber zu beachten, dass eine Ruhestätte keine Rennstrecke ist, im gemäßigten Tempo ist es aber okay.“

Grabschmuck vor Allerheiligen.
Die Kolumbarien auf dem Südfriedhof. Foto: Carola Quickels

Auf den Friedhöfen selbst geht der Trend bei Bestattungen zur Urne hin. 80 Prozent machen Urnen und Kolumbarien derzeit aus, die übrigen sind Erdbestattungen. In Holsterhausen wurden im Frühjahr neue Kolumbarien gebaut (halloherne berichtete).

Für die UNESCO macht die Friedhofskultur in Deutschland so besonders, dass sie zum einen Gräber in Parklandschaften einbettet, zum anderen gilt die Gestaltung als Erinnerung an kleine Gärten. So würde man nirgendwo anders gärtnerische und steinerne Elemente miteinander verbinden, wie in Deutschland.

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