Die Zukunft hat schon begonnen - Holtappel

Eine fotografische Werkschau 1950-2013

Selbstporträt, o.J. © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.
Selbstporträt, o.J. © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Foto: Rudolf Holtappel

Mit der Ausstellung RUDOLF HOLTAPPEL – Die Zukunft hat schon begonnen widmet sich die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen erstmals dem Lebenswerk des wichtigsten Oberhausener Fotografen des 20. Jahrhunderts. Die Werkschau ermöglicht mit etwa 250 Arbeiten einen umfassenden Einblick in die Motiv-Vielfalt des über 60 Jahre in Oberhausen lebenden Fotografen. Zu sehen ist die Ausstellung von Sonntag, 10. Mai, bis Sonntag, 6. September 2020. In Corona-Zeiten wird es keine Eröffnungsveranstaltung, wie wir sie alle kennen, die findet am Sonntag mit Festrednern im Netz statt.

Museum und Corona

Und auch ansonsten hat sich das Team vom Schloss Oberhausen auf die Vorgaben des Landes NRW und der Stadt Oberhausen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie eingestellt. Dagmar Winkler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: „Unsere Besucher sind verpflichtet Schutzmasken zu tragen, ebenso wie unsere Mitarbeiter. Zudem lassen wir nur 80 Besucher ins Haupthaus, 25 in die Panorama-Galerie und 10 Besucher ins Kabinett. Linien im Kassenbereich zeigen den perfekten Abstand zwischen den Wartenden an." Damit die Mitarbeiter den Überblick über die Zahl der Besucher behalten, werden kleine Einlasskärtchen ausgegeben.

Grau– nur dreimal im Jahr eine klare Sicht

„Grau– nur dreimal im Jahr eine klare Sicht“, so beschreibt Rudolf Holtappel (1923– 2013) das Ruhrgebiet und fotografiert weiße Wäsche vor rauchenden Schloten, Dramen auf Theaterbühnen sowie konsumierende Menschen im Warenhaus. Für die Bildbände des Mercator-Verlags setzt Holtappel Industrie, Stadt und Mensch in Szene.

Oberhausen Ruhrchemie, 1977 © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.
Oberhausen Ruhrchemie, 1977 © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Foto: Rudolf Holtappel

Sowohl von 1961–1970, als auch von 1992–2003 ist Holtappel als Bühnenfotograf in der Ära Büch und Weise am Theater Oberhausen tätig. Seine Wahl besonderer Blickwinkel und sein Gespür für den richtigen Augenblick werden bei Inszenierungen von Günther Büch, der Peter Handkes Stücke ans Theater brachte, genauso deutlich, wie bei Aufführungen von Klaus Weise in den 1990er Jahren.

Ob teilnehmender Chronist des Ruhrgebiets, ob herausragender Theater- oder prämierter Warenhausfotograf – seine Fotografien berichten meisterhaft und in einer eigenständigen fotografischen Sprache von den enormen Veränderungen, die das Ruhrgebiet von den 1950er Jahren bis in die 2010er Jahre durchläuft. Die Ausstellung stellt den einfühlsamen Blick Holtappels auf den Menschen in den Mittelpunkt; sie zeigt aber auch, dass seine Bilder maßgeblich das visuelle Gedächtnis zweier Oberhausener Theater-Intendanzen prägen und bestätigt seine um Sachlichkeit bemühte Herangehensweise bei der Auftragsfotografie.

Über Jahre hinweg arbeitet Holtappel für Karstadt und Henkel und prägt durch seine Fotografien die Darstellung der Unternehmen entscheidend mit. Für Karstadt entstehen von 1964–1995 Aufnahmen, die Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken, etwa Bilder von Kunden und Kindern, Mitarbeitern und Menschenmengen beim Schlussverkauf. Für die Firma Henkel fotografiert er von 1974–2002 Werkshallen, Produkte, Produktionsabläufe in Fabriken und Menschen an ihren Arbeitsplätzen, die in der Zeitschrift Henkel-Blick abgedruckt werden. Unter den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen und einem Ankauf vom Deutschen Bundestag sind auch die Fotografien der Henkel-Werksküchen, die mehrfach mit dem deutschen Wirtschaftsfotopreis prämiert werden. Erstmalig werden Fotografien, die für Henkel entstanden sind, der Öffentlichkeit präsentiert.

Oberhausen vor Zeche Sterkrade, 1960 © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen.
Oberhausen vor Zeche Sterkrade, 1960 © Rudolf Holtappel, Nachlass LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Foto: Rudolf Holtappel

Zahlreiche Fotografien versieht Holtappel mit Titeln, die zum Schmunzeln anregen. So stammt der Titel der Ausstellung - Die Zukunft hat schon begonnen - von einem seiner Bilder. Überraschend und experimentell ist Holtappels Umgang, der 1950 seinen Meister in Fotografie abgelegt hat, mit alten Edeldruckverfahren (Salzprints, Cyanotypien und Bromöldrucken) oder mit Kamera-Materialien. Ein Ausstellungsbereich zeigt Holtappels Schwarz-Weiß-Fotolabor.

Der Nachlass, der etwa 360.000 Negative in Schwarz-Weiß und Farbe, tausend Fotoabzüge und Diapositive umfasst, wurde 2017 von der Stadt Oberhausen angekauft und konnte mit Unterstützung des LVR wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden. Unterstützt durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland und den Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Kulturpartner ist WDR 3.

Gezeigt werden rund 250 Arbeiten zu den zentralen Werkgruppen Industrie-, Stadtbild-, Bühnen- und Auftragsfotografie. Erstmalig sind auch Arbeiten zu sehen, die für Henkel entstanden sind. Die Schau wird unterstützt durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland und den Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Kulturpartner ist WDR 3.

Mai
10
Sonntag
Sonntag, 10. Mai, um 11 Uhr bis Sonntag, 06. September 2020, um 23:55 Uhr Öffnungszeiten Di-So 11-18 Uhr; Mo geschlossen, feiertags sowie Pfingstmontag geöffnet Eintritt 8, ermäßigt 4, Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) 12 Euro. Öffentliche Führungen entfallen. Kuratorinnenführungen entfallen. Zur Ausstellung erscheint im Verlag Kettler ein Katalog, 29,80 Euro ISBN 978-3-86206-815-9
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