Betrieb im Hallenbad Eickel nicht möglich

SPD: Mehrere faktische und rechtliche Gründe, Neubau dafür gefordert

Das ehemalige Hallenbad: Pottporus stellt Perspektiven für das Hallenbad vor.
Das ehemalige Hallenbad: Hier ist wohl kein Betrieb mehr möglich. Foto: Carola Quickels

Die Herner SPD-Fraktion hat sich neue Gedanken zur Situation der Lehrschwimmbecken in Herne gemacht. So hat bereits im März 2021 eine Gruppe von sechs Fachpolitikern ein Arbeitspapier vorgelegt (halloherne berichtete). Nachdem zwischenzeitlich die Verwaltung selbst ein Lehrschwimmbeckenkonzept vorgestellt hat, welches Neubauten statt Sanierungen vorsieht, zog die SPD nun nach ersten Diskussionen in den Ausschüssen ein Zwischenfazit. „Wir konnten erste Erkenntnisse aus den Gesprächen ziehen“, sagt Hendrik Bollmann, einer der Verfasser, SPD-Vorstandsmitglied und Sprecher der SPD-Fraktion für Sportpolitik, gegenüber halloherne.

Die weiteren Verfasser des Papiers sind: Arnold Plickert (Bezirksbürgermeister Eickel), Willibald Wiesinger (Fraktionsvorsitzender Bezirksvertretung Eickel), Uwe Purwin (Bezirksbürgermeister Wanne), Torsten Becker (Fraktionsvorsitzender Bezirksvertretung Eickel), Birgit Klemczak (Schulausschussvorsitzende im Stadtrat Herne), Theres Boneberger (Sprecherin für Schulpolitik der SPD-Ratsfraktion), Manuela Lukas (Sprecherin für Finanzen, Beteiligungen und Immobilien der SPD-Ratsfraktion) und Martin Kortmann (Sportausschussvorsitzender im Stadtrat Herne).

Kein Schwimmunterricht möglich

„Die Herner Politik hat sich in einem ersten Schritt dazu entschieden, das erste Lehrschwimmbecken als Anbau an den Südpool an der Bergstraße zu bauen. Das ist gut so“, schreibt die SPD. „Festzustellen bleibt auch, dass es ein hohes gesellschaftliches Interesse geben muss, dass unsere Kinder die Möglichkeit bekommen müssen, schwimmen zu lernen. Dieser Anspruch der Kinder hat in den letzten 15 Monaten der Corona-Pandemie nochmals erheblich gelitten, da keinerlei Schwimmunterricht möglich war (halloherne berichtete und berichtete).“

Dieses Problem werde es auch in Herne geben. Daher hat die SPD mehrere Punkte herausgearbeitet, die es anzugehen gelte.

Spendenübergabe an das Tierheim Herne-Wanne, Hendrik Bollmann.
Hendrik Bollmann, SPD-Vorstandsmitglied und Sprecher der SPD-Fraktion für Sportpolitik. Foto: Fabian Dobbeck

Die Entscheidung, das erste neue Lehrschwimmbecken an den Südpool anzubauen, wird begrüßt. „Es entzerrt die Gesamtsituation der Lehrschwimmbecken in der gesamten Stadt. Mit den Planungen ist umgehend zu beginnen, da dort bereits Fläche, Technik und Parkplätze vorhanden sind“, heißt es im Papier.

Das zweite Neue soll in Wanne-Eickel gebaut werden. Offen ist hier, ob in Wanne oder Eickel. „Hierzu wird es von der SPD in den kommen Wochen Anfragen in den Stadtparlamenten geben, welche Optionen es für ein solches Bad gibt und welche Stadtorte dafür geeignet wären“, sagt die SPD. Bollmann ergänzt: „Wir haben keine Präferenz, das wäre nun auch zu früh, sich dafür festzulegen.“ Solche Neubauprojekte hätten aber weitaus größere Hürden als beispielsweise Kunstrasenplätze.

Zwei bis vier Jahre Dauer

Fest steht für ihn und die weiteren Verfasser: „Wir müssen dafür sorgen, dass die aktuellen Bäder solange offenbleiben und genutzt werden können, bis die neuen gebaut sind.“ Das könnte aber nach zeitlicher Einschätzung der SPD zwei bis vier Jahre dauern. Für diese Zeit sind auch alternative Lösungen im Gespräch, beispielsweise auf Schwimmbäder in angrenzenden Städten auszuweichen oder Bäder, die nicht in städtischer Hand sind, anzumieten.

Für den Vereinssport gibt es die erfreuliche Meldung, dass das Schwimmbecken im Wananas doch die erforderliche Länge für Wettkämpfe hat (halloherne berichtete und berichtete).

Lehrschwimmbecken im Wananas.
Die Lehrschwimmbecken in Herne, wie hier im Wananas, sind weiter Thema. Foto: Fabian Dobbeck

Fest steht für die SPD-Fraktion auch, dass das Hallenbad Eickel geschlossen bleiben muss - aus mehreren faktischen und rechtlichen Gründen. „Wir können nachvollziehen, dass viele Bürger mit diesem Schwimmbad persönliche Erinnerungen (auch an die dortige Pommesbude von Oma Kühn) verbinden, da sie persönlich, ihre Kinder und Enkelkinder dort schwimmen gelernt haben. So geht es übrigens auch vielen von uns“, schreibt die SPD.

Die Gründe sind unter anderem Risse in der Fassade, durchfeuchtete Deckenkonstruktion, keine Isolierung an den Innen- und Außenwänden, überalterte Technik und Leitungen und Schimmel. „Wollte man dies alles beseitigen, wäre mit einer Investition im deutlich 2-stelligen Millionenbereich zu rechnen. Hinzu kämen noch Kosten für etwaige Risikoaufschläge für Schadstoffe bzw. Tragwerkkonstruktion“, so die SPD. „Außerdem würde man politische Beschlüsse mit der Bezirksregierung Arnsberg aufreißen. Es ist auch für uns kein Spaß, wir sind auf diese Probleme erst durch unsere Recherche gestoßen“, sagt Hendrik Bollmann gegenüber halloherne. „Es geht aber um mehr als Nostalgie.“ Diese macht sich auch in mehreren Leserbriefen und Berichten in den vergangenen Monaten bemerkbar (halloherne berichtete und berichtete und berichtete)

Schrottimmobilie vermeiden

Das Entstehen einer Schrottimmobilie soll vermieden und gleichzeitig geprüft werden, ob Teile vom Hallenbad für andere Verwendungen zur Verfügung stehen. Außerdem soll ein interfraktioneller Arbeitskreis entstehen, der sich um die Ausrichtung der Herner Schwimmlandschaft der kommenden zehn Jahre kümmern soll. Das ganze Thema steht auch im nicht-öffentlichen Teil der Bezirksvertretung Eickel am Donnerstag, 10. Juni 2021, auf der Tagesordnung. Zudem möchte die SPD in den kommenden Wochen eine Veranstaltungsreihe für Bürger anbieten, um mit ihnen zu diskutieren.

Horst Schröder, der sich für den Erhalt des Schwimmen lernen für Kinder in Herne einsetzt, hofft darauf, dass die Beschlüsse noch umkehrbar sind. Jedoch blieben auch viele seiner Fragen unbeantwortet, dazu gebe es eine Vielzahl an ungenutzten Förderprogrammen.

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