Sportvereine während der Pandemie

Vorsitzende berichten über die aktuelle Situation und Lage

Lehrschwimmbecken im Freizeitbad Wananas in Herne (NW), am Mittwoch (22.01.2020). Foto: Stefan Kuhn
Auch bei Schwimmvereinen geht seit dem erneuten Lockdown nichts mehr. Foto: halloherne

Seit über einem Jahr herrscht nun weltweit die Corona-Pandemie. In allen Bereichen des Lebens gibt es Einschränkungen. So auch im Sport. Der Vereinsbetrieb wird durch die ständigen Wechsel von Lockerungen und Lockdown eingeschränkt. Deutschlandweit sind die Mitgliederzahlen in den Sportvereinen zurückgegangen und viele Vereine leiden unter der Krise. Aus diesem Grund hat die halloherne-Redaktion bei unterschiedlichen Vereinen nachgefragt, wie die derzeitige Situation aussieht.

Bereits im Januar befürchtete der Vorsitzenden des Stadtsportbundes (SSB), Hans Peter Karpinski, gegenüber halloherne einen Corona-bedingten Mitgliederrückgang (halloherne berichtete). Nun scheint sich seine Vorahnung zu bewahrheiten: „Der Mitgliederschwund ist ganz klar eingetreten und liegt bei neun Prozent."

Weiter führt er aus: „Jedoch glaube ich, dass wir auf einem guten Weg sind und dass wir den Rückgang auffangen können. Wir hoffen, dass wir nach den Sommerferien eine Veranstaltung planen können, damit sich die Vereine vorstellen können und wir so wieder mehr Leute animieren, in einen Verein einzutreten. Jedoch hängt das von der Corona-Situation ab, die momentan noch nicht abzusehen ist."

Von einem Mitgliederschwund ist auch einer der ältesten Vereine unserer Stadt betroffen: Der TV Wanne-Eickel 1885.

„Vor Corona hatten wir eine gute Fluktuation. Neuanmeldungen und Austritte hielten sich die Waage. Nun haben wir so gut wie keine Neuanmeldungen mehr", berichtet Burkhard Ladewig, erster Vorsitzender des TV Wanne 1885. Die Mitgliederzahl sei geschrumpft.

Burkhard Ladewig - Vorsitzender des Vereins Sport mit Senioren (SmS).
Burkhard Ladewig - Vorsitzender des TV Wanne 1885. Foto: Carola Quickels

Momentan müsse er als erster Vorsitzender einige Mitglieder beruhigen, die aufgrund der Situation den Verein verlassen möchten. „Ich verstehe den Unmut der Leute, aber ein Sonderkündigungsrecht aufgrund von Corona ist nicht gegeben."

Weiter führt er aus: „Finanziell hat sich die Lage auch verschlechtert. Wir haben einen Mitgliederrückgang. Unsere Abgaben, Versicherungskosten und Unterhaltungskosten laufen aber weiter. So fallen die Spiele der Handball- und der Volleyball-Abteilung aus, hier wurden auch Einnahmen beispielsweise durch den Verkauf von Bratwürstchen erzielt. Das fällt natürlich jetzt weg."

Umstellung auf Online-Training

Der Verein sei ebenso auf Online-Training umgestiegen. So auch die Taekwondo-Abteilung für Kinder. „Unsere Gruppen sind hier nicht allzu groß. Beim Teakwondo-Training haben wir bis zu 15 Kinder. In der fortgeschrittenen Gruppe in etwa zehn", berichtet Ladewig. „Jedoch konnten wir Online-Prüfungen abhalten, damit wird die Anstrengung der Kinder belohnt."

Die Kinder haben zum Ablegen der Prüfung einen Theorieteil absolvieren müssen und in einem Video, was sie zu Hause gedreht haben, Formen-und Verteidigungslinien gezeigt. „Das haben sie wirklich sehr gut gemacht", so der erste Vorsitzende. Momentan behalte er die Entwicklungen rund um das Virus genau im Auge. Er hofft, dass es bald wieder eine Trainingsperspektive für die ganzen Vereine gibt.

Wenn wir im Januar nicht öffnen können, können wir einpacken

Marcus Bartsch.
Marcus Bartsch vom Kampfsportverein Bushikan. Foto: Stefan Kuhn

„Dieses Jahr wird unser Verein noch überstehen. Aber wenn wir im Januar 2022 nicht wieder reguläre öffnen können, können wir einpacken. Momentan bin ich froh, dass wir Rücklagen haben", sagt Marcus Bartsch, erster Vorsitzender des Kampfsportvereins Bushikan. „Ich habe damals den Fehler gemacht, dass ich mich nicht dem Stadtsportbund angeschlossen habe, das rächt sich jetzt. Aber wer hätte schon mit einer weltweiten Pandemie gerechnet?"

Weiter führt er aus: „Coronahilfen bekommen nur Vereine, die einem Landesverband oder dem Stadtsportbund angehören, oder angestellte Mitarbeiter haben. Das trifft auf uns alles nicht zu. Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit ehrenamtlichen Trainern."

Mittlerweile seien von den 200 Mitgliedern nur noch 130 über. Bartsch rechnet zum Sommer hin mit einem weiteren Mitgliederrückgang, sodass sich die Mitgliederanzahl einmal halbieren werde. „Die Leute hören aber nicht bei uns auf, weil sie keinen Bock mehr haben, da hängen Schicksale dran. Viele können die Kosten einfach nicht mehr tragen", so der Vorsitzende.

Er selbst könne den Mitgliedern die Beiträge aber auch nicht freistellen, denn auch er habe seine festen Ausgaben. „Ich habe bereits einige Prominente wie Henry Maske um Hilfe gebeten und auch unseren Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, leider alles ohne Erfolg", berichtet Bartsch.

Frustriert von der Politik

Der Vorsitzende des Vereins ist wütend: „Ich bin enttäuscht und frustriert von der Politik. Ich war immer jemand, der alles mitgegangen ist. Habe sogar im November noch unsere Mitglieder und Trainer eingeschworen: ,Noch einmal für vier Wochen zusammenreißen und dann legen wir wieder los'. Doch nun haben wir schon Mai."

Momentan halte der Verein seine Trainingseinheiten mit den Vereinskindern draußen ab. Dies sei aber auch schwierig, da man kaum öffentliche Sportplätze bekäme. „Im Gysenberg herrscht Maskenpflicht und auch im Stadtgarten ist es immer ziemlich voll, sodass wir keine guten Trainingsvoraussetzungen haben", so Bartsch.

Ebenso ärgere ihn, dass man Hygienekonzepte entwickelt habe, die man nun nicht anwenden könne. „Ich habe über 3.000 Euro für das Hygienekonzept ausgegeben. Habe beispielsweise Fieberthermometer und Desinfektionsmittel gekauft. Ebenso haben wir in unserem Dojo eine Lüftungsanlage, jedoch dürfen wir drinnen keine Einheiten abhalten."

Abschließend sagt er: „Was ich der Politik wirklich vorwerfe, ist, dass es überhaupt keine Öffnungsperspektive für Vereine gibt."

Fehlende Perspektive

Über eine fehlende Perspektive klagt auch Carola Engler von Schwimmsportverein S.C. Hellas Wanne-Eickel: „Ich wünsche mir einfach eine Perspektive. Wir haben Hygienekonzepte entwickelt. Wir könnten loslegen. Vonseiten der Vereine wird alles getan."

Finanziell gehe es dem Verein noch gut, da man sehr sparsam gehaushaltet habe. Dennoch habe auch sie weiter fortlaufende Kosten und die Anzahl der Vereinsmitglieder sinkt. „Ich verstehe den Unmut der Eltern und der Mitglieder, dass sie zahlen müssen, obwohl wir kein Training abhalten dürfen. Früher hatten wir immer einen guten Ausgleich von Neuanmeldungen und Austritten. Seit Corona habe ich nur Austritte", berichtet Carola Engler. Sie verstehe auch nicht, warum man nicht wenigstens wieder mit den geimpften Senioren starten könnte.

Lehrschwimm- und Turnhalle an der Kolibri-Schule am Hölkeskampring in Herne (NW), am Mittwoch (22.01.2020).
Die Lehrschwimmhallen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Foto: Stefan Kuhn

Momentan finde überhaupt kein Training statt, da die Lehrschwimmbäder geschlossen sind. Jedoch merkt Engler auch an, dass die Situation für den Schwimmsport in Herne auch vor Corona schlecht gewesen sei (halloherne berichtete).

„Wir haben nur noch drei Lehrschwimmbecken, die genutzt werden können. In der Hans-Tilkowski-, Görre-und Michaelschule. Jedoch ist auch dort ständig etwas defekt oder niemand kennt sich mit der Technik aus, weil der Hausmeister im Urlaub ist. Sehr oft fielen so in der Vergangenheit Unterrichtsstunden aus. So ist ein kontinuierliches Training mit Kindern nicht möglich", sagt Engler.

Momentan wisse man aufgrund von Corona auch nicht, wie es weiter geht. „Wir haben Konzepte und könnten starten. Vielleicht wenigstens mit kleinen Gruppen mit fünf Kindern. Momentan fehlen uns sinnvolle Aussagen und eine klare Perspektive, wann wir wieder starten können. Hier würden wir uns Klarheit wünschen", so Engler abschließend.

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