Tanzdemo 'One Billion Rising' am City Center
'Aus Wut wird Widerstand'
Ni una menos (z.dt. Nicht eine weniger) erklingt es aus den Boxen, die vor dem City Center aufgebaut sind. Schon von Weitem hört man die donnernden Bässe und sieht die meist in rot, pink oder orange gekleideten Frauen, die tanzend für die Rechte von Frauen und Mädchen am Samstag (14.2.2026) vor dem City Center demonstrieren.
Denn wie jedes Jahr an Valentinstag versammeln sich die Initiatorinnen vom Frauenhaus Herne und der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht sowie viele Unterstützer zum Tanzflashmob „One Billion Rising“ (halloherne berichtete). Obwohl es klirrend kalt ist und Schneeregen fällt, sind zahlreiche Menschen gekommen, um auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen.
Das diesjährige Motto Ni una menos -Women on fire nimmt noch einmal deutlich Bezug zu Femiziden. Das Motto bezieht sich nämlich auf eine lateinamerikanische Frauenbewegung, die im Jahr 2015 in Argentinien entstanden ist und auf Femizide aufmerksam machen will.
Zeichen für Mut, Würde und Menschenrechte
In diesem Jahr eröffnet erstmals Sozialdezernentin Stephanie Jordan die Veranstaltung mit einem Grußwort und zeigt sich dabei sehr emotional. „Wir setzen hier heute ein Zeichen für Mut, Würde und Menschenrechte, was in diesen Zeiten wichtiger denn je ist“, so Jordan.
Ähnlich sehen es auch die Organisatorinnen. Anna Kunze vom Frauenhaus macht deutlich, dass es über 10.000 Fälle von patriarchaler Gewalt im Jahr 2025 gab und die Rechte von Frauen und Mädchen weltweit bedroht sind. „Aus Wut wird Widerstand. Darum sind wir alle hier bei One Billion Rising“, macht Kunze deutlich.
Dem kann sich Annelie Gogolla von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht nur anschließen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht nur in Herne oder Deutschland, sondern an diesem Tag auf der ganzen Welt auf die Straße gehen“, sagt Gogolla.
DJ Said Omar und Uta Bücking sorgen für Stimmung
Gemäß der Tradition sorgen DJ Said Omar für Stimmung bei den Teilnehmerinnen. Die Organisatorinnen zeigen sich im Gespräch mit halloherne sehr dankbar, dass auf Omar egal bei welchem Wetter immer Verlass sei und er die Veranstaltung seit Beginn immer unterstützt. Ebenso lotst Choreografin Uta Bücking vom Kommunalen Integrationsmanagement (KI) die Tänzerinnen durch die Choreografie des altbekannten Songs 'Spreng die Ketten', aber animiert auch zum Freestyle zum neuen Kampagnen-Song 'Ni una menos'.
Als weitere Programmpunkt tritt Poetry-Slammerin Leonie Wolfrum in die Runde. Sie trägt ihren Text 'Nicht jeder oder doch kein Mann' vor, in dem sie die Lebensrealität von Frauen in einer von Männern dominierten Welt wiedergibt. Sie erinnert auch daran, wie stark patriarchaler Gewalt das Leben von Frauen und Mädchen einschränkt und erntet dafür viel Applaus.
Mutter von Annalena (+) spricht
Sehr emotional wird es hingegen als die Mutter, der im November 2025 getöteten Annalena (halloherne berichtete), das Wort ergreift. Sichtlich von Trauer und Emotionen gezeichnet, spricht sie zu den Zuhörenden und erinnert an ihre Tochter. Als sie die abschließenden Worte spricht „Annalena ist mehr als eine Zahl in der Statistik. Sie war eine Mutter, unsere Tochter und eine Frau“, kämpfen viele der Anwesenden mit den Tränen, viele können sie nicht mehr zurückhalten.
Hier wird vielen vielleicht erstmals bewusst, dass Femizide eben nicht nur weit weg geschehen, sondern in der eigenen Stadt. In diesem Jahr wird - auch durch die Worte von Annalenas Mutter - die Wichtigkeit von „One Billion Rising“ nochmals deutlicher bewusst und, dass alle beim Thema patriarchale Gewalt nicht wegsehen dürfen.