Das diesjährige Motto lautet 'Ni una menos'
Demo 'One Billion Rising' vor dem City Center
Ni una menos - Nicht eine weniger - lautet das diesjährige Motto der weltweiten Solidaritäts-Aktion „One Billion Rising“. Wie jedes Jahr findet traditionell am Valentinstag die Aktion statt, bei der mit weltweiten Tanz-Flashmobs auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht wird. Initiiert wurde der Aktionstag im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler. Die „eine Milliarde“ deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben Gewalt widerfährt.
Natürlich beteiligt sich auch Herne erneut an der Aktion. Am Samstag, 14. Februar 2026, findet der Flashmob ab 12 Uhr vor dem Herner City Center an der Bahnhofstraße statt. Annelie Gogolla von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht und Svenja Kröger vom Frauenhaus Herne berichten im halloherne-Gespräch was die Teilnehmenden in diesem Jahr erwartet.
Zeichen gegen Gewalt
Wie immer tanzen dann die Teilnehmenden unter Anleitung von Choreografin Uta Bücking vom Fachbereich Integration - Kommunales Integrationszentrum, zum Song „Break the Chain“, um ein Zeichen zur Beendigung der Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen. Die Teilnehmenden können sich in den Farben rot, pink oder orange kleiden, was allerdings kein Muss ist.
Neben Redebeiträgen wird Sozialdezernentin Stephanie Jordan die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen. Musikalisch wird die Veranstaltung von DJ Said Omar begleitet. Außerdem wird es weitere Mitmachangebote und Veranstaltungspunkte, die derzeit noch in der Planung sind, geben.
In diesem Jahr freuen sich die Organisatorinnen auch wieder über eine finanzielle Unterstützung des städtischen Fachbereiches Kinder-Jugend-Familie. Zur Erinnerung: Seit dem Jahr 2023 wird der Baustromverteiler nicht mehr kostenlos von den Stadtwerken bereitgestellt. Die Bereitstellung erfolgt über eine andere Firma. Hierfür seien in der Vergangenheit circa 300 Euro an Kosten angefallen, die die Organisatorinnen nur schwer aufbringen konnten (halloherne berichtete). Umso mehr freuen sie sich nun, dass der Fachbereich ihnen diesbezüglich unter die Arme greift.
'Nicht eine weniger'
Dass das Motto Ni una menos in diesem Jahr nochmals deutlicher Bezug zu Femiziden nimmt, befürworten die Veranstalterinnen. Das Motto bezieht sich nämlich auf eine lateinamerikanische Frauenbewegung, die im Jahr 2015 in Argentinien entstanden ist und auf Femizide aufmerksam machen will. „Es ist richtig und wichtig, dass in diesem Jahr explizit auf Femizide eingegangen wird“, macht Annelie Gogolla deutlich.
Svenja Kröger vom Frauenhaus Herne ergänzt: „Gewalt an Frauen und Mädchen zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Taten geschehen nicht nur in Großstädten, sondern auch in Herne. Deshalb wollen wir Menschen sensibilisieren, hinzusehen und aufmerksam zu sein.“
In vermehrter Zahl erleben auch schon junge Mädchen toxische Beziehungen und einen kontrollierenden Partner. „Sie glauben, dass so etwas ein Liebesbeweis wäre, aber in Wahrheit ist solch ein Verhalten schon ein Warnsignal. Gewalt - physische oder psychische - oder Kontrollverhalten sind niemals Liebesbeweise“, verdeutlicht Annelie Gogolla.
Mehr Vernetzung gewünscht
Ebenso wünschen sich die Organisatorinnen mehr Vernetzung zwischen den einzelnen Anlaufstellen in einer Stadt. Hier sehen sie Spanien beispielsweise als zukunftsweisend an. Denn dieses Land hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Gesetze und Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen verabschiedet.
„Um wirksam gegen Femizide vorzugehen wäre eine umfassende Schulung, sowie eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit aller Institutionen nötig. Weitere wichtige Bausteine sind eine umfassende Prävention, Täterarbeit und natürlich ein guter Opferschutz. Es gibt schon einzelne Städte in NRW die diesbezüglich ganzheitliche Konzepte entwickelt haben und diese erfolgreich umsetzen“, sagt Annelie Gogolla
„Das ist für gewaltbetroffene oftmals sehr frustrierend, wir möchten dennoch betonen, dass es wichtig ist, den ersten Schritt zu gehen. Wir können betroffene Frauen nur ermutigen in solchen Situationen Beratung und Unterstützung über Frauenberatungsstellen oder Frauenhäuser in Anspruch zu nehmen. Der Weg muss nicht alleine bestritten werden “, so Svenja Kröger
Deshalb sei die Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch Aktionstage wie „One Billion Rising“ für diese Thematik sehr wichtig. „Wir haben die Hoffnung, dass so Angehörige, Freunde oder auch Nachbarn einfach aufmerksamer werden und erkennen: Hier ist etwas nicht in Ordnung. Ebenso hoffen wir, dass vielleicht die ein oder andere Betroffene sich durch den Aktionstag ermutigt fühlt, sich bei Hilfsangeboten zu melden“, so Annelie Gogolla weiter.
Die Veranstalterinnen hoffen, dass am Valentinstag möglichst viele Menschen zum City Center kommen, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. „Jeder Person ist willkommen. Gerne können auch Familien zu uns stoßen. Wir würden uns einfach über ganz viele Teilnehmende - vielleicht auch bekannte Gesichter aus der Stadtgesellschaft - freuen“, sagen Gogolla und Kröger abschließend unisono.