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In mehreren Gebäuden auf dem Gelände des Gewerbegebiets Südstraße 48 soll eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW für 800 Personen entstehen. Bestandsgebäude werden genutzt, dazu ist ein Neubau vorgesehen.

Vorerst 800 Plätze für Asylsuchende, Land NRW übernimmt die Kosten

Neue Flüchtlingsunterkunft an der Südstraße

An der Südstraße 48 soll in naher Zukunft eine neue Flüchtlingsunterkunft entstehen. Im Behördendeutsch „Zentrale Unterbringungseinrichtung“ (ZUE) genannt, sollen auf dem Firmengelände des Unternehmens Euroimmo GmbH, welches zur Thelen Gruppe mit Sitz in Essen gehört, voraussichtlich ab Herbst 2027 Plätze für 800 Asylsuchende entstehen. Das teilten die Stadt und Vertreter der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg der Politik im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am Dienstag (10.2.2026) mit.

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„Zunächst werden 800 Plätze entstehen, im Bedarfsfall können diese noch um 200 Plätze aufgestockt werden“, erläutert Regierungsdirektor Oliver Hoppe. Momentan seien dort fünf Bestandsgebäude vorzufinden, ein sechstes entsteht als Neubau. Die Mietverträge werden zunächst für zwölf Jahre unterschrieben, das Land NRW übernimmt die Kosten.

Sieben weitere Standorte geprüft - alle fielen durch

Stadtrat Stefan Thabe nennt weitere Details: „Am Montag (9.2.2026) wurde der Bauvorbescheid erteilt. Die Firma Euroimmo wird nun wohl zeitnah einen Bauantrag stellen.“ Weiter spricht Thabe davon, dass die Stadt lange nach einem geeigneten Standort gesucht und sieben andere geprüft habe - diesen fielen aber aus unterschiedlichen Gründen durch. Daher blieb nur das oben genannte Grundstück über. „Wir mussten planungsrechtlich viele Dinge beachten. Der Bebauungsplan sieht dort ein Industriegebiet vor, es gibt aber Ausnahmegenehmigungen.“

Diese musste die Bezirksregierung erteilen, was nun geschehen ist. Das Grundstück ist rund zwei Hektar, genauer gesagt rund 21.600 Quadratmeter, groß. „Die leer stehenden Gebäude werden genutzt“, betont Thabe. Entstehen sollen bei einer 24/7-Betreuung Grünflächen, Spielbereiche, eine Kinderbetreuung, eine Art Schulbetreuung (Kinder von Asylsuchenden haben ohne Zuweisung zu einer Kommune noch keine Schulpflicht), eine Kleiderkammer, medizinische Versorgung und eine Kantine zur Vollverpflegung.

Das Gelände wird komplett eingezäunt

Ferner soll es unter anderem eine Wäscherei sowie „tagesstrukturierende Angebote“ für die Freizeit geben. In „einfachen und robusten“ Vierer-, Sechser- und Achterzimmern werden die Personen untergebracht. Das Gelände wird komplett eingezäunt, Pförtner und ein Sicherheitsdienst sorgen dafür, dass nur diejenigen Zutritt erhalten, die dort untergebracht sind. Rund 100 Beschäftigte werden dort arbeiten, sie dürfen ihre Autos auf dem Gelände parken, um die angrenzenden Straßen und deren Anwohner zu entlasten.

In diesem Gebäude war früher die Fläkt Group beheimatet.

Stichwort Anwohner: Mit einer ersten Einwurf-Postsendung wurden sie ebenfalls am Dienstag (10.2.2026) informiert, zudem werden die Hauseigentümer angeschrieben. Eine Infoveranstaltung für Fragen und Antworten zum Um- und Neubau soll in Kürze folgen. Die Hauseigentümer können sich innerhalb einer vierwöchigen Frist noch gegen die Pläne wenden.

Ein gemeinsamer Prozess

„Es war ein gemeinsamer Prozess, in dem wir geschaut haben, was möglich ist. Grundsätzlich ist es eine große Abwägungsentscheidung zwischen den sozialen kommunalen Aufgaben und der Aufnahmepflicht gegenüber dem Land. Durch die Einrichtung einer Landesunterkunft reduziert sich für die Stadt die kommunale Aufnahmeverpflichtung nach dem sogenannten Flüchtlingsaufnahmegesetz. Personen, die in einer Landesunterkunft untergebracht sind, gelten nicht als kommunal zugewiesen“, schildert Sozialdezernentin Stephanie Jordan. „Da die Kosten aber nicht den städtischen Haushalt belasten, wird es auch unseren Kämmerer freuen.“

Bis Ende 2024 gab es zum Beispiel an der Dorstener Straße eine Flüchtlingsunterkunft. Da besonders aber die Zeltstädte unter anderem durch Heizkosten immense Kosten verursachen, wurden diese Notunterkünfte sukzessive verringert und die Mietverträge nicht verlängert, erklärt Oliver Hoppe und fügt an: „Wir wollen mehr auf Qualität setzen und die Kosten verringern, uns zudem konsolidieren und langfristig aufstellen.“

ZUE für 800 Leute ist günstiger als für weniger Personen

Ferner führt er aus, dass je größer die Unterkünfte geplant werden und damit mehr Menschen untergebracht werden können, die Kosten für das Land sinken würden. Vereinfacht ausgedrückt: Eine ZUE für 800 Personen rechnet sich deutlich mehr als eine für 200 oder 400 Personen.

Bis es soweit ist, wird es aber noch etwas dauern. Frühestens im Sommer 2027 könnte es soweit sein, je nach Verlauf der Anträge und der baulichen Umsetzung auch erst Ende 2027, heißt es von den Experten der Bezirksregierung.

Abschließend heißt es von den Verantwortlichen: „Sowohl der Bezirksregierung Arnsberg als auch der als Genehmigungsbehörde mittelbar beteiligten Stadt Herne ist es ein Anliegen, die Verantwortungsträger in der Kommunalpolitik, die angrenzende Anwohnerschaft und die Herner Stadtgesellschaft im Rahmen der weiteren Projektentwicklung immer dann transparent und proaktiv zu informieren, wenn es in der Sache relevante Fortschritte oder Neuigkeiten zu vermelden gibt.“

Dienstag, 10. Februar 2026 | Autor: Marcel Gruteser