Betrügerische Paket-SMS und Energiepreiskrise

2021 war für die Verbraucherzentrale ein ereignisreiches Jahr

Verbraucherzentrale Symbolbild
Die Verantwortlichen der Verbraucherzentrale stellten den Jahresbericht 2021 vor. Foto: Marcel Gruteser

Die Verantwortlichen der Verbraucherzentrale (VZ) mit ihrer Beratungsstelle in Herne hatten auch im zweiten Corona-Jahr einige Herausforderungen zu bewältigen. Von betrügerischen Paket-SMS oder Fake-Inkasso-Forderungen bis hin zu Tausenden gekündigten Strom- und Gasverträgen, hatte das Team der Beratungsstelle einiges zu tun. Am Mittwoch (8.6.2022) stellten Veronika Hensing, Leiterin der Herner Geschäftsstelle, und Umweltberaterin Silke Gerstler den Jahresbericht 2021 vor.

Weiterhin für die Menschen ansprechbar sein und Hilfestellung leisten, wo die Menschen sie benötigen, war trotz der Pandemiesituation das zentrale Anliegen des Teams.

'Auf Herausforderungen flexibel reagiert'

„Wir haben auf die Herausforderungen zwischen Lockdownphasen und auf die sich laufend verändernden Bedingungen für Geimpfte, Genesene und Getestete flexibel reagieren können. So haben wir beispielsweise unser Onlineangebot erweitert und je nach Komplexität des Anliegens war es für uns aber auch besonders wichtig, die Ratsuchenden im Oktober 2021 wieder in unseren Räumen an der Freiligrathstrasse persönlich empfangen zu können“, berichtet Veronika Hensing, Leiterin der Herner Geschäftsstelle.

Insgesamt gab es im Jahr 2021 nach Angaben der Verbraucherzentrale 3.990 Verbraucheranliegen. Davon waren 1.138 Rechtsberatungen, 909 Veranstaltungskontakte und 121 Anliegen, die über das landesweite Servicetelefon eingegangen sind.

75 Prozent der Rechtsberatungen erfolgreich

Das Beratungsteam der Verbraucherzentrale Herne: (v.li.) Bianca Pilath, Verbraucherberaterin, Veronika Hensing, Leiterin der Herner Geschäftsstelle und Silke Gerstler, Umweltberaterin.
v.li. Bianca Pilath, Verbraucherberaterin, Veronika Hensing, Leiterin der Geschäftsstelle und Silke Gerstler, Umweltberaterin. Foto: Verbraucherzentrale NRW

Eine gute Nachricht für die betroffenen Verbraucher gab es aber bei den Rechtsberatungen. 75 Prozent der Rechtsvertretungen waren erfolgreich. So konnten insgesamt 60.473 Euro an Einsparungen für die Herner verzeichnet werden.

Die Top 3 der Anliegen waren im Jahr 2021 Beratungen zum Thema Telefon mit 16 Prozent, Dienstleistungen mit 17 Prozent und Konsumgüter mit 19 Prozent. Es gab aber auch vermehrt Anfragen zum Thema Freizeit. „Zu diesem Themenkomplex gehören auch Fitnessstudioverträge (halloherne berichtete), sowie Reisen und Urlaube. Reisen waren natürlich aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Stornierungen weiterhin ein wichtiges Thema. Aber wir haben noch nie so viele Anfragen zu Fitnessstudioverträgen bekommen wie im Jahr 2021", sagt Silke Gerstler.

Aber auch aufgrund des Juli-Hochwassers rückte der Schutz vor Starkregen in den Fokus der Ratsuchenden. Viele Verbraucher hätten sich an die Beratungsstelle gewandt mit Fragen, wie man sich selbst gegen Unwetterfolgen und Hochwasser schützen kann.

Inkassoforderungen und Abzockefallen

Ein weiteres großes Problem waren im Jahr 2021 Abzockefallen per SMS, E-Mail oder in sozialen Medien. „So gab es den Fall von massenhaft verschickten SMS von angeblichen Paketdiensten, die ahnungslose Nutzer versuchten, in Abo-Fallen zu locken (halloherne berichtete)", erläutert Veronika Hensing.

Auch habe durch Corona der Betrug an der Haustür wieder zugenommen. So meldeten sich vermehrt Menschen bei der Zentrale, die Handwerkerdienstleistungen an der Haustür angeboten bekommen haben. Außerdem wandten sich nach Angaben der VZ Inkassounternehmen unter verschiedenen Vorwänden an Herner und forderten Zahlungen. Hierbei habe es sich beispielsweise um angebliche Urheberrechtsverletzungen oder vermeintlich abgeschlossene Glücksspiel-Abos gehandelt.

Leiterin der Verbraucherzentrale Herne, Veronika Hensing.
Veronika Hensing und ihr Team hatten auch 2021 viel zu tun. Foto: Marcel Gruteser

Ferner berät die VZ seit Oktober 2021 im Bereich Pflegerecht. „Hier haben wir es häufig mit Widersprüchen gegen Pflegegrade oder auch Zahlungsforderungen von Pflegeheimen, wenn der Angehörige bereits verstorben ist, zu tun", sagt Veronika Hensing.

Ebenfalls gab es im Herbst 2021 ein weiteres Ärgernis für zahlreiche Herner Haushalte. Mehrere Strom- und Gasanbieter stellten trotz vertraglicher Vereinbarung die Versorgung ihrer Kundschaft ein. „Dadurch rutschten Betroffene in die Grundversorgung und hatten Mühe, einen neuen bezahlbaren Vertrag zu bekommen. Hier gab es viel Unsicherheit und Sorge“, so Hensing weiter. Ferner seien gestiegene Preise für Strom, Gas und Öl auch für viele Verbraucher ein Problem. Hier habe die Verbraucherzentrale NRW mit zusätzlichen Informationen im Internet und Online-Seminarangeboten reagiert.

Aktionen der VZ

Auch gab es eine Aktion gegen Einweg- und Verpackungsmüll. „Mit Aktionen haben wir Anstöße für das Vermeiden von Einweg- und Verpackungsmüll gegeben. So gibt es beispielsweise unseren Aufkleber Werbemüll stoppen „Bitte keine Werbung“. Diesen Aufkleber kann man einfach am Briefkasten anbringen und so darauf aufmerksam machen, dass man ungefragt keine Werbung möchte", so Silke Gerstler.

Dennoch gab es auch mit der Weihnachtsdeko-Tausch- und Verschenkaktion (halloherne berichtete) in Kooperation mit dem Wertstoffhof der Entsorgung Herne ein Highlight im Jahr 2021. Weihnachtliche Dekorationsartikel, die nicht mehr gebraucht wurden, aber zum Wegwerfen viel zu schade waren, konnten am Wertstoffhof abgegeben und ebenso konnte das ein oder andere Weihnachtsschätzchen mit nach Hause genommen werden.

„Zu sagen, die Aktion kam gut an, wäre eine Untertreibung", berichtet Silke Gerstler lachend. „Neben lokalen Medien berichtete auch der WDR über die Aktion und viele Menschen, die den Bericht sahen, machten sich dann auch auf zu uns. Besucher kamen neben Herne auch aus Duisburg, Dortmund oder Essen. Die Aktion ist auch für 2022 wieder geplant."

Auch kam das Entdeckerbuch für Grundschul-und Kindergartenkinder, das zusammen mit dem Herner Illustrator und Zeichner Jörn „Stolli“ Stollmann erstellt wurde, gut an (halloherne berichtete). Im Buch wird erläutert, was auf einem Wertstoffhof passiert und die Kinder werden spielerisch an den Begriff Recycling herangeführt.

Hier sind in diesem Jahr auch Führungen für Grundschulkinder in Kooperation mit Entsorgung Herne geplant. Ebenso wird es weitere Aktionen und Infos zu Themen, die die Herner Verbraucher beschäftigen geben.

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In den Räumen der Verbraucherzentrale gibt es viel Infomaterial. Foto: Marcel Gruteser
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