Familienminister Stamp rudert zurück

'Bastelmasken für Eltern und Besucher'

Viele kleine Einzelteile könnten schöne Masken werden.
Aus vielen kleinen Einzelteilen könnten schöne Masken werden - wenn die Zeit dafür da wäre. Foto: Livia Leichner

Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte versprochen, die Kindergärten zum Schutz vor dem Corona-Virus mit Mund-Nasenschutz-Masken zu versorgen - und er hat Wort gehalten. Allerdings anders als von den Erzieherinnen erhofft. Zur Erinnerung: Das Ministerium hatte sogenannte Bastelsets an die Einrichtungen verschickt und am Montag (22.6.2020) gaben die Leitungen der Evangelischen Kitas in Herne die Bastel-Masken zurück (halloherne berichtete). Jedem Paket lagen zwei Papiere bei - ein sachlicher und ein ironischer Brief. Die Leitungen der Herner Kitas waren nicht allein mit ihrer Kritik, aus mehreren Städten in NRW hagelte es harsche Kritik an den Bastel-Bausätzen und in sozialen Medien machten Fotos der unsortierten Einzelteile die Runde.

Daraufhin entschuldigte sich der Familienminister Joachim Stamp (FDP) beim Kinderbetreuungspersonal in NRW und äußerte sein Bedauern darüber, dass die verschickten Pakete mit den Bausätzen als Ausdruck einer Geringschätzung des Personals aufgefasst wurde. Stamp soll geschrieben haben: „Ich versichere Ihnen, dass Sie hochqualifiziertes Fachpersonal sind und auf keinen Fall Basteltanten und auch keine Bastelonkel.“ Des Weiteren heißt es vom Ministerium, dass die Bausatz-Masken lediglich für Besucher oder Eltern gedacht waren. Die wenigen FFP2-Masken, die den Paketen beilagen, die waren für das Personal gedacht. Dass dies bei den Empfängern so nicht angekommen sei, das bedauert das Ministerium nun sehr.

Die Erzieherin, Kindergartenleiterin und begeisterte Hobbyschneiderin Livia Leichner aus Herne (NW) näht behelfsmäigen Mundschutz zur Vermeidung von Vorona-Infektionen. Aufnahme vom Donnerstag (19.03.2020).
Nur Nähen würde länger dauern. Foto: Stefan Kuhn

Die halloherne Redaktion hat in Herne bei Livia Leichner, der Leiterin des Familienzentrums Dreifaltigkeit, nachgehört und gefragt, ob die Einrichtungen eine Entschuldigung von Joachim Stamp bekommen haben: „Nein, bei uns ist kein Brief angekommen. Da warten wir im Prinzip bis heute drauf.“ Erfahren hat sie von der Entschuldigung aus den Medien. „Diese Entschuldigung war wohl für die Öffentlichkeit gedacht, sicher in der Hoffnung, dass sie an den richtigen Stellen ankommt.“ Livia Leichner ist sich auch sicher, dass bei der Ankündigung der Masken-Lieferung an keiner Stelle von „die Bausätze sind für Eltern und Besucher“ gesprochen oder geschrieben wurde.

Zur Rückgabe der Masken wäre es übrigens auch nicht gekommen, hätte in den Bastel-Paketen eine Erklärung gelegen, dass es zum Zeitpunkt der Masken-Bestellung einen Engpass an fertigmontierten Masken gab. „Es aber jetzt als Kommunikations-Schwierigkeit darzustellen, das finde ich arm, das sind nichts als Ausflüchte", sagt Livia Leichner. An dieser Stelle hätten sich Leichner und ihre Kollegen eine klare Entschuldigung gewünscht.

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