Religiosität wirkt positiv auf die Psyche

Ökumenischer Pfarrkonvent im Marienhospital Eickel

Ökumenische Pfarrkonferenz: v.l. Pfarrer Ludger Plümpe, Dekanatsreferent Heinz Otlips und Superintendent Reiner Rimkus.
Ökumenische Pfarrkonferenz: v.l. Pfarrer Ludger Plümpe, Dekanatsreferent Heinz Otlips und Superintendent Reiner Rimkus. Foto: Arndt Röbbelen

Es ist ökumenische Tradition, dass sich Pfarrerinnen und Pfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Herne und die Geistlichen des Katholischen Dekanats Emschertal zu Beginn eines Jahres zum besseren Kennenlernen und Gedankenaustausch treffen. Am Mittwoch (30.1.2019) war das Marienhospital in Eickel Ort des Geschehens. Der Chefarzt und Ärztliche Direktor des psychiatrischen Krankenhauses, Dr. Peter W. Nyhuis, referierte zum Thema Früher Seelsorge – heute Psychotherapie?!

„Die Klinik wird voller, die Beichtstühle leerer.“ Diesen Eindruck äußerte Plümpe in seiner Begrüßung. Es sei tatsächlich so, dass die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. „Insgesamt sind hier im letzten Jahr fast 3.000 Patienten stationär behandelt worden“, so Nyhuis. Dazu kämen die Patienten in der Reha-Klinik sowie in der Tagesklinik und ambulanten Pflege. Das Marienhospital Eickel ist bundesweit das einzige psychiatrische Krankenhaus, das keine geschlossene Abteilung hat.

Ökumenische Pfarrkonferenz: im Bild: Dr. Peter W. Nyhuis.
Ökumenische Pfarrkonferenz: im Bild: Dr. Peter W. Nyhuis. Foto: Arndt Röbbelen

Die Sorge, dass die Offenheit eine Gefährdung durch oder für die Patienten erhöhe, konnte der Ärztliche Direktor den Teilnehmenden nehmen. „Wir hatten in den letzten zwölf Jahren fünf Suizid-Fälle“, sagte er. „Jeder ist einer zu viel, aber die Durchschnittszahl in anderen Kliniken ist deutlich höher.“ Zu Beginn seines Vortrags stellte der Mediziner fest, dass die ersten psychiatrischen Stationen von Mönchsorden gegründet wurden. Religiosität wirke sich positiv auf die psychische Gesundheit aus. „Die Seelsorge hat auch in unserem Haus eine große Bedeutung, denn in Seelsorge- oder Beichtgesprächen sind Patienten oft eher bereit, eigene Wahrnehmungs- oder Verhaltensweisen zu hinterfragen.“

Auffallend sei in solchen Gesprächen allerdings auch, dass die Verantwortung für eigene Lebenskrisen oft bei anderen gesucht werde, berichtete ein Pfarrer. „Wie ein notwendiger Perspektiv-Wechsel hin zu eigenen Anteilen und Ressourcen erreicht werden kann, dafür gibt es leider kein Patentrezept“, antwortete Nyhuis. „Aber darum geht es in Seelsorge-Gesprächen ebenso wie in einer Psychotherapie.“ Wenn der Eindruck entsteht, dass seelsorgerliche Begleitung nicht ausreicht, könnten Menschen an das Marienhospital verwiesen werden. „Zum Beispiel sind wir da mit der Evangelischen Beratungsstelle in einem regelmäßigen Austausch“, berichtete er hier von guter ökumenischer Zusammenarbeit.

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