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Sie wollen Geflüchteten bei verschiedenen Problemen in Eickel helfen: (v.li.) Die Case Manager Nelia-Ildy Iliescu und Nikolai Kozianka.

Über das Case Management vom KIM am Standort Eickel

Wie Beratung für Zugewanderte funktioniert

Wie kann man Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, unabhängig von Aufenthaltsstatus, Alter, Herkunft oder Geschlecht, bei ihren unterschiedlichen Problemen helfen und vor allem: Wie kann man sie noch verbessern? Damit beschäftigen sich die sogenannten Case Manager, ein Projekt vom Kommunalen Integrationsmanagement (KIM) der Stadt. Insgesamt gibt es zehn in der Stadt.

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Zusammen mit verschiedenen Partnern werden die Zugewanderten bei Behördengängen, Briefwechseln und vielen weiteren kleineren oder größeren Problemen unterstützt. Zu den Partnern gehören die AWO in Horsthausen (halloherne berichtete), das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Herne in Eickel, PlanB in Wanne sowie der Caritasverband in Herne-Mitte.

Schulungen zu Beginn

Nach dem Start Anfang 2023 gab es eine erste Vorstellung der Arbeit in Horsthausen. Am Freitag (24.5.2024) wurde nun der Standort Eickel mit dem DRK vorgestellt. An der Hauptstraße 166 kümmern sich Nikolai Kozianka und Nelia-Ildy Iliescu um die neuen Herner Bürger. Sie haben beide zuerst Schulungen erhalten, um besser auf die Problemlagen vorbereitet zu sein und helfen zu können.

„Die Geflüchteten kommen mit vielen Problemen zu uns, beispielsweise wenn es ums Geld geht, die Einbürgerung, den Aufenthaltstitel, verschiedene Rechnungen, Nebenkosten – quasi alles aus dem alltäglichen Leben“, erzählt Case Managerin Nelia-Ildy Iliescu. Geschickt werden sie entweder vom Jobcenter, vom Jugendamt oder auch von den Herner Schulen.

Jurina Urban, Migrationsberaterin beim DRK Herne, ergänzt: „Die Leute wissen, dass sie zum DRK gehen können und Hilfe bekommen. Wir wollen die Geflüchteten schließlich in ihrer neuen Heimat unterstützen.“

In anderthalb Jahren hat sich viel entwickelt

„In den anderthalb Jahren hat sich schon viel entwickelt. Viele kommen, weil unser Angebot ihnen von Freunden oder Nachbarn empfohlen wurde“, erläutert Nikolai Kozianka. Es würde sich ungefähr die Waage halten, ob jemand zu den Case Managern verwiesen wird oder selbst dort erscheint, schätzt er.

Den Case Managern geht es aber vor allem darum, unkompliziert zu helfen. Dabei muss es nicht mal schnell gehen, manchmal reicht auch ein lockeres Kennenlerngespräch zum Anfang. „Wir passen uns den Leuten an und nehmen uns die Zeit. Hier sind sie nicht einfach nur eine Nummer“, sagt Kozianka. Die Sprachbarriere sei bislang auch kein Hindernis gewesen – bei wichtigen Terminen würden aber immer noch Dolmetscher oder Sprachmittler dabei sein.

Es gibt mehrere Standorte vom KIM in Herne, an denen die Case Manager arbeiten.

Dass die Hilfe am Standort Eickel so gut funktioniert, freut vor allem Claudia Heinrich, die Leiterin des Fachbereichs Integration, sowie den Dezernenten für Integration, Andreas Merkendorf. Beide stehen mit dem Land NRW in Kontakt, um die Erfahrungen vor Ort an Düsseldorf weiterzugeben, damit alle aus diesem Projekt lernen.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Wir wollen den Zielgruppen helfen, aus den Erfahrungen lernen und immer neue Lösungen finden“, bekräftigt Claudia Heinrich. „Die Case Manager sind keine Feuerlöscher, sondern bieten Hilfe zur Selbsthilfe an.“ Und diese Hilfe wird reichlich genutzt: Mit Stand von Ende Mai 2024 gab es bislang in der gesamten Stadt Herne 2.360 Beratungen durch das KIM und die Case Manager, mit 580 Teilnehmern aus 56 verschiedenen Ländern. Das Altersspektrum ist groß, der Großteil gehört zur Gruppe der 18 bis 49-Jährigen.

„Das KIM ist ein richtig gutes Projekt, hier gibt es viele Beratungsleistungen, deshalb stehen wir als Kommune voll dahinter. Trotzdem wollen wir von den Mitarbeitern vor Ort wissen, wo der Schuh drückt und was verbessert werden kann“, betont Stadtrat Merkendorf. Nebenbei bemerkt er, dass das Projekt nicht komplett finanziert sei, die Landesregierung also gerne weiteres Geld bereitstellen dürfe.

Sechs Monate Wartezeit für einen Termin

Kozianka und Iliescu haben aus ihrer eigenen Erfahrung auch noch weitere Dinge, die verbessert werden könnten: Bei der Ausländerbehörde seien sechs Monate Wartezeit für einen Termin eher die Regel als die Ausnahme. So komme es vor, dass jemand einen Ausbildungsplatz sicher habe und antreten möchte, aber nicht arbeiten dürfe, weil sein Aufenthaltstitel abgelaufen ist und der Termin für eine Verlängerung erst in weiter Ferne ist.

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Daher soll der Austausch zwischen den Behörden besser werden, damit alle Standorte der Case Manager in Zukunft noch besser diese Menschen beraten und ihnen helfen können.

Informierten sich gegenseitig über die Arbeit in Eickel: (v.li.) Claudia Heinrich (Leiterin FB Integration), Dezernent Andreas Merkendorf, Jurina Urban (DRK Migrationsberaterin), Natalia Weidenbach (FB Integration), Nikolai Kozianka und Nelia-Ildy Iliescu (beide Case Manager Eickel).
| Autor: Marcel Gruteser
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