Werkschau der JKS-Werkstätten

Universum 51° 32' 12.821"N 7° 12' 3.293" E

Traditionelle Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule mit dem Thema
Traditionelle Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule mit dem Thema "Universum" in der VHS Wanne. Foto: Fabian Dobbeck

Der Corona-Virus macht der traditionellen Jahresschau der Jugendwerkstatt der Jugendkunstschule erneut einen dicken Strich durch die Rechnung: ursprünglich geplant für Mitte Juni 2020 am üblichen Ort, dem Haus am Grünen Ring in Wanne-Mitte, musste die nunmehr 17. Auflage pandemiebedingt auf Anfang September 2020 verschoben werden: Sie sollte zum Jugendkunstschultag im Alten Wartesaal des Herner Bahnhofs gezeigt werden. Dritter Versuch: Am 28. Oktober 2020 fand eine ganz unfeierliche Eröffnung der in ihrer Vielfältigkeit verblüffenden Ausstellung Universum 51° 32' 12.821"N 7° 12' 3.293" E in den Foyers der Wanner Volkshochschule an der Wilhelmstraße statt.

Ursprünglich geplant bis zum 18. Dezember 2020 ist noch nicht klar, ob sie tatsächlich im November besucht werden kann: einerseits gehören auch Museen, Galerien und Ausstellungen zum Lockdown ab dem 2. November 2020, andererseits handelt es sich beim Haus am Grünen Ring um ein schulisch genutztes Gebäude, das unter Einhaltung der Hygienerichtlinien geöffnet bleiben könnte.

Traditionelle Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule mit dem Thema "Universum" in der VHS Wanne. Traditionelle Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule mit dem Thema "Universum" in der VHS Wanne. Traditionelle Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule mit dem Thema "Universum" in der VHS Wanne.

Werkschau 2020 der Jugendkunstschule

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Jedenfalls ist die äußerst sehenswerte Jahrespräsentation der gut zwanzig Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den Werkbereichen Druck und Gestaltung, Holz, Stein und Metall sowie Raum- und Textilgestaltung noch am Donnerstag und Freitag, 29. und 30. Oktober 2020, jeweils zwischen 9 und 20 Uhr geöffnet. Zusammen mit den Werkpädagoginnen wurde das Universum kreativ in ungemein vielfältige Exponate umgesetzt. Natalie Dilekli, neue VHS-Programmleiterin für die Bereiche Kulturelle Bildung, Galerie, Film und Kochen, die zuvor fünf Jahre bei der Jugendkunstschule tätig war, betonte bei der Eröffnung der „sehr bunten, sehr abwechslungsreichen Ausstellung“ die Vielgestaltigkeit von Form und Material und den Facettenreichtum des Themas.

Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule Herne in der VHS Wanne mit dem Titel Universum.
Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule Herne in der VHS Wanne mit dem Titel Universum. Foto: Fabian Dobbeck

Die an der Hauptstraße 257 in Wanne-Mitte beheimate Jugendwerkstatt der Jugendkunstschule unterbreitet seit nunmehr vierzig Jahren bis zu 24 Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein werkpädagogisches Angebot im Übergang zwischen Schule und Beruf. Die Vielfalt der gezeigten, in den letzten gut zwölf Monaten entstandenen Exponate aus den drei genannten Werkbereichen ist enorm: Skulpturen aus Pappe und Metall stehen in Vitrinen neben Filzfiguren und „Galaxy-Gläsern“, Pappmache-Mobiles verbinden sich mit großformatigen Wandgemälden, raumgreifende Environments widmen sich der Raumfahrt. Applikationen und Wandbehänge aus Stoff und Metall hängen neben sogleich ins Auge springenden, aber nur scheinbar fotorealistischen Bildern aus dem All: Bei der Acrylic-Pouring-Technik wird flüssige Acrylfarbe auf den Malgrund gegossen bzw. geschüttet. So entstehen nach Art des Action Painting Jackson Pollocks aus den 1950er Jahren abstrakte Bilder in bestechender Farbigkeit.

Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule Herne in der VHS Wanne mit dem Titel Universum.
Ausstellung und Werkschau der Jugendkunstschule Herne in der VHS Wanne mit dem Titel Universum. Foto: Fabian Dobbeck

Während etwa Jana Salzmann ihren ganz persönlichen „Geheim-Planet“ aus ihrer eigenen Phantasie heraus erschaffen hat, beschäftigte sich Hannah Dobala mit Formen, die in der realen Welt weder auf der Erde noch im All vorkommen: Oloiden. Der Bildhauer und Maschinenbauer Paul Schatz hat 1929, so stehts bei Wikipedia, den Oloid genannten geometrischen Körper entdeckt: eine konvexe Hülle zweier gleich großer, sich senkrecht schneidender Kreise, deren Mittelpunkte einen Abstand zueinander haben, der gleich ihrem Radius ist. Diese neue, mathematisch zu errechnende dreidimensionale Form gilt als Plausibilitätshinweis für die Inversionskinematik. Was das nun wieder bedeutet – bitte selbst nachschlagen. Davon abgesehen: Ihre Oloiden sehen spannend aus.

„Mensch abstrakt“ und „Lebenswelten“ lauteten die Themen in den vergangenen Jahren, heuer nun „Universum“ – mit dem Untertitel einer Zahlenkombination, welche die exakte Position Hernes im Weltraum markiert: 51° 32' 12.821"N 7° 12' 3.293" E. Mehr oder minder alle gezeigten Exponate können übrigens auch erworben werden, von Privatpersonen, Firmen oder Institutionen. Leider fällt die jährliche Kunst-Auktion der Jugendwerkstatt, bisher vor allem vis-a-vis des Hauses am Grünen Ring im Wanner Mondpalast, coronabedingt aus. Für das Jahr 2021 lautet das Thema übrigens: „Märchen“. Und noch ein Blick voraus: Im darauffolgenden Jahr kann die Jugendkunstschule ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

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