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Tatort – Schweigen: Fassungslos über den Mord im Kloster v.l. Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), Kommissarin Eve Pötter (Lena Lauzemis), Polizeihauptmeister Schültke (Michael del Coco) und Bruder Jonas (Falilou Seck).

'Tatort' mit Wotan Wilke Möhring

Streaming-Tipp 'Schweigen'

Hauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ist nicht gerade das, was man einen gläubigen Christen nennt. Dennoch hat er sich nach dem Tod seiner Hamburger Kollegin Julia Grosz für eine Auszeit im abgelegenen Kloster St. Joseph entschieden. Ein geregelter Tagesablauf samt Besuch der Messen und Hilfe bei der Apfelernte tut ihm gut, das Beste für ihn ist aber, Daniel Weinert (Florian Lukas) kennengelernt zu haben.

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Der 46-jährige Gabelstaplerfahrer ist nervlich am Ende, nachdem seine Ehe gescheitert ist und er sein Kind nicht mehr sehen darf. Mit ihm feiert Thorsten, der vorgibt, von keinen Alpträumen mehr um den Schlaf gebracht zu werden, seinen letzten Abend mit einer waghalsigen „Abfahrt“ auf Skiern durchs Treppenhaus und reichlich Klosterlikör – auch wenn sein Freund Daniel grundsätzlich keinen Schnaps trinkt.

Reales Blaulicht

Blaulicht und Martinshorn der Feuerwehrfahrzeuge, die Thorsten Falke aus dem kurzen, unruhigen Schlaf reißen, sind real: Im Hof des Klosters ist ein Brand ausgebrochen, dem nicht nur ein Wohnwagen zum Opfer gefallen ist, sondern auch der Vorsteher Pater Otto Wiegald (Hannes Hellmann), der diesen als privaten Rückzugsort genutzt hat. Ihn hatte Falke als allseits beliebten Fußballtrainer einer Jungenmannschaft kennengelernt, in der auch Lukas (Jakob Kraume) kickt.

Und damit, wie sich nun herausstellt, der Sohn des Feuerwehrhauptmanns Pit Pötter (Sebastian Klein) und der Kriminalkommissarin Eve Pötter (Lena Lauzemis), die Falke am Tatort antrifft. Als ein solcher stellt sich der Hof des Klosters heraus: Der Tote weist eine Schnittwunde auf, ohne dass eine Tatwaffe gefunden worden ist. Außerdem fehlt der Computer aus dem Wohnwagen.

Kindesmissbrauch

Tatort – Schweigen: Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring, re.) verabschiedet sich im Kloster St. Joseph vor allem auch von Lukas Pötter (Jakob Kraume), dem unter Verdacht geratenen Sohn der Kommissarin vor Ort.

Eve Pötter, der Falke auch ohne offiziellen Auftrag zur Hand geht, geht von einem Mordanschlag aus. Der Fall erhält eine unerwartete Dimension, als eine Geheimtür zu einem Kellerraum mit Altar und Selbstgeißelungsinstrumenten gefunden wird – und kinderpornografisches Material. Als die heimische Kommissarin Fotos, auf denen ihr Sohn Lukas zu sehen ist, unterschlägt, diese aber an anderer Stelle im Nachlass des Toten wiederauftauchen, wird ihr der Fall entzogen und Falke ermittelt nun offiziell unter Mitarbeit der LKA-Kollegin Lisa Schwerdtfeger (Julia Jendroßek).

Wie sich herausstellt, hat „Kumpel“ Daniel Weinert in der Nacht die Feuerwehr alarmiert. Der offenbar vor allem im Kloster ist, weil auch er zu den Teilnehmern einer Messdiener-Freizeit und damit zu den Missbrauchsopfern gehörte und erfahren hat, dass der seinerzeit versetzte Pater Otto wieder nach St. Joseph zurückgekehrt ist – und wieder Jugendliche betreut.

Niemand ist frei von Sünde

„Niemand ist frei von Sünde, leider“ konstatiert Generalvikar Billing (Sebastian Blomberg). Er weigert sich, Ottos Personalakte ohne Gerichtsbeschluss herauszurücken, um wenig später mit seinem Adlatus Bruder Tace (Merlin Walden) Material vernichten zu können. Was niemand ahnt: Auch Billing gehört zu den Missbrauchsopfern des „Monsters“ (Falke), das einen ganzen Pädophilen-Ring mit einschlägigen Fotos beliefert hat. Und das offenbar mit Billigung des Bischofs Zeul (Erich Krieg). Falke regt sich völlig zu Recht tierisch auf: „Es geht doch immer nur um Macht.“

Die 89-minütige „Tatort“-Folge „Schweigen“ von Stefan Dähnert (Buch) und Lars Kraume (Regie) ist vor dem Hintergrund eines seinerzeit aktuellen, bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken anhängigen Verfahrens gegen einen Priester aus dem Bistum Trier vom 21. September bis zum 20. Oktober 2023 in der Abtei Mariawald bei Heimbach in der Eifel gedreht und am 29. August 2024 beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen uraufgeführt worden.

Nah an der Wirklichkeit

Wotan Wilke Möhring im ARD-Presseheft: „Es ist ein emotional herausfordernder und mutiger Film, allein auf Grund des Themas, kein typischer Whodunit-Krimi, in dem am Ende ein Einzeltäter zur Strecke gebracht wird. Im Fokus steht ein uraltes, antikes kirchliches System, das Missbrauch begünstigt und die Täter in Schutz nimmt. Die Geschichte ist leider sehr nah an der Wirklichkeit. Umso größer ist mein Respekt für das Bistum, in dessen Kloster wir den ‚Tatort‘ drehen durften. Die Verantwortlichen haben das Buch ja vorher gelesen. Mit diesem Einverständnis hat das Bistum versucht, einen wichtigen Beitrag zu leisten.“

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Der 20. Fall Wotan Wilke Möhrings als Hamburger Kriminalhauptkommissar Falke ist zugleich der erste „Tatort“-Krimi, der den sexuellen Missbrauch in der (katholischen) Kirche aufgreift. „Schweigen“ kann noch bis zum 9. Februar 2026 in der ARD-Mediathek gestreamt werden.

Montag, 10. November 2025 | Autor: Pitt Herrmann