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Interessante Einblicke und Erfahrungen: Thorsten Kinhöfer ist während der WM 2026 der Schiedsrichterexperte für das ZDF Sportstudio und analysiert die Entscheidungen aus dem Studio in Berlin.

Thorsten Kinhöfer über seinen Job und die Leistungen der Beteiligten

WM 2026: ZDF-Schiri-Experte mit 'XXL-Nebenrolle'

Er bezeichnet seine aktuelle Arbeit selbst als „XXL-Nebenrolle“ und ist immer wieder für Millionen von Deutschen live zu hören: Thorsten Kinhöfer, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter aus Herne, ist während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 für das ZDF als Schiedsrichter-Experte im Einsatz. Für die Begleitung der Partien fährt er ins Berliner Studio und wird von da aus zu den Kommentatoren in den USA, Kanada und Mexiko zugeschaltet.

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„Das ist eine sehr interessante Geschichte für mich, macht sehr viel Spaß und ist abwechslungsreich“, fasst er die ersten zwei WM-Wochen als „schöne Erfahrung“ im halloherne-Gespräch zusammen. Manchmal stehen sogar um Mitternacht oder 5 Uhr morgens strittige Szenen zur Analyse an. „Da muss man dann trotz der ungewohnten Zeiten hochkonzentriert sein. Wichtig ist, dass man zu jeder Szene in kurzer Zeit eine Meinung hat, die auch die richtige sein sollte.“

Diskussionen über die Pavlović-Szene gegen die Ivorer

Bei der Vielzahl an Spielen kommen da einige zusammen, zudem gibt es aber auch immer wieder Graubereiche, in denen Ermessensentscheidungen der Unparteiischen auf dem Feld bewertet werden müssen. So legte sich Kinhöfer beim Spiel der DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste am Samstag (20.6.2026) im Live-Kommentar schnell fest, dass Aleksandar Pavlović in der 22. Minute den gegnerischen Keeper Fofana beim Luftzweikampf foulte. Referee Benitez aus Paraguay hatte dies Sekunden zuvor so entschieden, bei der Kommunikation aber nicht die beste Figur abgegeben.

„Wichtig ist bei solchen Szenen, dass mir die Regiekollegen schnell die 'richtigen' Bilder zur Verfügung stellen und zeigen können. Unterschiedliche Kameraperspektiven ergeben manchmal unterschiedliche Wahrnehmungen“, erklärt der 57-Jährige. Auch dafür hat er ein Beispiel parat.

Pavlović erneut gegen Ecuador im Blickpunkt

In der Partie Deutschland gegen Ecuador am Donnerstagabend (25.6.2026) war in der 2. Minute wieder Mittelfeldstratege Pavlović beteiligt, als es im Strafraum zum Zweikampf mit einem hohen Bein kam. Schiedsrichterin Tori Penso (USA) ließ weiterlaufen, über Florian Wirtz kam der Ball zu Leroy Sané, der früh zum 1:0 traf. „Für mich ein klares Foul, weil nicht nur das Bein zu hoch war, sondern Pavlović auch noch seinen Gegenspieler im Gesicht trifft. Jedoch sah es aus der Hintertorperspektive so aus, dass gar kein Kontakt vorlag. Diesen erkannte man erst aus der anderen Richtung“, schildert der Experte.

Hat alle Schirientscheidungen für das ZDF im Blick: Thorsten Kinhöfer.

Weiter führt er aus: „Selbst ohne Kontakt muss aufgrund von gefährlichem Spiel abgepfiffen und ein indirekter Freistoß ausgesprochen werden, da kann es keine zwei Meinungen geben. In realer Geschwindigkeit kann man das vielleicht noch übersehen. Für mich ist es aber unbegreiflich, wie der Video Assistant Referee (VAR) hier nicht Tori Penso einen Hinweis gegeben hat. Die deutsche Elf hat hier viel Glück gehabt.“

Bekanntermaßen konnte das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann daraus keinen Profit ziehen, Nilson Angulo glich schnell aus (9.), bevor Gonzalo Plata zum 2:1-Siegtreffer (77.) traf und Ecuador damit ins Sechzehntelfinale schoss. Für dieses war Deutschland bereits als Gruppensieger vor dem letzten Spiel qualifiziert. Wer der Gegner am Montagabend, 29. Juni 2026, um 22:30 deutscher Zeit in Boston (USA) wird, steht noch nicht final fest. Der wahrscheinlichste Gegner ist Paraguay.

Im Falle eines Finaleinzugs bleibt Kinhöfer in Berlin

Sollte die deutsche Mannschaft tatsächlich bis ins Finale am Sonntag, 19. Juli 2026, in New York/ New Jersey (21 Uhr im ZDF) vorstoßen, wird Thorsten Kinhöfer aber in Berlin bleiben. „Meine beiden Kollegen als Experten, die ehemaligen Fußballer Christoph Kramer und Per Mertesacker, würden dann jedoch nach New York fliegen“, kündigt er an. „Die beiden haben schließlich die Hauptrolle, ich sehe meine Aufgabe als XXL-Nebenrolle an.“

Doch bis es soweit für die deutsche Truppe ist, stehen noch viele Partien und damit einige diskussionswürdige Entscheidungen der Referees an. Diese werden nicht nur von Fans und Journalisten ausgiebig beleuchtet, sondern während der WM auch von den weiteren Schiri-Experten Lutz Wagner (ARD) und Patrick Ittrich (MagentaTV). „Unter uns gibt es einen intensiven Austausch. Dieser ist auch wichtig, damit es nicht riesige unterschiedlichen Bewertungen gibt. Abgesehen von manchen Graubereichen sind wir jedoch fast immer einer Meinung“, gibt der Herner zu Protokoll.

VAR-Hinweis nach Strafstoßentscheidung

Für Kinhöfer, der auch außerhalb der Fußball-WM für das ZDF als Experte fungiert und beispielweise beim diesjährigen Champions League Finale (Paris St. Germain siegte in Budapest im Elfmeterschießen gegen Arsenal London) im Einsatz war, war eine andere Szene beim Ecuador-Match korrekt entschieden. „In der 46. Minute entschied Penso nach einem Foulspiel gegen Kai Havertz auf Elfmeter für Deutschland, erhielt im Anschluss aber einen VAR-Hinweis auf ein vorheriges mögliches Foulspiel von Sané im Mittelfeld. Da er seinen Gegenspieler traf, war das die richtige Entscheidung“, so Kinhöfer.

Das Team vom ZDF Sportstudio für die WM 2026: (v.li.) Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, Experte Per Mertesacker, Experte Christoph Kramer, Schiriexperte Thorsten Kinhöfer, Ex-Trainer und Experte Christian Streich und Moderator Jochen Breyer.

Dennoch stört ihn ein Verhalten besonders: „Die Theatralik der Akteure nervt. Der Spieler Vite bleibt lange am Boden liegen und man muss befürchten, dass er einen Hubschrauber zum Abtransport braucht. Aber diese Masche hat einen Hintergrund: Bleibt jemand länger liegen, wird der VAR eher aktiv, als wenn man sofort wieder aufsteht. Ohne Frage, der Kontakt war vorhanden, aber nicht so stark, um sich ewig vor Schmerzen zu krümmen.“ Dieses Vorgehen beobachtet Kinhöfer aber schon lange im Profifußball.

Forderung nach Durchgreifen bei Unsportlichkeiten

Insgesamt bewertet der Experte die Leistungen der insgesamt 52 Unparteiischen als okay: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Einiges lief gut, es gibt aber auch noch zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten. Die Schiedsrichter greifen nach meiner Ansicht zu selten bei Unsportlichkeiten durch. Statt des Kapitändialogs stehen immer Gruppen herum. Auch die Trainerbänke sind viel zu aktiv und reden wie wild auf den vierten Offiziellen ein. Da muss man einfach mal durchgreifen.“

Hinzu kommen unterschiedliche Entscheidungen bei ähnlichen Vergehen. Weltstar Lionel Messi von Argentinien hatte im ersten Spiel gegen Algerien Glück, keine Rote Karte zu erhalten, für ähnliche Vergehen sind andere Akteure bei dieser WM schon vom Feld verwiesen worden. „Ich kann mir aber keinen Bonus für Top-Teams oder Stars vorstellen. Jedoch ist klar, dass größere Mannschaften mehr im Fokus stehen und die Entscheidungen mehr diskutiert werden. Auch in der Bundesliga werden Szenen von Bayern München viel häufiger besprochen, als wenn vergleichbares bei Heidenheim passiert.“

Wie weit geht es für Deutschland?

Zum Schluss bleibt noch die Frage nach den Aussichten für die DFB-Elf. Bereits vor dem Turnier hatte Kinhöfer bei der Präsentation vom Public Viewing im Biergarten „Oskar am Kanal“ (halloherne berichtete) vor einer zu großen Hürde im möglichen Achtelfinale gewarnt. Nach den ersten drei Partien bleibt er dabei: „Spätestens dann dürfte Feierabend für Deutschland sein. Wir sind im Konzert der Großen noch nicht so gut und an einigen Stellen ist die Mannschaft überbewertet.“

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Egal, ob Deutschland Mitte Juli in New York/ New Jersey spielt oder nicht: Thorsten Kinhöfer wird Herne mit seinem fundierten Wissen weiterhin bis zum Finale bei der WM 2026 im ZDF vertreten.

Samstag, 27. Juni 2026 | Autor: Marcel Gruteser