Alexander Vogt und Hendrik Bollmann (SPD) über Perspektiven und Lösungsansätze
Wie umgehen mit gesellschaftlichen Herausforderungen
Deutschland steht vor immer größer werdenden Herausforderungen: Gesellschaftlich, sozial, aber auch wirtschaftlich. Viele Menschen fühlen sich abgehängt, sind erdrückt von den hohen Lebenshaltungskosten und zweifeln an einer positiven Wende für ihr privates Leben. Sie wenden sich teilweise ab von etablierten Parteien - teils aus Frust, teils aus fehlendem Vertrauen in die bestehende Politik und wenden sich Parteien zu, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen.
Doch wie damit umgehen? Hernes Bundestagsabgeordneter Hendrik Bollmann und der NRW-Landtagsabgeordnete Alexander Vogt wollen sich nicht Wegducken. Die beiden SPD-Mitglieder wissen, dass die großen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht durch bloßes Reden gelöst werden, sondern Lösungsansätze hermüssen.
Auswirkungen auch in Herne spürbar
Denn auch in Herne sind wie in nahezu jeder Ruhrgebietsstadt die gesellschaftlichen Herausforderungen deutlich spürbar. Für viele Menschen herrscht Ebbe im Portemonnaie. Die Gründe sind vielfältig: steigende Mieten, hohe Strom- und Heizkosten und natürlich auch die steigenden Preise an der Supermarktkasse. Auch hier sitzt teilweise der Frust auf die etablierten Parteien tief.
Deshalb setzen Bollmann und Vogt auf Gespräche mit den Menschen, nicht über sie. Sie veranstalten Bürgersprechstunden, sind in Hernes Vereinsheimen und Kneipen zum Austausch unterwegs. Auch die SPD-Parteitage sollen bürgernaher werden. So gibt es beispielsweise seit 2024 Open-Air Parteitage.
„Wir haben 2024 am City Center mit einer Art Versuchsballon gestartet. Zunächst war die Resonanz auch aufgrund der späteren Uhrzeit in der Bevölkerung noch nicht so groß. Aber im vergangenen Jahr am Buschmannshof, war die Situation eine völlig andere. Wir haben aus der Partei, aber auch aus der Bevölkerung eine sehr positive Rückmeldung erhalten“, berichtet Hernes Bundestagsabgeordneter Hendrik Bollmann.
Alexander Vogt ergänzt: „Wir möchten die Veranstaltung noch viel weiter in die breite Öffentlichkeit tragen und sie an verschiedenen Standorten durchführen.“
'Wir müssen eine andere Ernsthaftigkeit an den Tag legen'
Bollmann merkt auch in diesen Bürgergesprächen, dass die Außenwirkung der Koalition keine sonderlich Gute ist. „Die Menschen haben in den vergangenen Monaten regelrecht Angst vor Reformen bekommen“, meint der SPD-Abgeordnete. Die Art und Weise, wie in der Öffentlichkeit diskutiert sowie kommuniziert wurde, habe viele Menschen verunsichert.
Denn gerade auf der Arbeitsebene in den verschiedenen Gruppen funktioniere die Koalition, doch was dann in der Kommunikation nach außen getragen würde, gelinge nicht. „Hier müssen wir eine andere Ernsthaftigkeit an den Tag legen“, so Bollmann.
Schrottimmobilien, Wohnungsbau und Kommunenverschuldung
Im Bereich 'Bauen' sei beispielsweise vieles auf den Weg gebracht worden. So gebe es nun einen weitreichenden Handlungskatalog mit Maßnahmen, die es Kommunen erleichtern, die sogenannten Schrottimmobilien aufzukaufen. Ferner solle auch mehr in den sozialen Wohnungsbau investiert werden.
Ebenso tue sich in der Bundesregierung unter Friedrich Merz (halloherne berichtete) nun auch endlich was, in Sachen Verschuldung der Kommunen. Der Schritt zur Verabschiedung der Reform zur Entlastung für Kommunen, sei mehr als nötig gewesen, sind sich Bollmann und Vogt einig. Wenngleich diese nicht für eine wirklich spürbare Entlastung für Kommunen wie Herne sorgen werde. Hier müsse langfristig mehr kommen.
Auch in Sachen Hitzeschutz müssen Bund und Land eine Schippe drauflegen. „Gerade in den vergangenen Tagen haben wir alle die Auswirkungen des Klimawandels gespürt. Die Ruhrgebietsstädte sind durch ihre dichte Bebauung besonders vom steigenden Klima betroffen, deshalb muss die Landesregierung mehr in den Hitzeschutz investieren“, so der NRW-Landtagsabgeordnete Alexander Vogt.
Strategie zu Integration und Zusammenleben
Darüber hinaus nimmt Hendrik Bollmann noch Bezug auf die Reform zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS). Grundsätzlich stehe er hinter GEAS. „Doch wie viele Menschen an die Grenze kommen, sagt nichts über Integration und Zusammenleben aus. Die Bundesregierung hat keine Strategie, wie wir die Veränderungen der Gesellschaft regeln, sodass wieder echter Zusammenhalt besteht“, macht Bollmann deutlich.
Davon würden auch Parteien wie die AfD profitieren. Auch werden in Bezug auf die AfD immer wieder und immer öfter Stimmen zu einem Verbotsverfahren laut. Wenngleich Bollmann und Vogt ein solches Verfahren unterstützen würden, macht Vogt deutlich: „Die Problematik mit der AfD wird dadurch nicht kleiner.“
Diese Ansicht teilt auch Bollmann. „Es ist richtig, ein Verbotsverfahren zu prüfen. Aber es bringt nichts, alles auf die Verbotskarte zu setzen“, sagt der SPD-Abgeordnete. Viel wichtiger sei, die unzufriedenen Wähler, die sich Parteien wie der AfD zuwenden, wieder ins Boot zu holen. Wie das gelinge, dazu fehlen momentan noch die Antworten.