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Mit Hilfe des Landesprogramms

Unterstützung für das Förderprogramm läuft ab, Helfer sind besorgt

Projekt 'Extra-Zeit zum Lernen' vor dem Aus

In eine Runde von sorgenvollen Gesichtern blickt man am Mittwoch (24.5.2023) in den Räumen der Josefschule an der Stöckstraße. Hier ist ein Pressegespräch angesetzt. Die Nachricht ist schnell klar: Denn wie bereits befürchtet (halloherne berichtete), soll das Förderprogramm „Extra-Zeit zum Lernen“ vom Land NRW Anfang August 2023 auslaufen.

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Vertreter des Netzwerkes, bestehend aus AWO, Caritas, der Gesellschaft freie Sozialarbeit (GfS), der Vereine Ruhrwerk und „Lernen! in Herne“ sowie des Kommunalen Bildungsbüros erläutern, was sie nun befürchten, sowie wie und in welchem Umfang sie weiterhin zusätzliche Gruppenangebote für Herner Kinder anbieten können.

Zur Erinnerung: Das Projekt „Extra-Zeit zum Lernen“, gibt es seit Sommer 2021 in Herne (halloherne berichtete). Es wird durch eine Landesförderung an 18 Schulen umgesetzt und soll vor allem Nachteile aus der Zeit der Corona-Pandemie ausgleichen. Hierbei werden Kinder mehrmals pro Woche von Studierenden für jeweils drei Stunden unterstützt. Es wird zusammen gelernt, aber auch Gespräche über den Schulalltag geführt. Dazu kommen kreative Aufgaben und Ausflüge.

'Unklar, wie es weitergeht'

„Es ist unklar, ob es irgendwie weitergeht. Wahrscheinlich wird es weitere Fördermittel vom Land geben, aber wie und in welchem Umfang, ist unklar. Sicher ist nur, dass das Landesprogramm zum 6. August 2023 enden soll", so Christian Kattenbeck vom Bildungsbüro der Stadt Herne. 750.000 Euro seien ins Programm geflossen, wovon 80 Prozent vom Land finanziert werden und 20 Prozent vom Netzwerk.

In großer Runde wurde über das drohende Aus der 'Extra-Zeit zum Lernen diskutiert

Frank Köhler, Geschäftsführer der Gesellschaft freie Sozialarbeit (GfS), zeigt sich enttäuscht über den Wegfall des Förderprogramms. „Die Lücke, die Corona gerissen hat, konnte noch nicht aufgeholt werden. Daher müsste das Programm eigentlich weiterlaufen", so Köhler.

Dietmar Jäkel vom Verein „Lernen! in Herne“ sieht das ähnlich: „Wir wissen, dass die Probleme nicht verschwinden werden. Die Probleme sind da und wenn die Schüler keine weitere Unterstützung bekommen, werden sie größer. Die aktuelle iInternationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) zeigt, wie groß die Schwächen beim Leseverständnis bei Viertklässlern deutschlandweit sind. Wir können davon ausgehen, dass schätzungsweise 50 Prozent der Viertklässler in Herne geringe Lesekompetenzen haben."

'Stärken müssen herausgekitzelt werden'

Das diese Schwächen nur mit Förderprogrammen aufgefangen werden können, glaubt auch Cordula Klinger-Bischof vom Verein Ruhrwerk. „Die Lage an den Schulen ist weiterhin angespannt. Wir müssen uns bewusst machen, dass so wie die Situation jetzt ist, eine Chancengleichheit für Kinder kaum noch zu ermöglichen ist. Dabei haben die Kinder Stärken, diese müssen nur herausgekitzelt werden."

Diese Stärken werden derzeit noch an der Josefschule mithilfe des Förderprogramm „Extra-Zeit zum Lernen“ herausgearbeitet. Jedoch macht das drohende Aus ebenso dem Schulleiter, Lehrkräften und Studenten zu schaffen.

Julia Cicior, Lehrerin an der Josefschule in Wanne-Eickel, sieht das drohende aus der Extra-Zeit mit Sorge.

„Wir sind eine Schule mit 92 Prozent Migrationsanteil. Wir haben Kinder in der Klasse, die mit wenig beziehungsweise keinen Deutschkenntnissen sowie Armutsproblemen in die erste Klasse kommen“, so Schulleiter Robert Faber.

Weiter führt er aus: „Häufig ist es so, dass Menschen, die arm sind, sich abgehängt und missverstanden fühlen. Darum sind wir um eine Willkommenskultur bemüht, denn verlieren wir die Eltern, verlieren wir die Kinder."

'Unsicherheit belastet'

Besonders durch das Projekt entwickeln die förderbedürftigen Kinder wieder Selbstbewusstsein und Freude am Lernen. „Wir haben das Projekt nun seit 2021 an der Schule. Die Kinder werden in drei Achtergruppen von Studenten betreut. Sie machen Fortschritte und fassen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, von daher wäre der Wegfall ein großer Verlust", so Julia Ciecior, leitende Lehrerin beim Projekt an der Josefschule.

Jesper Taube, Projektkoordinator der Gesellschaft freie Sozialarbeit (GfS), macht auch auf die unsichere Situation für die Studierenden aufmerksam.

Jesper Taube, Projektkoordinator der GfS, macht deutlich: „Es ist Vertrauen zwischen den Kindern und den Studenten gewachsen. Sollte die Förderung nun wegbrechen, wird es schwer, dieses Vertrauen und die investierte Beziehungsarbeit wiederaufzubauen."

Weiter sagt er: „Wir haben sehr gute und super engagierte Studenten, die sich natürlich jetzt auch fragen, wie es weitergeht. Wenn sie sich nun etwas anderes suchen müssen, wird es schwer, später im Fall einer anderen Förderung wieder so gute Kräfte zu finden."

Obwohl vom Land NRW wohl ein Nachfolgeprogramm geplant werde, will das Netzwerk schauen, wie und in welchem Umfang sie weiterhin zusätzliche Gruppenangebote für Herner Kinder anbieten können. „Wir haben noch ein bisschen Geld über und müssen schauen, wie wir es strecken können, um die Kinder mit Förderung zu versorgen. Es ist einfach sehr schade, dass so ein wichtiges Programm im August nun auslaufen soll", so Christian Kattenbeck vom Bildungsbüro der Stadt Herne.

| Autor: Julia Blesgen
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