Polizeigefängnis Herne

Förderkreises Mahn- und Gedenkstätte

Polizei-Gefängnis Herne.
Polizeigefängnis Herne. Foto: Norbert Bartsch

Die Initiative zur Errichtung einer NSGedenkstätte als Erinnerungs- und Lernort im ehemaligen Herner Polizeigefängnis nimmt Konturen an: Am Mittwoch (22.5.2019) wurde im Karl-Hölkeskamp-Haus an der Breddestraße der gemeinnützige Verein Förderkreis Mahn-und Gedenkstätte Polizeigefängnis Herne gegründet. Der Verein stellt sich die Aufgabe, das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus und die Erinnerung an die Täter im lokalen Bereich sowie an den Widerstand vor Ort gegen das NS-Regime zu fördern. „Da die Möglichkeiten der persönlichen Bezugnahme im Gespräch mit Zeitzeugen immer seltener werden,“ betont der gewählte Vorsitzende Rolf Dymel, „gewinnt die räumliche Bezugnahme in lokalen Erinnerungsorten immer mehr Bedeutung.“

Als authentischer Ort bietet das Polizeigefängnis am Rathausplatz dazu unverzichtbare Chancen, erklärt Rolf Dymel, „denn an keiner anderen Stelle manifestierten sich Macht und Herrschaft in der nationalsozialistischen Diktatur in der Stadt Herne so konkret wie an diesem 1929 eingeweihten Polizeigebäude. Während die NSDAP-Kreisleitung hier von 1933 bis 1940 ihre Büroräume einrichtete, wurden im Gefängnistrakt politische Gegner, Angehörige der christlichen Kirchen, Bibelforscher, jüdische Bürger, Sinti, Roma und viele ausländische Zwangsarbeiter willkürlich inhaftiert und misshandelt.“

Der Verein will das Erinnern als aktiven Denkprozess gestalten. Eine entsprechend angeregte Auseinandersetzung mit den konkreten historischen Geschehnissen soll zur Entwicklung von Kompetenzen beitragen, sich kritisch zu aktuellen Formen der Ausgrenzung von Menschen, des Rassismus, des Antisemitismus und des völkisch- nationalistischen verhalten zu können. Die Umsetzung dieses Vorhabens findet bereits eine breite Unterstützung in der Stadt: Nachfahren verfolgter Bürger, Lehrkräfte Herner Schulen, Vertreter von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften, Geschichtsgruppen sowie weitere engagierte Bürgersetzen sich für die Initiative ein. Auch beim letzten Beratungstreffen des Verwaltungsvorstands der Stadt Herne und der Leitungsebene des Polizeipräsidiums gab es positive Signale für das Vorhaben.

Zur Sicherung der Rahmenbedingungen wurde nun der Förderverein gegründet. Der neu gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Rolf Dymel (Vorsitzender), Norbert Arndt (stellvertretender Vorsitzender), Udo Jakat (stellvertretender Vorsitzender), Michael Bosbach (Schatzmeister), Siegfried Born (Schriftführer) sowie Jürgen Hagen, Flemming Menges, Ulrich Objartel und Ralf Piorr als Beisitzer. Zu Kassenprüfern wurden Heinz Drenseck und Heinz Otlips gewählt.

Zu den nächsten Aufgaben des Förderkreises Mahn- und Gedenkstätte Polizeigefängnis Herne gehören nun in Kooperation mit zuständigen Stellen der Stadtverwaltung Planung und Durchführung einer Ausstellung im November, Organisation von Vortragsveranstaltungen, Entwicklung von pädagogischen Materialien, Herausgabe von Informationsschriften, Beantragung von Fördermitteln sowie Vernetzung mit NS-Gedenkstätten in den Nachbarstädten. Zudem wirbt der Verein um weitere Unterstützung in der Stadt und lädt dazu Bürger und Organisationen ein, Mitglied im Förderkreis zu werden.

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