Neu im Kino: M.C. Escher

Eine Reise in die Unendlichkeit

Maurits Cornelis Escher.
Maurits Cornelis Escher. Foto: Robin Lutz AV Productions

Mit einem geradezu euphorischen Bekenntnis der Popikone Graham Nash, einem ausgewiesenen Kunstsammler und Kunstbuch-Herausgeber, beginnt der 80-minütige Dokumentarfilm M.C. Escher – Reise in die Unendlichkeit von Robin Lutz, der am Donnerstag (10. 10.2019) in unsere Kinos kommt und den immer noch von der Kunstgeschichte unterschätzten genialen Grafiker vorstellt, den nach Rembrandt und Van Gogh weltweit berühmtesten niederländischen Künstler. Der bis heute mit seinen Werken, die man auf den ersten Blick erkennt, Jung und Alt gleichermaßen in Staunen versetzt: Treppen, die gleichzeitig auf- und absteigen und sich in einem Quadrat verbinden, paradoxe Landschaften, surreale Stadtszenen, Vögel, die zu Fischen mutieren und wieder zu Vögeln werden. „Wir beten das Chaos an, weil wir es lieben, Ordnung zu schaffen.“ Maurits Cornelis Escher (1898 – 1972), der sich selbst stets eher als Mathematiker denn als Künstler gesehen hat, war zeitlebens erstaunt über seine enorme Resonanz gerade bei jungen Leuten, der Hippie-Generation der Sechziger und Siebziger Jahre und der amerikanischen Op-Art-Künstler.

„Ich wandle in Rätseln durch die Welt“: Woher Escher seine Inspirationen bezog, wo und wie er lebte und wie besessen arbeitete, erzählt Robin Lutz auch mit O-Tönen der beiden Söhne Eschers, George und Jan, sowie des emeritierten Oxford-Mathematikprofessors Sir Roger Penrose, vor allem aber, und das ist das Besondere an dieser Doku, anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Vorträgen des am 17. Juli 1898 in Leeuwarden/Friesland geborenen Künstlers. Der nach einem abgebrochenen Architekturstudium in Haarlem von Samuel Jessurun de Mesquita in die Kunst der Holzschnitt-Technik eingeführt wurde. In den 1920er Jahren beeinflussten Reisen nach Italien und Spanien den jungen Künstler, besonders die maurische Ornamentik in der Alhambra. Obwohl ihn das „unvergleichliche Blau des Himmels“ in der Toscana faszinierte, verweigerte er sich konsequent der Farbe.

Dag en Nacht“ von M. C. Escher.
Dag en Nacht“ von M. C. Escher. Foto: M.C. Escher Company

1924 heiratete Escher in Italien mit Jetta Umiker die Tochter eines im Schweizer Exil lebenden russischen Industriellen. Ihre drei Söhne George, Arthur und Jan kamen in Rom zur Welt. Mitte der 1930er Jahre verließ die Familie das inzwischen faschistische Land und zog in die Schweizer Berge. Escher bereiste auf einem Frachtschiff den Mittelmeerraum, zog kurzzeitig nach Brüssel, um danach die Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen in der Provinz Utrecht zu überstehen. Erst nach dem Krieg – und der Trennung von seiner gemütskranken Gattin, die in ein Heim eingewiesen werden musste – wurde Escher, der in Johann Sebastian Bach ein musikalisches Alter ego sah und den Animationsfilm als „sein“ zukünftiges Medium betrachtete, beiderseits des Atlantiks ein gefragter Künstler – bis hin zu den Rolling Stones, denen er ein Plattencover gestalten sollte. Was er aber als zu kommerziellen Auftrag ablehnte. In den 1960er Jahren war es die Hippiebewegung, die Escher, der am 27. März 1972 in Hilversum starb, zu Weltruhm verhalf.

Mit historischen Aufnahmen von Leeuwarden und Haarlem sowie aus dem Italien Mussolinis (auf vergleichenden Bildmotiven heute zeigt sich, dass sich bis auf Satellitenschüsseln auf den Dächern in der italienischen Provinz nichts verändert hat) gelingt ganz nebenbei ein Zeitporträt der 1920er und 1930er Jahre. Und mit Matthias Brandt (Stephen Fry in der englischsprachigen Fassung) konnte ein Sprecher der deutschen Synchronfassung gewonnen werden, der Eschers scharfsichtige Kommentare auch zur eigenen Person und zur ihn immer wieder überraschenden Wirkung auf nachfolgende (Künstler-) Generationen mit wohltuendem Understatement herüberbringt: Täuschung bei gleichzeitiger Verbindung zur Realität sei das ganze Geheimnis seines Werkes. Er strebe, so M.C. Escher, in der Kunst nicht die Schönheit an, sein Ziel sei vielmehr Staunen machen.

M.C. Escher läuft ab 10. Oktober 2019 im Sweet Sixteen in der Dortmunder Nordstadt, am Sonntag,13. Oktober, (13 Uhr Sektmatinee), Montag und Mittwoch, 14. und 16. Oktober 2019, jeweils um 15:30 Uhr im Casablanca Bochum sowie im Filmstudio Glückauf Essen am Sonntag, 13. Oktober 2019,um 15 Uhr sowie am Montag und Dienstag, 14. und 15. Oktober 2019, jeweils um 18 Uhr.

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