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Probanden während eines Parabelfluges.

Mediziner in Schwerelosigkeit

Wie ändert sich der Blutdruck bei Menschen, die sich längere Zeit im Weltraum aufhalten? Diese Frage stellte sich Dr. Felix Seibert, Oberarzt am Marien Hospital Herne. Er ist Leiter eines Forschungsprojektes, bei dem der zentrale Blutdruck von zwölf Testpersonen unter Weltraumbedingungen gemessen wurde. Hierfür begaben sie sich wiederholt in einen 20-sekündigen Zustand der Schwerelosigkeit. Neben Herzinfarkten stellen Schlaganfälle die Haupttodesursache in Industrieländern dar. Der Blutdruck in der Hauptschlagader, der sogenannte zentrale Blutdruck, bestimmt maßgeblich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

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Der zentrale Blutdruck kann mithilfe eines speziellen Blutdruckgerätes gemessen werden, das die Pulswelle des Patienten analysiert. „Wir wissen bisher noch zu wenig darüber, wie der zentrale Blutdruck reguliert wird“, so Dr. Seibert. „Unsere Experimente sollen erste Einblicke in den Einfluss der Schwerkraft auf den zentralen Bluthochdruck gewähren.“ Bei dem Forschungsexperiment stand nicht der am Arm gemessene periphere Blutdruck, sondern der sogenannte zentrale Bluthochdruck – der Blutdruck in der Hauptschlagader – im Fokus. Neuere Studien haben bestätigt, dass dieser für die Entstehung von Schlaganfällen relevanter ist als der periphere Blutdruck.

Dr. Felix Seibert (blauer Overall), während des Experiments.

Die Studie erstreckte sich über einen Zeitraum von einer Woche mit vier Flugtagen, im September 2015. Hierfür begaben sich zwölf Testpersonen zwischen 19 und 35 Jahren am Flughafen Bordeaux-Mérignac in Frankreich in einen Airbus A310 ZERO-G. Während des Tests stieg das Flugzeug aus dem horizontalen Flug steil nach oben, drosselte die Schubkraft der Turbinen und flog einen steilen Sinkflug (Parabel), bei der für etwa 20 Sekunden Schwerelosigkeit herrschte. Jeder Proband flog insgesamt 31 solcher sogenannten Parabeln. „Natürlich mussten sich alle Probanden vor Beginn einer medizinischen Prüfung unterziehen. Nur wer völlig gesund ist, durfte an dem Experiment teilnehmen“, sagte Seibert.

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Dr. Felix Seibert (r.) mit Probanden.

Während der Sekunden in Schwerelosigkeit wurde bei den Testpersonen mittels des speziellen Blutdruckgerätes die Dynamik des zentralen Blutdrucks gemessen und mit den Werten des peripheren Blutdrucks verglichen. „Jetzt müssen die Ergebnisse zunächst ausgewertet werden. Da sich das Blutvolumen im Zustand der Schwerelosigkeit und unter Einfluss vieler weiterer physikalischer und biochemischer Faktoren auf den menschlichen Körper umverteilt, erwarten wir eine deutliche Veränderung des zentralen Blutdrucks“, so Seibert. Im Februar 2016 wird der Oberarzt den Versuch erneut mit einer Gruppe Probanden durchführen. Erst danach erfolgt die wissenschaftliche Auswertung.

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