Martin Bretschneider als Werther

Rottstr5Theater bei den Ruhrfestspielen

Martin Bretschneider als Werther.
Martin Bretschneider als Werther. Foto: Oliver Thomas

Mit der 2012 entstandenen Bühnenadaption des Briefromans Die Leiden des jungen Werthers, der Johann Wolfgang von Goethe 1774 über Nacht zu einem literarischen Sensationserfolg verhalf, gastiert das Bochumer Rottstr 5 Theater am Montag, 20. Mai 2019, bei den Ruhrfestspielen. Werther, ein so intensiver wie berührender, ja packender 80-minütiger Theaterabend mit Martin Bretschneider, ist seit seiner Premiere vor knapp sieben Jahren über 40mal gespielt worden und damit eine feste Säule im Spielplan der Off-Bühne am Rande des Bermuda-Dreiecks.

Ein sehr heutiger Werther in moderner zeitgemäßer Sprache: Titeldarsteller Bretschneider und Regisseur Hans Dreher haben eine Bühnenfassung erarbeitet, bei der Dreher ganz auf die tragende Bühnenpräsenz seines Schauspielers vertrauen kann. Im Bühnenbild ist zunächst ein oval geformter Erdhügel mit Holzkreuz, der an eine Grabstelle denken lässt, zu sehen. Wir erleben Werther mal leise-lyrisch und ganz bei sich, dann laut aufdrehend und aus sich herausgehend im Dreck wälzend mit dem Kreuz als Schwert auf der Schulter, um sich zu geißeln. Seine innere Zerrissenheit zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, seine unglückliche Liebe zu Lotte, seine Gefangenschaft in den Konventionen der Zeit - Bretschneider ist ein glaubwürdiger Darsteller, der seinem Werther auch ganz viel augenzwinkernde Selbstironie mitgibt.

Neben der Sprache sind andere Bezüge zur heutigen Zeit unübersehbar. So ist auch nicht die legendäre Werther-Kluft angesagt, Bretschneider präsentiert seinen Bühnenhelden in Jeans und T-Shirt. Werther outet sich als Single und baggert, herrlich in seiner Blödheit, eine Dame im Publikum an. Das Ende bleibt etwas kryptisch, gleichwohl es überrascht. Werther sinniert, ob, wenn wir nur das Schöne und Gute etwas höher bewerten würden, sich das Schlechte und Unangenehme besser aushalten ließe. Wenn es doch so einfach wäre! Aber diese gelungene Goethe-Adaption im gemütlichen Gewölbe unter der Glückauf-Bahn ist durchaus geeignet, dem jüngeren wie älteren Theaterbesucher eine neue Sicht auf diesen Klassiker zu vermitteln.

Auf der Bühne wird Bretschneider von einem Kinderdarsteller begleitet, der aufgrund der langen Laufzeit der Produktion bereits mehrmals altersbedingt ausgewechselt werden musste. Zurzeit wird die Rolle des Jungen von Levi Klein gespielt, der aus dem Nachwuchsensemble des Rottstr 5 Theaters, Die Truffaldinos, stammt. Die Stimme von Lotte, Werthers verbotener Liebe, sprach Schauspielerin Sina Ebell ein. Hans Dreher, der seit Gründung des Rottstr 5 Theaters Hausregisseur und Mitglied der künstlerischen Leitung ist, wechselt im September 2019 als Intendant ans Bochumer Prinz Regent Theater.

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Montag, 20. Mai 2019, um 20 Uhr Gezeigt wird die Produktion bei den Ruhrfestspielen am Montag, 20. Mai 2019, um 20 Uhr in der Sparkassenfiliale im Recklinghäuser Einkaufszentrum Palais Vest, Karten unter www.ruhrfestspiele.de oder Tel. 02361 – 92180. Zur Vorbereitung der Festivalteilnahme gibt es im Rottstr 5 Theater in Bochum eine Vorstellung am Samstag, 18. Mai 2019, um 19.30 Uhr. Tickets unter und an der Abendkasse.
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