Märchenstunde beim Bestatter

Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland.
Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland. Foto: Merlin Morzeck

Es war einmal ein Bestattungshaus in Eickel, welches seine Räumlichkeiten zur Kulturstätte machen wollte. Und so bestellte man einen Minnesänger - den Geschichtenerzähler Jörn-Uwe Wulf. Doch er erzählte nicht einfach irgendwelche Geschichten, sondern grub dabei tief in der historischen Seele Europas. Mit seinen europäischen Märchen war er am Sonntag (29.4.2018) im Bestattungshaus Wendland zu Gast.

Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland.
Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland. Foto: Merlin Morzeck

Unter dem etwas schlüpfrig geratenen Titel Wie die Kammerzofe sich mit der Prinzessin den Prinzen teilte verwob Wulf sieben europäische Märchen zu einer abendfüllenden Erzählung. „Wie soll ich eigentlich noch Märchen erzählen, wenn die Welt so verrückt ist?“, fragte Wulf zu Beginn in das Publikum. Anschließend entführte er das Publikum in eine fast vergessene Welt von Burgen, Prinzessinnen, Feen und verzauberten Bratpfannen. Gekonnt sprang er von einer Geschichte zur Nächsten, allerdings wurden manchmal eine solche Vielzahl an Erzähl-Ebenen geöffnet, dass es schwierig wurde, bei den ganzen verschiedenen Prinzen den Überblick der Handlung zu behalten.

Auch um politische Kommentare war Wulf nicht verlegen und verknüpfte dabei immer wieder Märchen mit aktueller Politik. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland, der Antisemitismus schon.“ Zunächst mag der Veranstaltungsort etwas makaber wirken: Die umgestaltete Trauerhalle des Bestattungshauses Wendland war früher eine Schmiede und die rustikalen Wände passten perfekt als Kulisse für Wulfs Erzählungen. Zur Untermalung hatte er seine Wander-Harfe dabei und spielte immer dann, wenn er eine Pause in seinem Redefluss fand oder das Publikum nach Musik verlangte.

Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland.
Jörn-Uwe Wulf im Bestattungshaus Wndland. Foto: Merlin Morzeck
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