„Lernen! in Herne“

Verein finanziert Ferienprojekt

v.l. Die beiden Lehramtsanwärterinnen Anne-Katrin Marx und Klara Zerbe betreuen das Ferienprojekt, das vom Verein Lernen! in Herne finanziert wird.
v.l. Die beiden Lehramtsanwärterinnen Anne-Katrin Marx und Klara Zerbe betreuen das Ferienprojekt, das vom Verein Lernen! in Herne finanziert wird. Foto: Carola Quickels

An der Grundschule Kunterbunt an der Neustraße geht es auch in den Sommerferien kunterbunt zu. Neben den Kindern der OGS bevölkern in den ersten zwei Wochen 24 weitere Grundschüler die Schule. Sie malen, rechnen, lesen und schneiden fröhlich ihre zuvor bunt bemalten Dinos aus - unter Anleitung von den beiden Lehramts-Anwärterinnen Anne-Katrin Marx und Klara Zerbe. Es sind Kinder, die in ihrem häuslichen Umfeld nicht immer die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Am Mittwoch (8.7.2020) bekamen sie Besuch von der Schulleitung und Mitgliedern des Vereins 'Lernen! in Herne'.

Kinder aus bildungsfernen Familien erfahren während der Sommerferien Unterstützung. Möglich macht das der Verein: Lernen! in Herne.
Kinder aus bildungsfernen Familien erfahren während der Sommerferien Unterstützung. Foto: Carola Quickels

Der Verein finanziert dieses Ferienprojekt und will so dazu beitragen, dass Defizite, die auch durch den Unterrichtsausfall während der Coronazeit entstanden sind, abgefedert werden, und die Kinder den Anschluss an ihren Klassenverband nicht verlieren. Dietmar Jäkel vom Verein ist sich sicher: „Die Schulschließungen durch Corona betrifft die ärmsten Kinder am stärksten. Das sind Kinder, die keine familiäre Unterstützung zu Hause bekommen können. Da wird Chancen-Ungleichheit noch einmal größer, das ist das eigentliche Dilemma.“

Schulleiterin Monika Müller: „Mit Hilfe des Vereins erhalten diese Kinder nun eine individuelle Förderung. Anne-Katrin Marx und Klara Zerbe haben das Projekt geplant und arbeiten täglich mit den Kindern. Unterstützung erhielten sie während der Vorbereitungen von den Klassenlehrerinnen.“ Anne-Katrin Marx ist regelmäßig bei dem Landesprogramm „FIT in Deutsch“ dabei. FIT steht hier für Ferien-Intensiv-Training und richtet sich an neu zugewanderte Kinder, um deren Deutschkenntnisse zu verbessern. Klara Zerbe hat ihre Praktika an der Schule Kunterbunt absolviert. Beide junge Frauen stehen mit Spaß und Engagement vor den kleinen Menschen aus der 1., der 2. und der 3. Klasse und vermitteln ihnen den Schulstoff auf spielerische Art.

Kinder aus bildungsfernen Familien erfahren während der Sommerferien Unterstützung. Möglich macht das der Verein: Lernen! in Herne.
Kinder malen, lesen, rechnen während der Sommerferien mit Eifer. Foto: Carola Quickels

Die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache und auf die Frage, was ihnen hier am Besten gefällt, sprudeln die Sätze bei manchem Kind nur so heraus. Die kleine Aysun: „Ich bastel gerne, und dass wir den Dino ausmalen und danach ausschneiden gefällt mir, und dann kommt er an die Tafel und wenn ich nicht weiter weiß, bekomme ich Hilfe. Das gefällt mir. Aber, dass du zu Besuch gekommen bist, das ist auch schön. Und heute habe ich auch schon selber etwas gelesen.“ Leotrim berichtet stolz: „Wir machen eine Dinowelt, das ist schön. Und ich kann auch schon meinen Namen schreiben.“ Eine kleine Meerjungfrau erzählt aufgeregt, dass auch sie heute gerechnet hat und auch schon gelesen „und wenn ich nicht weiter weiß, dann bekomme ich Hilfe, das ist schön“, sagt sie und zeigt etwas schüchtern auf die beiden Lehramtsanwärterinnen.

„Das Virus soll weg"

So schön es hier auch ist: Dass die Schule vor Corona besser war, darüber sind die Kinder sich alle einig. Den normalen Schulunterricht hat hier quasi jedes Kind vermisst und einige sind recht zornig auf das Virus und haben eine Idee: „Corona soll weg! Wenn Corona noch mal kommt, dann schmeiß ich das ganz weit weg, dass es hier nicht mehr ist. Dann können wir wieder zur Schule gehen.“

Kinder aus bildungsfernen Familien erfahren während der Sommerferien Unterstützung. Möglich macht das der Verein: Lernen! in Herne.
Sommerferien -Projekt des Vereins Lernen! in Herne. Foto: Carola Quickels

„Ja“, sagte Schulleiterin Monika Müller, „die Corona-Zeit war für einige Kinder sehr hart, für sie gab es zu Hause wenig Unterstützung. Viele unserer Eltern können kein Deutsch oder eben nur sehr schlecht, deren Kinder sind natürlich besonders betroffen. Darum haben wir das Angebot vom Verein sofort angenommen und sind kurzfristig mit Lehrern und Eltern in Kontakt getreten.“ Claudia Huhmann Rohkämper, die stellvertretende Schulleiterin bedauert: „Ausgelegt ist das Projekt für 20 Kinder, 24 Kinder haben wir allerdings angenommen. Trotzdem mussten wir einige Absagen aussprechen.“

Kinder aus bildungsfernen Familien erfahren während der Sommerferien Unterstützung. Möglich macht das der Verein: Lernen! in Herne.
Sommerferien -Projekt des Vereins Lernen! in Herne. Foto: Carola Quickels

Gudrun Thierhoff, die 2. Vorsitzende des Vereins: „Uns war es in besonderer Weise wichtig an dieser Stelle zu helfen. Eben weil seit Mitte März 2020 kein geregelter Schulbetrieb mehr stattfand. Unser Anliegen ist es, diesen Kinder, die ganz am Anfang ihrer Bildungs-Biografie stehen zur Seite zu stehen und zu unterstützen.“ Dafür hat der Verein 3.000 Euro zur Verfügung gestellt.

„Ich persönlich finde das fahrlässig"

Erstaunt sind die Vereinsmitglieder, dass Landes-Programme, die es in den vergangenen Jahre gab, wie zum Beispiel 'Fit in Deutsch', in diesem Jahr nicht rechtzeitig angeboten wurden. „Zehn Tage vor den Sommerferien haben wir mit der Schulleitung gesprochen und dieses Ferienprojekt angeboten. Da war vom Land immer noch nichts zu hören, das kam erst Tage später", sagte Thierhoff. Und man hört ihre Empörung nicht nur in dem Satz: „Ich persönlich finde es fahrlässig vom Land, dass den Schulen nicht frühzeitig entsprechende Ferien-Angebote offeriert wurden." Schließlich könne keine Schule innerhalb von zwei / vier Tagen so ein Projekt aus dem Boden stampfen und dazu noch entsprechend ausgebildetes Personal bereitstellen. Dass so etwas nicht funktionieren könne, sähe man auch daran, dass die Mittel, die das Land fünf Tage vor Ferienbeginn bereitgestellt hat, nicht abgerufen würden. „Das finde ich außerordentlich bedauerlich. Da hätte man von Landesseite wesentlich früher auf die Idee kommen können, die Ferien zu nutzen. Vor allem für diese Zielgruppe."

v.l. Anne-Katrin Marx, Klara Zerbe (beide Lehramtsanwärterinnen), Schulleiterin der Grundschule Monika Müller, Peter Bornfelder und Gudrun Thierhoff (beide Förderverein Lernen! in Herne).
v.l. Anne-Katrin Marx, Klara Zerbe, Schulleiterin der Grundschule Monika Müller, Peter Bornfelder und Gudrun Thierhoff. Foto: Carola Quickels

Der „Verein Lernen! in Herne“

Der Verein wurde 2013 gegründet. Gründungsmitglied, ehemaliger Stadtkämmerer und 1. Vorsitzender, Peter Bornfelder: „Wir haben uns mit dem Ziel gegründet, den städtischen Bildungs-Prozess zu unterstützen und mit weiteren Bildungspartnern in Herne zu kooperieren. Der Weg in ein erfolgreiches Berufsleben ist nach wie vor eine breitgefächerte Bildung und der Verein will Lust auf das Lernen wecken. Heute hat der Verein 30 Mitglieder. Die Finanzierung der Projekte erfolgt über die Mitgliedsbeiträge und Spenden." Die Homepage des Vereins sei im Augenblick nicht erreichbar, da sie muss überarbeitet werdn, erklärt Dietmar Jäkel.

Die Aktivitäten sind im wesentliche, die Förderung von innovativen Projekten. In vergangenen Zeiten hat der Verein auch Wettbewerbe angeschoben, wie zum Beispiel das MINT-Projekt: Wer baut die stabilste Papierbrücke. Damit wollte der Verein den spielerischen Zugang zum naturrwissenschaftlichen Lernen unterstützen. MINT, das sind die Anfangsbuchstaben der Studienfachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gudrun Thierhoff: „Wir unterstützen dort wo es nötig ist, in kleinem Rahmen, aber so, dass es auch in die Bildungslandschaft passt.“ Um auch die Kleinsten schon mitzunehmen, hat der Verein in der Vergangenheit zum Beispiel eine Kita mit ersten Laptops ausgestattet.

Lernen! in Herne - ein breites Feld der Hilfe

Zeitzeugen berichten
'Zeitzeugen' berichten Schülern über ihre Erlebnisse während der Nazi-Zeit. Foto: Carola Quickels

Das Feld der Projekte, die der Verein auf den Weg bringt, ist breit gefächert: „Wenn wir im August unsere erste Mitgliederversammlung nach Corona haben, werden wir über zwei weitere Projekte sprechen“, sagt die 2. Vorsitzende des Vereins. Ein angedachtes Projekt ist eine Lese- und Schreibwerkstatt - in Kooperation mit der Stadtbibliothek. Und ein weiterer Antrag liegt von den Zeitzeugen vor, die gerne eine Unterstützung in Form von Übernahme der Taxifahrten hätten. „Die Zeitzeugen werden halt immer älter und können oftmals nicht eigenständig zu den Veranstaltungen kommen", sagt Gudrun Thierhoff.

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