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Die erhebliche Verteuerung der Heizkosten zwingt die Herner Kirchengemeinden zu Einsparungen (Symbolbild).

Pfarreien und Kirchenkreis informieren über Veränderungen im Winter

In zahlreichen Kirchen bleibt die Heizung aus

Fast ganz Deutschland steht aufgrund der Energiekrise und gestiegenen Heizkosten vor einem ungewissen Winter und der Frage: Lieber mehr zahlen und es warm haben oder Heizung aus lassen und sparen? Diese Thematik betrifft natürlich auch die Kirchen, die durch ihre Größe und die bauliche Substanz viel heizen müssten, um die Gebäude im Winter zu erwärmen.

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Aufgrund der Geschehnisse in der Ukraine und den zu erwartenden erheblichen Verteuerung der Heizkosten sieht sich die Pfarrei St. Dionysius für den kommenden Winter zu deutlichen Einsparungen gezwungen. „Die zu erwartenden Mehrkosten werden so hoch sein, dass wir sie nicht ohne Weiteres tragen können. Dies hat den Kirchenvorstand veranlasst, intensiv nach alternativen Wegen zu suchen. Die Motivation ist dabei zum einen, einen spürbaren Beitrag zum Energiesparen zu leisten und natürlich auch den Kostenanstieg einzugrenzen“, heißt es in einer Mitteilung von Pfarrer Georg Birwer.

Lässt sieben von zehn Kirchen kalt: Pfarrer Georg Birwer von St. Dionysius.

Grundtemperatur von fünf bis acht Grad

Gemeinsam habe der Kirchenvorstand nach Überlegungen des Pastoralteams mit Vertretern des Pfarrgemeinderates und der Gemeindeausschüsse nun das Konzept „Winterkirchen“ beschlossen. Das bedeutet, dass in den Wintermonaten von zehn Kirchen nur drei beheizt werden: St. Joseph, St. Dreifaltigkeit und St. Bonifatius. Die anderen sieben Kirchen werden auf einer Grundtemperatur von fünf bis acht Grad Celsius gehalten, die notwendig ist, damit die Räume und ihre Einrichtung keinen Schaden nehmen.

Für die Gottesdienste in den ungeheizten Kirchen bedeutet das für die Zeit von Allerheiligen bis Ostern (von Dienstag, 1. November 2022, bis zum 1. April 2023):

  • Alle Gottesdienste in Herz Jesu und St. Marien werden im Gemeindesaal gefeiert.
  • Die Gottesdienste von St. Peter und Paul bleiben in der unbeheizten Kirche.
  • Die Vorabendmesse von St. Elisabeth wird nach St. Bonifatius verlegt. Die Messe am Dienstag kann weiterhin der getrennt beheizbaren Werktagskapelle gefeiert werden.
  • Alle Gottesdienste in St. Pius und St. Konrad werden ebenfalls in den getrennt beheizbaren Kapellen gefeiert.
  • Die Gottesdienste von St. Barbara werden im Saal des Gemeindezentrums gefeiert.
Pfarrer Ludger Plümpe von der Pfarrei St. Christophorus.

Die einzige Ausnahme wird dabei das Weihnachtsfest sein. Alle Gottesdienste sollen dann in den Kirchen sein, die dafür geheizt werden. Auch für die Gemeindezentren wird es eine veränderte Heizregelung geben. „Ziel ist es, Veranstaltungen und Gruppentreffen auf wenige Räume zu begrenzen, um andere Räume ungeheizt lassen zu können“, heißt es. „Auf Grund der Abstimmungen in den betroffenen Gemeinden sind wir zuversichtlich, damit eine für alle tragbare Lösung gefunden zu haben“, erklärt Georg Birwer.

Bei St. Christophorus bleibt es kalt

In der Pfarrei St. Christophorus gibt es eine etwas andere Regelung. „Wir werden die Kirchen offen halten, allerdings werden wir sie nicht beheizen“, sagt Pfarrer Ludger Plümpe auf Anfrage von halloherne. Diese Regelung gilt erstmal bis Anfang Januar 2023. Viele Probleme sieht er dadurch allerdings nicht. „In den beiden Wintern der Corona-Pandemie hatten wir unter anderem Outdoor-Gottesdienste, da hat die Kälte auch nicht gestört und es kamen viele.“

Außerdem gäbe es immerhin noch die Chance, dass der Winter mild wird. „Momentan haben wir noch um die 20 Grad und es war auch mal rund um Weihnachten nicht viel kälter“, so Plümpe. „Wir stellen uns die Frage: Kommen die Leute lieber in eine kalte Kirche oder in ein warmes Gemeindehaus? Wir sind der Überzeugung, es ist die Kirche - vor allem an Weihnachten.“ Nach zwei Weihnachten mit vielen Einschränkungen glauben die Verantwortlichen um Plümpe daran, dass viele wieder in die Gotteshäuser kommen möchten.

Trotzdem wird die Pfarrei die Kirchen in den kommenden Wochen im November und Dezember genau beobachten - und natürlich auch den Wetterbericht. Die gesammelten Erfahrungen sollen dann in möglicherweise neue Entscheidungen ab Jahresbeginn 2023 einfließen.

'Winterkirche' in der Kirchengemeinde Haranni

Pfarrer Arnd Röbbelen.

Auch die evangelischen Kirchengemeinden überlegen, wie Energie gespart werden kann, berichtet Pfarrer Arnd Röbbelen vom Kirchenkreis Herne gegenüber halloherne. „In der Kirchengemeinde Haranni wird es eine sogenannte 'Winterkirche' geben, das heißt, dass ab November in der Zionskirche Horsthausen, der Johanniskirche Sodingen, der Lutherkirche Crange und eventuell der Kirche in Röhlinghausen die Gottesdienste in den benachbarten Gemeindehäusern stattfinden werden", so Röbbelen. „Im Januar sollen in der Kreuzkirche, der Emmauskirche Börnig und eventuell auch in der Matthäuskirche Baukau die Gottesdienste ebenfalls in den Gemeindehäusern stattfinden."

Alle anderen Kirchen seien so gut isoliert oder haben so moderne Heizungsanlagen, dass hier nur über Temperatursenkungen nachgedacht werde. „Die Petrus-Kirchengemeinde hat für alle Gebäude neue Thermostate angeschafft, die aus der Entfernung mit Apps gesteuert werden können", erläutert Röbbelen.

Die evangelische Matthäus-Kirche an der Bismarckstraße im Stadtteil Baukau.

Festgottesdienste und Konzerte weiterhin in Kirchen

Jedoch werden große Konzerte und die Festgottesdienste zu Weihnachten weiterhin in den einzelnen Kirchen stattfinden. Nähere Informationen dazu gibt es auf der Homepage des Kirchenkreises oder auf den Seiten der einzelnen Gemeinden.

Außerdem planen die Kirchengemeinden im Stadtgebiet sogenannte „Wärmestuben“ einzurichten, in denen Menschen unter anderem eine warme Suppe, Kaffee oder Tee bekommen oder einfach verweilen können. „Wenn die Planungen abgeschlossen sind, werden wir darüber informieren", so Arnd Röbbelen. Darüber hinaus werden keine Kirchen mehr angestrahlt und die Beleuchtung in den meisten Gemeindehäusern werde auf LED umgestellt.

| Autor: Marcel Gruteser und Julia Blesgen