„Hunger“ als Geisterpremiere

Prinzregenttheater zieht Sommerpause vor

Knut Hamsuns „Hunger“ feiert am Prinzregenttheater Bochum „Geisterpremiere“ ohne Publikum.
Knut Hamsuns „Hunger“ feiert am Prinzregenttheater Bochum „Geisterpremiere“ ohne Publikum. Foto: PRT

Das Prinzregenttheater Bochum hat sich aufgrund der anhaltenden Corona-Beschränkungen dazu entschlossen, die für Freitag, 23. April 2021, geplante Neuproduktion von „Hunger“ nach Knut Hamsun als „Geisterpremiere“ ohne Zuschauer über die Bühne zu bringen. Vom 1. Mai bis einschließlich 6. Juni 2021 geht das von Hans Dreher geleitete Theater in eine vorgezogene Sommerpause in der Hoffnung, dass im Sommer wieder vor Publikum gespielt werden darf.

Oliver Möller (l.), hier zusammen mit Jele Brückner, Karin Moog und Sascha Nathan in Rezas „Drei Mal Leben“ am Schauspielhaus Bochum, spielt „Hunger“ am PRT.
v.l. Oliver Möller mit Jele Brückner, Karin Moog und Sascha Nathan in Rezas „Drei Mal Leben“ am Schauspielhaus Bochum, spielt „Hunger“ am PRT. Foto: PRT

Das PRT verabschiedet sich am Freitag, 30. April 2021, um 19:30 Uhr mit einer Video-Konferenz-Vorstellung von „Squash“ (halloherne berichtete), Tickets sind über die Homepage prinzregenttheater.de erhältlich. „Auch wenn wir grundsätzlich sehr zufrieden sind mit dem Ergebnis unserer ganzen Internet-Umsetzungen, sehnen wir uns sehr nach unseren ‚klassischen‘ Theaterabenden. Dafür gibt es schlicht keinen angemessenen Ersatz. Auch trauern wir den Repertoire-Stücken nach, die wir seit über einem Jahr nicht mehr zeigen durften. Von diesen wollen wir nach wie vor kein einziges aufgeben. Wir hoffen auf schnellen Impffortschritt, Herdenimmunität und baldmöglichste Wiederaufnahme dieser Schätze“, so der Künstlerische Leiter Hans Dreher.

Nach der „Geisterpremiere“ von „Hunger“ geht die Produktion in den „Sommerschlaf“. In seinem Debütroman erzählt der 1859 geborene Knut Hamsun vom Überlebenskampf eines jungen Mannes in der norwegischen Stadt Kristiania, dem heutigen Oslo, Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte eines Menschen, der Hunger leidet, aber sich vor Essen ekelt und Nähe sucht, obwohl er diese nicht erträgt. Verzweifelt schreibt er gegen die Armut an: Wenn er hin und wieder einen Artikel an eine Zeitung verkaufen kann, dann ist immerhin eine Mahlzeit oder ein Obdach für die Nacht sicher.

Diese Bühnenadaption des Romans stammt vom Regisseur Jochen Langner und stellt das Scheitern an den eigenen Ansprüchen, die schonungslose Selbstentblößung, die Zurschaustellung des Schmerzes als oppositionellen Akt in den Mittelpunkt: „Die Parallelwelt des Prekariats, vor der man allzu gern die Augen verschließt, wird theatral sichtbar.“ Langner inszeniert das Monodram mit Oliver Möller corona- und streaming-tauglich.

„Den Juni und unsere Rückkehr werden wir mit Produktionen planen, die wir sowohl streamen als auch live spielen können. Der Vorverkauf startet entsprechend Ende Mai. Immerhin gibt es diese Woche einen ersten Termin, bei dem es darum geht, ob wir im Sommer eine temporäre Außenspielstätte auf unserem Vorplatz betreiben dürfen“, stellt Hans Drehers (Leitungs-) Partnerin Anne Rockenfeller in Aussicht. Das PRT will die vorverlegte Spielzeit 2021/22 am Donnerstag, 10. Juni 2021, um 19.30 Uhr mit der Produktion „All das Schöne“ in Hans Drehers Regie eröffnen, gespielt von Yvonne Forster und Niklas Luft. Ob die Eröffnung digital oder vor Publikum aufgeführt wird, hängt vom pandemischen Geschehen ab.

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