Prova-Gutachten werden falsche Berechnungen vorgeworfen
Hallenbad: BI sieht 'bewusste Manipulation'
Die Versuche der Bürgerinitiative (BI) zur Rettung des Hallenbads Eickel hören nicht auf. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung und Politik. Grundlage ist eine eigene Nachberechnung der Wirtschaftlichkeitsanalyse, die dem Ratsbeschluss zum Abriss des Bades vom 1. Juli 2025 (halloherne berichtete) zugrunde lag. Nach Angaben der Initiative soll die zugrunde gelegte 30-Jahres-Kalkulation fehlerhaft sein. Das würde laut BI erhebliche finanziellen Folgen mit sich bringen.
Zuletzt startete die BI Anfang 2026 beim NRW-Landtag eine Petition (halloherne berichtete), nachdem es im November 2025 bei der Ratssitzung schlechte Neuigkeiten gegeben hatte (halloherne berichtete und berichtete). Dort wurde mit breiter Mehrheit festgestellt, dass das vierte Bürgerbegehren unzulässig sei.
Ein Fehler von mehr als zehn Millionen Euro?
Nun dreht sich die Thematik um die mathematischen Berechnungen. Nach Darstellung der BI klafft in der Berechnung des Beratungsunternehmens Prova ein Fehler von mehr als zehn Millionen Euro. Während die Sanierung des Hallenbades in früheren Machbarkeitsstudien noch günstiger als ein Neubau bewertet worden sei, habe die spätere Langfristberechnung plötzlich ein gegenteiliges Ergebnis ausgewiesen. Nach eigener Prüfung kommt die Initiative nun zu dem Schluss: Eine Sanierung wäre über den betrachteten Zeitraum sogar rund 2,5 Millionen Euro günstiger als ein Neubau – und das noch ohne mögliche Fördermittel.
„Wir sprechen hier nicht über marginale Abweichungen, sondern über einen Fehler in Millionenhöhe“, erklärt Horst Schröder von der Bürgerinitiative. „Wenn sich bestätigt, dass der Ratsbeschluss auf fehlerhaften Zahlen basiert, muss er aus unserer Sicht zurückgenommen werden.“
Thomas Fingerhut analysierte
Unterstützt wurde die Nachprüfung laut Initiative von Thomas Fingerhut, einem ehemaligen Geschäftsführer eines Planungsbüros mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Kalkulationsprüfung. Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern habe er die Zahlen „Schritt für Schritt und Jahr für Jahr“ analysiert. Dabei seien Unstimmigkeiten aufgefallen, die laut BI „mit einfachen Mitteln wie einem Taschenrechner“ nachvollziehbar seien.
Kritik äußert die Bürgerinitiative insbesondere an unterschiedlichen Zinssätzen in der Vergleichsrechnung: Während für einen Neubau mit vier Prozent kalkuliert worden sei, habe man bei der Sanierung fünf Prozent angesetzt. Zudem seien zusätzliche Zuschläge eingerechnet worden, deren Grundlage aus Sicht der Initiative nicht nachvollziehbar sei. Auch ein pauschaler Nachsanierungsbetrag von 300.000 Euro, der ausschließlich bei der Sanierungsvariante berücksichtigt wurde, werfe Fragen auf.
'Neubau dauert ein bis zwei Jahre länger als eine Sanierung'
„Wir haben immer betont, dass wir neue Schwimmflächen nicht verhindern wollen“, sagt Schröder. „Aber wenn eine Sanierung schneller und günstiger möglich ist, darf diese Option nicht aus politischen Gründen vom Tisch gewischt werden.“ Tatsächlich argumentiert die Initiative, dass ein saniertes Hallenbad möglicherweise längst wieder in Betrieb sein könnte. Ein Neubau werde dagegen nach ihrer Einschätzung mindestens ein bis zwei Jahre später fertiggestellt – bei zugleich weiter steigenden Kosten und noch offenen Planungsfragen.
Bereits im April 2026 habe die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben die Bürgerbeauftragte Sabine von der Beck sowie die Bezirksbürgermeister in Wanne und Eickel, Winfried Marx und Ulrich Syberg, über die festgestellten Fehler informiert. Ende April 2026 sei zudem ein offizieller Bürgerantrag an Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda und Verwaltung gestellt worden, eine Kopie schickte die Leute um Schröder der Redaktion mit. Darin fordert die Initiative eine neue Berechnung und die Rücknahme des damaligen Ratsbeschlusses.
BI: 'Keine Fakten ignorieren'
Besonders kritisch sieht Schröder Stimmen aus Politik und Verwaltung, die einen schnellen Abriss des Hallenbades fordern, um die langjährige Debatte zu beenden. „Es darf nicht darum gehen, Diskussionen einfach abzuräumen, indem man Fakten ignoriert“, so Schröder. „Die Stadt ist verpflichtet, Schaden von sich abzuwenden – und dazu gehört auch, Fehler offen zu korrigieren.“
Ob Verwaltung und Politik auf die neuen Vorwürfe reagieren und die Berechnungen erneut prüfen lassen, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Diskussion um das Hallenbad Eickel dürfte damit in eine neue Runde gehen.