Krötenwanderung: Einmal sicher ablaichen und zurück
1.200 Kröten querten die Hofstraße
„Die Krötenretter“, das sind rund 20 ehrenamtliche Helfer, haben zwischen Ende Februar und Ende April 2026 haben dafür gesorgt, dass gut 1.200 Erdkröten die vielbefahrene Hofstraße im Grenzgebiet zu Gelsenkirchen sicher überqueren konnten. Die Tiere waren auf dem Weg ins Laichgebiet neben dem Tierheim Herne-Wanne.
Fast 700 Tiere wanderten anschließend zurück und querten ein zweites Mal sicher die Hofstraße. Für die Freiwilligen bedeutete das über 700 Stunden geopferte Freizeit und viele, viele Kilometer zu Fuß auf und ab entlang der Hofstraße. Ein großes Ärgernis: die Autofahrer, die sich nicht an das nächtliche Fahrverbot halten.
Die Zahlen stammen aus der Statistik von Monika Siemann. Die Hernerin koordiniert seit ein paar Jahren die Freiwilligen, die im Frühling Abend für Abend bei Einbruch der Dunkelheit ein paar Stunden lang die Krötenzäune abwandern, Eimer leeren, Kröten einsammeln und auf der anderen Straßenseite absetzen. Eine zweite Schicht kontrolliert am frühen Morgen die Eimer auf Kröten, die spät nachts noch unterwegs waren. Die Zäune gehören dem BUND Herne, aufgestellt wurden sie von StadtGrün-Mitarbeitern. Die Freiwilligen kommen aus Herne und Gelsenkirchen.
Süß statt eklig
Eklig findet hier niemand die Kröten. „Die sind doch süß“, ist immer wieder zu hören – vor allem die Pärchen, das heißt, wenn sich das Männchen bereits auf einem Weibchen festgeklammert hat und sich huckepack zum Teich transportieren lässt. Je nach Wetterlage gibt es für die Retter mal mehr, mal weniger zu tun. Ist es trocken und kalt, rühren die Kröten sich nicht.
Hochsaison war dieses Jahr schon Ende Februar, als die warmen Temperaturen die Kröten ungewöhnlich früh aus dem Winterversteck trieben. An einem Tag, erinnert sich Monika Siemann, wurden morgens und abends zusammen fast 170 Tiere aufgesammelt. Und eine regnerische, warme Samstagnacht im April ist in Erinnerung geblieben, als die Freiwilligen – bewaffnet mit Eimern, Taschenlampen und Warnwesten – über 200 Erdkröten einsammelten.
Die Zahl der Erdkröten, die ins Laichgebiet wandern, ist in den vergangenen drei Jahren ungefähr gleichgeblieben. Dieses Jahr sind allerdings deutlich mehr Tiere nach dem Laichen auf anderen Wegen in ihr Sommerquartier gewandert oder in der Nähe der Teiche geblieben.
Frustrierender Autoverkehr
Was die Krötenfreundinnen und -Freunde allerdings frustriert, ist der Autoverkehr. Die Hofstraße ist von Februar bis April vom Röhlinghauser Friedhof an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen bis zum Reiterhof von 18 bis 4 Uhr in der Früh für den Autoverkehr gesperrt. Nur der Linienbus darf fahren. Trotzdem zählen die Naturfreunde während ihrer Patrouillen Abend für Abend mindestens 20 Fahrzeuge, die zum Teil mit hoher Geschwindigkeit durch die Hofstraße brettern.
Zu Bilanz dieses Frühlings gehören deshalb auch 33 überfahrene Kröten, deutlich mehr als voriges Jahr. Die Krötenretter fordern deshalb, die Straße ab dem Kreisel Ostpreußenstraße/Hofstraße auf Gelsenkirchener Gebiet bis wenigstens zum Tierheim im Frühling ganz zu sperren. Helfen würde es aber auch, wenn die Polizei häufig und nachdrücklich das Fahrverbot überprüfen würde, heißt es.