'#Embraceyourself'

Junge Choreographien am Musiktheater im Revier

Alessio Monforte (vorn) bei den Proben zu „Audience of One” mit Eunij Yang.
Alessio Monforte (vorn) bei den Proben zu „Audience of One” mit Eunij Yang. Foto: Pitt Herrmann

Erstmalig seit der Gründung der Dance Company des Musiktheaters im Revier (MiR) überlässt ihr künstlerischer Leiter Giuseppe Spota am Freitag, 17. September 2021, die Bühne ganz seiner Compagnie und setzt damit die Gelsenkirchener Tradition seiner Vorgängerin Bridget Breiner fort. Unter dem Hashtag #embraceyourself choreographieren sieben Ensemblemitglieder sechs Stücke in ganz unterschiedlichen Handschriften.

„Ich selbst habe bei Stephan Thoss in Wiesbaden in einem solchen Programm meine ersten Schritte vom Tänzer zum Choreographen unternommen“, erinnert sich Giuseppe Spota. Die Möglichkeit, sich solchermaßen auszuprobieren und zu entwickeln, eröffnet er er nun auch seinen Company-Mitgliedern. Yu-Chi Chen, Georgios Michelakis und Chiara Rontini stellen sich nun erstmals mit eigenen Choreografien vor, während Brecht Bovijn, Simone Donati, Marie-Louise Hertog und Alessio Monforte bereits über erste Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen.

Auftakt zum Schwerpunkt Ängste

Umarme dich selbst, liebe dich selbst, sei du selbst: Die thematische Idee zu #embraceyourself stammt vom Tanz-Direktor Giuseppe Spota selbst und bildet den Auftakt zum Schwerpunkt, der alle Neuproduktionen der MiR Dance Company in der Spielzeit 2021/22 prägt: Die unterschiedlichen Ängste, die verschiedene Lebensalter beherrschen und Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen oder sie zu überwinden.

So geht es etwa in „Requiem“ ab Mitte Januar 2022 um die Angst vor allem der Älteren vor dem Tod, in „Millennials“ ab Ende April 2022 um (Zukunfts-) Ängste der mittleren Generation der Dreißig- und Vierzigjährigen und in „Swans“ ab Mitte Juni 2022 um die Hinterfragung grassierender Schwarz-Weiß-Malerei nicht nur in den Sozialen Medien.

Konstantina Chatzistavrou probt „What shall I (ever) do?”, die erste von sechs Choreographien.
Konstantina Chatzistavrou probt „What shall I (ever) do?”, die erste von sechs Choreographien. Foto: Brecht Bovijn

„Embraceyourself“ ist für Spota und seine junge Compagnie, die er als erstes nach ihren Ängsten befragt hat, mehr als nur ein Hashtag, es ist eine Haltung und mit gedachtem Ausrufezeichen die Motivation, den Widrigkeiten der immer noch nicht überwundenen Pandemie mit Optimismus und Lebensfreude zu trotzen statt sich ängstlich zurückzuziehen. In einer Welt, die unsere Selbstpräsentation durch digitale Filter und Retusche zu perfektionieren und jede Form von „Fehlerhaftigkeit“ auszumerzen versucht, ist für ihn der Ausruf eine Metapher für mehr Unabhängigkeit und Selbstakzeptanz.

Druck der sozialen Netze

Denn immer mehr junge Menschen an der Grenze zum Erwachsen werden setzen sich in sozialen Netzwerken dem Druck zur Selbstoptimierung und den damit verbundenen Ängsten, nicht genügen zu können, aus. Und das ausgerechnet in dem Moment ihres Lebens, in dem sie sich ohnehin mit vielen neuen und nicht selten existentiellen Fragen auseinandersetzen müssen. Nach der eigenen Verantwortung, nach der individuellen Zukunft, der ersten Liebe oder dem weiteren Ausbildungsweg. „Embraceyourself“ ist der Aufruf, aus diesen Fragen nicht Probleme, sondern Chancen werden zu lassen.

„What shall I (ever) do?” von Giorgos Michelakis (Choreografie und Kostüm) mit Konstantina Chatzistavrou, Eunji Yang und Pablo Navarro Muñoz eröffnet den Reigen, es folgen „Work in Progress” von Simone Donati (Choreografie und Kostüm) mit Genevieve O’Keffee und Simone Frederick Scacchetti, „Flight Amygdala“ von Marie-Louise Hertog und Brecht Bovijn (Choreografie, Kostüm und Tanz), „Audience of One” (AT) von Alessio Monforte (Choreografie und Kostüm) mit Chiara Rontini, Eunij Yang und Simone Donati, „The piece on your seat” von Yu-Chi Chen (Choreografie, Kostüm und Tanz) sowie „Whatever walked there, walked alone” von Chiara Rontini (Choreografie, Kostüm und Tanz) mit Alessio Monforte.

Zwischen den einzelnen Stücken des etwa neunzigminütigen Abends zu bisweilen düsterer, aber nicht dramatischer und jedenfalls sehr unterschiedlicher Musik werden Zitate aus Interviews mit Neuntklässlern der Gesamtschule Erle eingespielt, die um das Thema kreisen. Nach der Premiere am Freitag, 17. September 2021, um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des MiR gibt es weitere Aufführungen am Sonntag, 26. September 2021, um 18 Uhr, am Freitag, 1. Oktober 2021, um 19.30 Uhr sowie am Samstag, 2. Oktober 2021, um 19.30 Uhr. Karten über die Homepage musiktheater-im-revier.de oder unter Tel. 0209 – 40 97 200.

September
17
Freitag
Freitag, 17. September 2021, um 19:30 Uhr MIR - Musiktheater im Revier , Kennedyplatz 1 , 45881 Gelsenkirchen Karten über www.musiktheater-im-revier.de oder Tel 0209 4097 200.

Weitere Termine:

  • Sonntag, 26. September 2021, um 18 Uhr
  • Freitag, 01. Oktober 2021, um 19:30 Uhr
  • Samstag, 02. Oktober 2021, um 19:30 Uhr
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