Ein ungewöhnlicher Krankentransport

Nächtliche Patientenaufnahme auf der A3

Michael Bohnen, der Fahrer der Fahrt nach Saarbrücken, und der Chef, Klaus Möllmann.
Michael Bohnen, der Fahrer der Fahrt nach Saarbrücken, und der Chef, Klaus Möllmann. Foto: Privat

Im Juli 2020 erhielt der Chef des Herner Krankenfahrdienstes HospiTrans, Klaus Möllmann, die lang ersehnten Blaulicht-Genehmigungen für seine Fahrzeuge (halloherne berichtete). Dafür hat Möllmann drei seiner Fahrzeuge umbauen lassen und freut sich, zur Qualitätssteigerung der Krankenfahrten in Herne beizutragen.

Aber die Fahrzeuge sind nicht nur in Herne unterwegs, oftmals sind auch weitere Strecken zu bewältigen. So auch am letzten Samstag (12.9.2020), als HospiTrans einen Krankentransport in das rund 350 Kilometer entfernte Saarbrücken entgegennahm und der Chef, als ausgebildeter Rettungssanitäter, gemeinsam mit Michael Bohnen die Fahrt übernahm. „Alles verlief glatt“, sagte Klaus Möllmann im Gespräch mit halloherne. „Michael Bohnen und ich haben unseren Patienten, einen älteren Herrn, nach der rund fünfstündigen Fahrt sicher zu seinem Altersruhesitz transportiert.“

Der Chef von Hospitrans an seiner Komando-Zentrale.
Der Chef von Hospitrans an seiner Komando-Zentrale. Foto: Carola Quickels

Bevor sich Bohnen und Möllmann auf den Heimweg machten, haben sie in Saarbrücken noch etwas gegessen. Dann ging die Rückfahrt los. Gegen 0:30 Uhr befanden sie sich auf der A3, kurz vor Hilden. Da sah Möllmann „eine Person am Fahrbahnrand knien.“ Die Autobahn ist in diesem Bereich dreispurig und hat keinen Standstreifen. Für Möllmann war sofort klar, da ist jemand, der braucht Hilfe. Michael Bohnen schaltete das Blaulicht an, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr so der Person langsam entgegen. Zeitgleich nahmen die beiden Herner Kontakt mit der Polizei auf. Möllmann: „Die Beamten zeigten sich sehr erleichtert und sagten: Mensch toll, den suchen wir schon seit einer halben Stunde. Sie baten darum, dass wir die Person zur Autobahnpolizei Hilden bringen sollten und wollten uns Geleitschutz geben."

Möllmann weiter: „Als wir bei der Person ankamen - einem Mann im schicken schwarzen Anzug - wollte dieser weglaufen. Ich habe ihn aber eingefangen und in unseren Krankentransporter bugsiert. Leicht war das nicht, da er sich wehrte und nicht einsteigen wollte.“ Mittlerweile waren Beamte der Autobahnpolizei beim Herner Team angekommen und gaben ihnen Geleitschutz bis zur Autobahn-Polizeiwache Hilden.

Hospitrans der Partner für Kranken- und Rollstuhlfahrdienste in Herne.
Hospitrans der Partner für Kranken- und Rollstuhlfahrdienste in Herne. Foto: Carola Quickels

Klaus Möllmann: „Während der gesamten Fahrt musste ich den Mann festhalten. Er sagte mir, dass er von einer Hochzeit in Solingen käme und nach Hause wolle.“ Möllmann kann es immer noch nicht fassen, denn schließlich wäre das Zuhause in Düsseldorf. „Der Mann hätte tot sein können. Und unsere Rückwärtsfahrt war auch nicht ganz ungefährlich“, sagten Klaus Möllmann und Michael Bohnen.

Auf der Wache Hilden stellten die Beamten eine Blutalkoholkonzentration (BAK) von über zwei Promille fest. Auf Nachfrage von halloherne bei der Autobahnpolizei Hilden bestätigt Polizeihauptkommissar Keizers am Dienstag (15.9.2020) den Vorfall und sagte: „Der Mann wurde anschließend mit einem Taxi sicher nach Hause gefahren. Das ist aber kein Einzelfall. Es passiert durchaus häufiger, dass wir Fußgänger von der Bahn fischen müssen.“

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