Ein großes Versprechen

Neu im Kino

Ein großes Versprechen: Juditha (Dagmar Manzel) und Erik (Rolf Lassgård) blicken auf eine lange, glückliche Ehe zurück.
Ein großes Versprechen: Juditha (Dagmar Manzel) und Erik (Rolf Lassgård) blicken auf eine lange, glückliche Ehe zurück. Foto: Nikolai von Graevenitz / Tamtam Film

In Malmö fing alles an: Juditha (Dagmar Manzel) und Professor Erik Bergström (sein Deutsch mit Akzent macht ihn sofort sympathisch: Rolf Lassgård) können auf über dreißig glückliche Ehejahre zurückblicken. Nun stehen beide am Beginn eines neuen Lebensabschnitts: Hans (Wolfram Koch), sein deutscher Freund und Kollege, der dessen Studenten übernehmen wird, organisiert am Hamburger Universitätsinstitut eine große Abschiedsfeier für Erik. Vom Ruhestand ihres Gatten verspricht sich die seit längerem an Multiple Sklerose erkrankte Juditha ein stressfreies Alltagsleben daheim.

Doch ist Erik, dem ein interessantes Angebot aus seiner schwedischen Heimat als Stadtplaner in Malmö vorliegt, zu sehr Wissenschaftler, um bereit zu sein, sofort in Rente zu gehen und sich nur noch um seine Frau zu kümmern. Was er Juditha zunächst verschweigt und stattdessen vorschlägt, die eigenen vier Wände barrierefrei umzugestalten. Sie lehnt mit aller Entschiedenheit ab, obwohl die Krankheit voranschreitet und ihr bisheriges weitgehend unbeschwertes Leben unmöglich macht: die immer kraftlosere Juditha verweigert nicht nur den Toilettenstuhl, sondern grundsätzlich jegliche Hilfe.

Auch die ihrer schwangeren Tochter Sarah (Anna Blomeier), die sich in Schweden als Architektin eine eigene Existenz aufgebaut hat, aber regelmäßig ihre Eltern in Deutschland besucht. Mit ihr schwelgt Juditha lieber in Erinnerungen an gemeinsame Urlaube in Schweden. Derweil drückt Erik noch einmal die Hochschulbank und lebt unter jungen Kommilitonen sichtbar auf, nachdem er seiner Gattin den „Rolls Royce unter den Rollstühlen“ gekauft und mit Frau Berger (Cathérine Seifert) eine Haushaltshilfe engagiert hat. Was zu neuem Streit führt, denn Juditha will einfach nicht wahrhaben, dass sie auf fremde Hilfe angewiesen ist – auch weil Erik mit der neuen Situation emotional völlig überfordert ist.

Ein großes Versprechen: Erik (Rolf Lassgård) und seine Tochter Sarah (Anna Blomeier) trösten einander.
Ein großes Versprechen: Erik (Rolf Lassgård) und seine Tochter Sarah (Anna Blomeier) trösten einander. Foto: Nikolai von Graevenitz / Tamtam Film

„Alles bricht weg“: Als Erik im Obergeschoss des Hauses zusammenbricht, muss Juditha auf allen Vieren durch die Wohnung kriechen, um Hilfe zu holen. Die Notärztin (Sarah Diener) diagnostiziert eine Panikattacke als Vorstufe zum Herzinfarkt. Dr. Rosenberg (Stephan Schad) redet sich den Mund fusselig, um Erik in die von Sibylle (Angelika Thomas) geleitete Schlaganfall-Selbsthilfegruppe zu schicken, die Juditha strikt ablehnt. „Ich ertrage das alles nicht mehr“: Nervlich am Ende fährt Erik nach Malmö, wo er heimlich seine Tochter beobachtet, ihr aber am Telefon nicht verrät, dass er ganz in ihrer Nähe ist. Ein verzweifelter Schritt, der Juditha dazu zwingt, sich mit Frau Sing (Catrin Striebeck) eine in der Krankenpflege versierte Haushaltshilfe zu engagieren. Mit der Einsicht in das Unabänderliche erholt sich Juditha physisch und psychisch – und ist zu einem Neuanfang mit Erik bereit…

„Ein großes Versprechen“, das Spielfilmdebüt der Dokumentaristin Wendla Nölle nach einem Drehbuch von Greta Lorez, ist für die Hamburgerin, die Visuelle Kommunikation bei Wim Wenders und Fatih Akin studierte, ein persönlicher Stoff: ihre Mutter hatte Multiple Sklerose. „Greta Lorenz hat meine Berichte und Beobachtungen aus meinem Elternhaus genommen und daraus eine sehr ehrliche und unmittelbare Geschichte entwickelt“, so die Regisseurin im Filmperlen-Presseheft. Herausgekommen ist ein 90-minütiges hochemotionales Kammerspiel mit bisweilen kaum zu ertragender Drastik und großartigen Schauspielern, allen voran Dagmar Manzel. Es stellt nicht die Krankheit in den Mittelpunkt, sondern erzählt die Geschichte einer großen Liebe voller Höhen und Tiefen. Nach der Uraufführung am 1. Oktober 2021 beim Filmfest Hamburg kommt es am 9. Juni 2022 in unsere Kinos, zu sehen im Astra Essen und im Bambi Düsseldorf.

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