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Der Zitronenbaum schmückt die Praxis der Herner Hausärzte um Dr. Astrid Schwarz (li.): Es ist ein Wunschbaum, auf den Kärtchen können Schwerstkranke einen Wunsch notieren. Initiator ist Ben Vogel (re.) als Vorsitzender des Vereins Palliativberatung Basis.

Wunschzettel für schwerkranke Menschen in Herner Praxis

Ein ganz besonderer Zitronenbaum

Wenn man von einem „Lemon Tree“ spricht, kommt den allermeisten Personen als erstes das Lied von der deutschen Band „Fool's Garden“ in den Sinn, welches 1995 veröffentlicht wurde und seitdem ein Ohrwurm ist. Viele können problemlos den Text mitsingen. Für Ben Vogel und Dr. Astrid Schwarz hat der „Zitronenbaum“ allerdings noch eine andere Bedeutung. In der Praxis der „Herner Hausärzte“ steht so ein Baum für einen ganz besonderen Zweck.

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Seit Januar 2023 steht in der Gemeinschaftspraxis ein Zitronenbaum, der ganzjährig Früchte trägt. Nicht nur, weil er aus Plastik ist. Das Gewächs schmücken kleine gelbe Zettel in Zitronenform, auf deren Rückseite Schwerstkranke einen Wunsch geschrieben haben. Das kann beispielsweise die Bitte um ein Spielzeug oder eine Geldspende sein.

Geschenke füllen die Schränke

Jeder, der die Praxis betritt, kann sich solch einen Zettel nehmen und diesen erfüllen. Ähnliche Konzepte gibt es in den vergangenen Jahren vor Weihnachten mit Wunschbäumen. Wenn jemand ein Geschenk mitbringt, nehmen die Mitarbeiter der Praxis diese an und leiten sie anschließend weiter. So füllen sich die Schränke manchmal so sehr, dass beim Öffnen einer Türe einzelne Pakete herauspurzeln.

Ein Bild aus dem Jahr 2019: (v.li.) Rainer Burg (Vielfalt), Schauspieler Jürgen Vogel und sein Großcousin Ben Vogel (Palliativberatung Basis).

Ben Vogel ist der Initiator dieser Bescherung, die nicht nur vor Weihnachten, sondern das ganze Jahr über anhält. Der Pfleger und Heimleiter ist Vorsitzender des ehrenamtlichen Vereins „Palliativberatung Basis“ und möchte damit Menschen helfen, die sich in ihrer letzten Phase des Lebens befinden.

Enger Kontakt zu Hospizen und Co.

„Ich betreue die Spendenaktion und behänge den Baum mit neuen Wünschen. Dank des engen Kontakts zu Pflegeeinrichtungen, Hospizen und ambulanten Diensten wissen wir, was die Leute sich wünschen“, erläutert Ben Vogel, der der Großcousin vom bekannten Schauspieler Jürgen Vogel ist. Der Schauspieler ist ebenfalls im gemeinnützigen Verein aktiv.

Ben Vogels Engagement ist bemerkenswert, wenn man seine persönliche Leidensgeschichte kennt. Vor rund 15 Jahren hat er seinen Sohn unmittelbar nach der Geburt verloren. Einige Jahre später ist die Mutter seines weiteren Kindes an einer schweren Krankheit verstorben. Und während der Corona-Zeit verstarb sein Vater. Zuletzt hat er selbst die Diagnose Parkinson bekommen.

Aktive Aufklärungsarbeit

Nicht zuletzt deshalb möchte er aktive Aufklärungsarbeit leisten. „Sterben und Tod sind immer noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft“, erklärt der 41-Jährige. „In meiner täglichen Arbeit sehe ich, dass es mir im Verhältnis zu vielen anderen Menschen sehr gut geht“, sagt er nur. Daher lässt er in seinem ehrenamtlichen wie auch beruflichen Engagement nicht nach. „Wenn ich eine Idee habe, will sich sie auch sofort umsetzen.“

Gute Freunde geworden: Jimmy-Dean

Damit mehr Sterbende mit Angehörigen und Freunden jenseits einer klinischen oder pflegerischen Einrichtung Zeit verbringen können, kam er auf eine weitere Idee: Deutschlands erster Palliativgarten. Dazu hat er eine Kleingartenanlage gekauft und barrierefrei umgebaut. Für seinen Kumpel Jimmy-Dean „Jers“ Laubinger und dessen erkrankte Tochter Hailey organisierte Vogel eine Typisierungsaktion (halloherne berichtete und berichtete).

Award 'Pfleger des Jahres' erhalten

Aufgrund dieser zahlreichen Engagements wurde er kürzlich auf Platz drei beim Award „Pfleger des Jahres“ der Initiative „Herz & Mut“ ausgezeichnet (halloherne berichtete). Doch Ben Vogel möchte weiter Schwerstkranken helfen.

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Für Dr. Astrid Schwarz steht sowieso fest: Viel mehr Praxen sollten solch einen Zitronenbaum besitzen und Wünsche erfüllen. Mit jedem kleinen Schritt kann man helfen. Schließlich kann so ein „Lemon Tree“ viel mehr sein, als nur ein bekanntes Lied.

| Autor: Marcel Gruteser
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