Ära von Günter Wohlfarth, Ralf Ebeling und Tankred Schleinschock zu Ende
Dreifacher Abschied beim WLT
Mit einer großen Abschiedsfeier und rund 130 Gästen verabschiedete das Westfälische Landestheater (WLT) am Mittwoch (1.7.2026) seinen langjährigen Geschäftsführenden Direktor Günter Wohlfarth und seinen Intendanten Ralf Ebeling zum Ende dieser Spielzeit 2025/2026. Mit dem gemeinsamen Ruhestand des „Dreamteams“, aber auch mit dem Abschied des musikalischen Leiters Tankred Schleinschock als festes Ensemblemitglied, endet eine prägende Ära in der Geschichte des Theaters.
Im WLT-Logistikzentrum am Castrop-Rauxeler Europaplatz würdigten Vertreter aus Politik, Kultur und Theater die Verdienste der beiden langjährigen Leiter. In den Redebeiträgen wurden der Einsatz für den Erhalt des Westfälischen Landestheaters während der finanziellen Krise Anfang der 2000er-Jahre, der Ausbau des Gastspielbetriebs, die Weiterentwicklung des Hauses sowie das Engagement für kulturelle Bildung und Demokratie hervorgehoben.
Menschliche Art wiederholt betont
Und immer wieder wurde ihre ganz selbstverständlich-unprätentiöse, menschliche Art betont – was ja eigentlich das schönste Kompliment ist, gerade auch, wenn es wie in diesem Fall von den Mitarbeitern im Haus kommt.
Der Regierungspräsident der Bezirksregierung Münster Andreas Bothe fand daher, wie auch in der Folge die in Herne ja nicht unbekannte Archäologin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger als Landesrätin für Kultur, sehr persönliche anerkennende Worte für die gemeinsame Arbeit des Leitungsduos: „Zusammen haben Sie das Westfälische Landestheater nicht nur verwaltet, Sie haben es gestaltet, weiterentwickelt und zukunftsfähig gemacht.“
29 Jahre Stabilität gegeben
Mit Blick auf die 29 Jahre von Günter Wohlfarth am WLT betonte er dessen Leistungen auch in schwierigen Zeiten. „Sie haben diesem Haus Stabilität gegeben. Sie haben Verantwortung übernommen, wenn sie gebraucht wurde. Sie haben Brücken gebaut, wo andere Grenzen sahen.“
Ralf Ebeling würdigte Bothe als „leidenschaftlichen Theatermacher“, unter dessen Leitung Klassiker neu entdeckt, aktuelle Stoffe auf die Bühne gebracht und neue Publikumsgruppen gewonnen wurden. „Das WLT hat unter Ihrer künstlerischen Führung gezeigt, dass anspruchsvolles Theater und Publikumsnähe kein Widerspruch sind“, so der Regierungspräsident. Auch Rüschoff-Parzinger betonte die Bedeutung des Theaters für die demokratische Kultur: „Ihr habt immer Haltung gezeigt. Ihr seid nie eingeknickt.“ Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen seien Kunstfreiheit und Theater unverzichtbar.
Die Höhepunkte des Rahmenprogramms bei der Verabschiedung
Höhepunkte im künstlerischen Rahmenprogramm waren die leicht aktualisierte und mit Lokalkolorit gewürzte Loriotsche „Bundestagsrede“ aus der Feder Vicco von Bülows, vorgetragen vom ehemaligen Ensemblemitglied Vesna Buljević, und der ewig junge musikalische Leiter des WLT, Tankred Schleinschock, am Keyboard seines Lippe-Saiten-Orchesters, der an der Seite der niederländischen Allround-Musikerin Peti van der Velde eine der Hallen des neuen WLT-Logistikzentrums rockte.
Der gebürtige Bremer Schleinschock verlässt das WLT zum Ende der Spielzeit ebenfalls als festes Ensemblemitglied nach über 40 Jahren, hat aber schon zahlreiche Ideen, um als „Freier“ seine enorme Fangemeinde weiterhin auf Touren zu bringen. Ein WLT ohne die Legende Tankred Schleinschock ist schlicht nicht denkbar!
In seiner Abschiedsrede hob Günter Wohlfarth die Leistungen der Mitarbeiter hervor: „Gerade in solchen Zeiten zeigt es sich, was das Westfälische Landestheater meiner Ansicht nach ausmacht. Und das sind die Menschen, die hinter diesem Theater stehen.“ Sein Dank galt außerdem den Trägerkommunen, Gastspielorten, Förderern sowie den zahlreichen Kooperationspartnern des Hauses.
Zuversichtlich in die Zukunft
Mit Blick auf den bevorstehenden Leitungswechsel zeigte sich Wohlfarth zuversichtlich: „Ich freue mich sehr, dass die Nachfolge von Ralf Ebeling und mir eineinhalb Jahre im Voraus geregelt wurde.“ Den künftigen Leitern, Christoph Neumann als Geschäftsführender Direktor und Nico Dietrich als Intendant, wünschte er „viel Erfolg und vor allem Freude an der Arbeit“.