Die 5. Generation übernimmt die Geschäfte

Viktoria Strunk folgt ihren Vorfahren

Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen: Friedrich Strunk, Erika Jedamzik-Strunk, Viktoria Strunk.
Die Rentner und die neue Inhaberin: (v.li.) Friedrich Strunk, Erika Jedamzik-Strunk und Viktoria Strunk. Foto: Carola Quickels

Seit 146 Jahren ist das Traditionsunternehmen der Familie Strunk in Holsterhausen angesiedelt. 1874 gründete Friedrich Strunk seine Schreinerei mit einem angeschlossenem Bestattungsinstitut, das in den folgenden Jahren von den jeweiligen Söhnen weitergeführt wurde. Mit Urenkel Friedrich Strunk, dem gelernten Schreiner und im Handwerk fachgeprüften Bestatter, übernahm 1986 der vorerst letzte Sohn in der vierten Generation die Geschäfte. Und im Jahr 2021 wurde es in dem Traditionsunternehmen weiblich: Mit Viktoria Strunk steht erstmalig in der Holsterhauser-Strunk-Geschichte eine Frau an der Spitze des Unternehmens.

Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen: Viktoria Strunk.
Chefin Viktoria Strunk. Foto: Carola Quickels

Die 28-Jährige hat sich die Übernahme reiflich überlegt und sich mit der Entscheidung Zeit gelassen. War es für sie als Kind selbstverständlich, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, so kamen ihr als Teenager doch Zweifel. Viktoria Strunk: „Ich musste mich oft erklären, wenn es um den Beruf meiner Eltern ging, das hat schon genervt.“ Das sei der Grund gewesen, erst einmal eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. Aber mit dem zeitlichen Abstand zum Unternehmen, wurde Viktoria sich klarer, dass es doch „ihr Ding“ ist.

Zwei Standorte - eine Familie

Das freut den Vater natürlich, aber nicht nur den, denn Viktoria Strunk übernimmt auch das Geschäft von Vaters Schwester. Erika Jedamzik-Strunk hat seit Jahren ein Bestattungshaus in Röhlinghausen. Die Geschwister sind mittlerweile Rentner, stehen der jungen Unternehmerin aber mit Rat und Tat zur Seite. Friedrich in Holsterhausen und Erika in Röhlinghausen.

Der Beruf des Bestatters wird nach wie vor von vielen Menschen mit Skepsis und Zurückhaltung betrachtet, und junge Menschen die sich für diesen Beruf entscheiden, werden nicht selten nach ihren Beweggründen befragt. Das hat Viktoria Strunk so nicht erfahren, da ihre Freunde wussten, es handelt sich um ein Familienunternehmen. Auch ihr Lebensgefährte trägt ihre Entscheidung mit. Die junge Frau ist sich sehr wohl bewusst, dass der Beruf des Bestatters eine 24/7 Aufgabe ist. „Aber noch habe ich meinen Vater und meine Tante an meiner Seite, und das ist auch gut so“, sagt sie im halloherne-Gespräch. Da kommt es Viktoria auch zu Gute, dass sie es als Kind nicht anders kennen gelernt hat: „Man lernt flexibel zu sein, schließlich sind Pläne auch dafür da, um sie zu ändern“, sagt sie mit einem Lächeln.

Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen: Viktoria Strunk in der Trauerhalle.
Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen: Viktoria Strunk in der Trauerhalle. Foto: Carola Quickels

Erika Jedamzik-Strunk hat drei Kinder großgezogen, die es aber allesamt in andere Berufe gezogen hat. „Meine Kinder und Schwiegerkinder sind Sonderschulpädagogen, Logopäden, Feuerwehrmänner oder bei der Stadt beschäftigt, darum bin ich froh, dass das Geschäft dank Viktoria in Familienbesitz bleibt.“

Friedrich Strunk hat seinen beiden Töchtern die Wahl gelassen und nicht darauf gedrängt, dass sie das Geschäft übernehmen - sicherlich, gewünscht hat er sich das schon. Aber er hat ihnen Zeit gelassen. So war Viktoria auch schon 18 Jahre, als sie das erste Mal bei einer Aufbahrung mitgeholfen hat. Vater Friedrich hatte da ganz andere Sachen erfahren: „Ich war gerade einmal 13 Jahre alt, als ich meinem Vater bei einer Umbettung helfen musste. Der Sarg war schon fünf Jahre in der Erde und sollte nun an Seilen hochgezogen werden. Also sagte mein Vater 'Hüpf mal in die Grube und leg die Seile um den Sarg', der zu dieser Zeit nicht mehr heile war und das Oberteil den Blick auf den Verstorbenen frei gab. Solch eine Erfahrung wollte ich meinen Kindern ersparen.“ Allerdings sind Umbettungen heutzutage nur noch selten, nicht zuletzt, da die Erdbestattungen immer weniger werden. Urnenbestattungen würden heute rund 80 Prozent der Bestattungen ausmachen. „Als ich das Geschäft übernommen habe, waren es ganze vier Prozent“, erzählt Friedrich Strunk.

Bestatter - der Eventmanager

In den vergangen Jahren habe sich der Beruf des Bestatters schon sehr gewandelt, sagen alle drei unisono. Natürlich gehören nach wie vor Beratung und Begleitung der Hinterbliebenen zu den Aufgaben, aber auch das Organisatorische wie Abmeldungen von den Versicherungen oder die Bestellung der Kaffeetafel und des Blumenschmucks sind alltägliche Aufgaben eines Bestatters. Viktoria Strunk: „Der endgültige Abschied von einem geliebten Menschen ist für die Hinterbliebenen oft mit viel Schmerz verbunden, da müssen wir gut zuhören können und eventuell die Trauernden auch auffangen.“

Aber heute kämen die Menschen auch mit klaren Vorstellungen zum Bestatter und wünschen sich eine individuelle Zeremonie für diesen letzten Lebensweg. Es wird viel mehr Wert auf die Gestaltung der Feier gelegt. Da werden Bestatter auch ein wenig zu Eventmanagern. Da geht es nicht nur um die Musik, die Blumen und die Dekoration. Immer öfter müssen auch Trauerredner vermittelt werden, denn die Nähe zur Kirche ist heute nicht immer gegeben.

Bestattungen in Corona-Zeiten

Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen.
Bestattungshaus Strunk in Holsterhausen. Foto: Carola Quickels

Dass sie aufgrund der Pandemie im Akkord beerdigen müssen, das können sie nicht bestätigen. Die Zahl der Todesfälle schwanke immer - von Jahr zu Jahr. Aber die Corona-Krise habe den Umgang mit den Verstorbenen verändert. „Wir müssen uns natürlich schützen und sollte es sich um einen infizierten Menschen handeln, ist es natürlich unsere Pflicht Schutzkleidung zu tragen: Ganzkörper-Anzug, doppelte Handschuhe, Schuh-Überzieher, Schutzbrille und natürlich Desinfektionsmittel“, erklärt Viktoria Strunk. Probleme gab es während der ersten und der zweiten Corona-Welle. „Da wir erst im März 2021 als systemrelevant eingestuft wurden, hatten wir im vergangenem Jahr Schwierigkeiten an die nötige Schutzkleidung zu kommen.“ Das habe sich nun geändert.

„Unser Bestreben ist es aber trotz aller Einschränkungen eine würdevolle Beisetzung zu ermöglichen. Hier ist immer wieder Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen gefragt - gerade in Pandemie-Zeiten.“

Ein Foto aus den Anfangsjahren der 146 jährigen Geschichte des Traditionsunternehmen.
Ein Foto aus den Anfangsjahren der 146 jährigen Geschichte des Traditionsunternehmen. Foto: Privat
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