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Der Weisse Ring ist ein gemeinnütziger und einziger bundesweit tätiger Opfer­hilfe­verein.

166 Fälle in der Außenstelle Herne

Der Weisse Ring zieht Bilanz

Wie zu Beginn jedes Jahres wurde für die Außenstelle Herne des Weisse Rings Bilanz gezogen. Für das Jahr 2025 wurden durch die Außenstellenleitung Andrea Schmitt insgesamt 166 Fälle gezählt, zwei Hilfegesuche stellten sich als zivilrechtliche Fälle heraus und konnten aufgrund der Satzung des Weissen Rings nicht von den ehrenamtlichen Opferhelfern betreut werden; im Vergleich zum Vorjahr wurden damit fünf Fälle weniger registriert.

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Hohe Fallzahl von Sexualdelikte 30,1 Prozent

Weiterhin sind Sexualdelikte mit 30,1 Prozent traurige Spitzenreiter in der Statistik der Außenstelle Herne (Sexueller Missbrauch 28 Fälle, Vergewaltigung 17 Fälle und sexuelle Nötigung 5 Fälle). Mit 19,8 Prozent aller Fälle stellt häusliche Gewalt den zweithäufigsten Grund für Beratung dar, hier stiegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr erneut um 1,8 Prozent an (2024: 18,1 Prozent). „Generell sind die Fallzahlen immer noch auf hohem Niveau und auch wenn wir im Jahr 2025 fünf Fälle weniger als 2024 betreuen mussten, sind die Zahlen nicht mehr vergleichbar zu den Jahren vor der Corona-Pandemie. Zwischen 2014 bis einschließlich 2020 hatten wir immer unter 130 zu betreuende Fälle pro Jahr, im Jahr 2021 gab es einen moderaten Anstieg auf knapp 140 Fälle und seit 2022 waren es jedes Jahr über 160 Fälle. Woran das liegt, lässt sich nicht genau feststellen, aber auch wenn wir mittlerweile deutlich mehr Menschen betreuen als zuvor, versuchen wir jedem hilfesuchenden Menschen individuell gerecht zu werden“, so Schmitt.

Höchstes Fallaufkommen im Oktober 2025

Im Jahr 2025 war der Oktober der Monat mit dem höchsten Fallaufkommen (21), was im Vergleich zu den Vorjahren ungewöhnlich ist. „Erfahrungsgemäß steigen die Fallzahlen eher im Sommer an. Leider mussten wir im Oktober allein sieben Fälle wegen häuslicher Gewalt und sechs Opfer von Sexualstraftaten betreuen“, resümiert Andrea Schmitt. Die ruhigsten Monate waren hingegen Mai und August mit jeweils zehn Fällen.

Andrea Schmitt ist die Leiterin der Außenstelle.

Die Ausgaben monetärer Hilfen für durch eine Straftat entstandene Bedürftigkeit (Soforthilfen und Opferhilfen) waren im Jahr 2025 mit 10.000 Euro auf Vorjahresniveau (10.145 Euro). Zudem wurden 49 Beratungsschecks bspw. für anwaltliche Erstberatung ausgegeben. Doch es gab auch positive Neuigkeiten für die Außenstelle Herne, denn Anfang des Jahres konnte eine neue ehrenamtliche Mitarbeiterin für das Team gewonnen werden, die seitdem auch das Präventionsteam unterstützt. Damit sind aktuell zehn ehrenamtliche Mitarbeiter für die Außenstelle Herne tätig.

Der Weisse Ring finanziert sich fast ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Nachlässe und Bußgeldzuweisungen der Gerichte. Auf öffentliche Mittel wird bewusst verzichtet, sodass die politische Unabhängigkeit gewährleistet werden kann. So kommen mehr als fünfzig Prozent der Einnahmen den Opfern zugute. Dreißig Prozent der Einnahmen werden für Prävention und öffentliches Eintreten ausgegeben, der Verwaltungsaufwand beträgt nur rund fünfzehn Prozent.

Zusammenarbeit mit der Polizei und gute Vernetzung mit Beratungsstellen

Die Zusammenarbeit mit der Polizei wird seit vielen Jahren intensiviert, zudem besteht eine gute Vernetzung zu weiteren Beratungsstellen, an die Hilfesuchende bei Bedarf vermittelt werden.

Den Weg zur Außenstelle finden die Opfer durch die Polizei, andere Institutionen, die zentrale Opfernummer 116 006, die Herner Telefonnummer 0151/55164935 oder über die Internetseite. Auch eine anonyme Kontaktaufnahme und Beratung ist möglich.

Freitag, 20. Februar 2026 | Quelle: Weisser Ring