'Der Vorname' als Preview in Bochum

Szenenfoto Der Vorname
Szenenfoto Der Vorname Foto: Constantin

Bevor Der Vorname, Sönke Wortmanns Verfilmung der französischen Boulevard-Komödie Le Prenom von Alexandre de la Patelliere und Matthieu Delaporte, am Donnerstag, 18. Oktober 2018, bundesweit startet, lädt das Kino Casablanca an der Kortumstraße 11 im Bochumer Bermuda-Dreieck am Mittwoch, 10. Oktober 2018, 20 Uhr, zu einer weinseligen Preview ein - im Rahmen der Reihe Kino Vino.

Es hätte ein wunderbares Abendessen bei anregenden Gesprächen werden können, zu dem der so sprach- wie selbstverliebte Literaturprofessor Stephan Berger (Christoph Maria Herbst) und seine Frau, die gestresste Deutsch-Gymnasiallehrerin Elisabeth Berger-Böttcher (auch die Erzählerin: Caroline Peters, aktuelle Schauspielerin des Jahres in der Theater heute-Kritikerumfrage) in ihre Bonner Villa eingeladen haben. Denn die Gastgeberin holt sich telefonisch letzte Ratschläge fürs Menü bei ihrer Mutter Dorothea (ein Alt-68er-Traum in Orange: Iris Berben), die ihr Witwendasein im sonnigen Süden genießt.

„Es geht nicht um Pizza, es geht ums Prinzip“: Als sich ein Pizzabote (Serkan Kaya) nach einer kleinen Moped-Rundfahrt durch die einstige Bundeshauptstadt in der Adresse geirrt hat, zieht der elitäre Hochschullehrer voll vom Leder. Dabei hat der weltweit fürs Goethe-Institut herumreisende Gelehrte vieles seiner Gattin zu verdanken, die zugunsten der Familie nach der Geburt des ersten Kindes auf eine eigene akademische Karriere verzichtete.

„Er ist die Schwester, die ich nie hatte“: Gewohnt pünktlich erscheint mit René König (Justus von Dohnányi) nicht nur Elisabeths bester Freund, sondern auch ein ausgesprochen sanftmütiger Mensch. Der Klarinettist im Beethovenorchester weiß um die Launen des Hausherrn und ist um Ausgleich bemüht. Was ihm an diesem Abend jedoch nicht so recht zu gelingen scheint, nachdem Thomas Böttcher (Florian David Fitz), der jüngere Bruder der Gastgeberin, eingetroffen ist. Denn das als Immobilienmakler außerordentlich erfolgreiche Großmaul gibt dem Professor Kontra bei dessen allzu oberlehrerhaft erscheinenden Fragen etwa nach dem Ausbleiben seiner schwangeren Freundin Anna (Janina Uhse).

Die bisher erfolglose Schauspielerin, die unmittelbar nach der Geburt wieder vor einer Kamera stehen will, weshalb sie gerade noch ein Casting absolviert, hat das Rauchen noch immer nicht aufgegeben, obwohl jeder weiß, dass das höchst gefährlich für das werdende Leben im Mutterleib ist. Apropos werdendes Leben. Wie soll das Ungeborene denn heißen? Wenn es ein Junge wird, und das hat ganz den Anschein, soll er Adolf heißen. Da bleibt allen anderen am Tisch die Vorspeise im Hals stecken.

Mit großer Eloquenz verteidigt Thomas seine Namenswahl: dem Mythos Hitler müsse offensiv begegnet werden, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können. „Mein Adolf wird ein Missionar – wie Ghandi.“ Thomas argumentiert, sein Kind solle sich mit der Vergangenheit Deutschlands bewusst auseinandersetzen und Antifaschist werden. Als das Hühnchen-Curry auf den Tisch kommt, gesellt sich die ahnungslose Anna hinzu. Da ein Wort das andere ergibt und man einander Wahrheiten ins Gesicht faucht, fühlt sie sich im falschen Film und zündet sich erstmal eine Zigarette an.

Dabei will Thomas nur provozieren, denn: Paul soll der Junge in Wahrheit heißen – gemäß einer Familientradition. Aber als sein Erzeuger im Bücherregal des Schwagers die zweibändige historisch-kritische Ausgabe von Adolf Hitlers Mein Kampf entdeckt hat, hat er sich den nun gründlich aus dem Ruder laufenden Spaß nicht verkneifen können.

Westfalia Herne-Ehrenmitglied Sönke Wortmann wollte Le Prenom ursprünglich auf die Bühne bringen. Weil ihm bei der Deutschen Erstaufführung das Residenztheater München zuvorgekommen ist, hat er nun am Düsseldorfer Schaupielhaus Vicki Baums Menschen im Hotel inszeniert. Für seine deutsche Leinwandadaption Der Vorname, die gerade beim Film Fest Cologne im Kölner Cineplex Deutschland-Premiere feierte, hat ihm Claudius Pläging ein mit der französischen Vorlage vergleichbar pointenreiches, politisch aber brisanteres, in die deutsche Gegenwart führendes Drehbuch geschrieben. Das Ensemble sorgt für 91 spannende Kammerspiel-Minuten.

Oktober
10
Mittwoch
Mittwoch, 10. Oktober 2018, um 20 Uhr
Autor: