Erinnerung auf dem Willi-Pohlmann-Platz und im Kulturzentrum
Gedenkstunde für die Opfer der Shoah
Die Stadt Herne hat in einer feierlichen Gedenkstunde am Dienstag (27.1.2026) im Kulturzentrum und am Shoah- Mahnmal auf dem Willi-Pohlmann-Platz an die Opfer der Shoah erinnert. Anlass für die Gedenkveranstaltung war der bundesweite Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der seit 1996 in Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 begangen wird.
Die Gedenkveranstaltung begann mit Musik, vorgetragen von Gerald Gatawis und Melanie Schwuchow von der Musikschule Herne. Stadthistoriker Ralf Piorr führte durch die Veranstaltung und übergab das Wort zunächst an Dr. Frank Dudda. Der Oberbürgermeister der Stadt Herne betonte in seiner Gedenkrede, dass der 27. Januar kein Ritual sei, sondern eine Verpflichtung: „Es ist ein Muss für unsere Gesellschaft. Der Nationalsozialismus begann nicht in den Lagern. Er begann mitten in den Städten, in den Nachbarschaften, auf den Straßen. Auch hier. In Herne.“
Hinweis auf Stolpersteine
Das Stadtoberhaupt wies darauf hin, dass auch in Herne Stolpersteine verlegt werden, die ersten am Mittwoch, 28. Januar 2026, an der Hauptstraße, Ecke Mozartstraße in Wanne. Sie erinnern an die Familie Hecht. „Stolpersteine sind klein. Man kann leicht an ihnen vorbeigehen. Und doch entfalten sie eine große Wirkung. Sie holen die Geschichte aus den Archiven zurück in unseren Alltag“, erklärte Dudda.
Der Oberbürgermeister führte weiter aus: „Erinnerung ist keine Einbahnstraße. Sie verlangt von uns, zuzuhören. Sie verlangt Respekt. Und sie verlangt Verantwortung.“ Diese Verantwortung sei heute aktueller denn je. „Wir erleben, wie antisemitische, rassistische und menschenfeindliche Einstellungen wieder lauter werden. Wie Geschichte relativiert oder geleugnet wird. Wie Demokratie unter Druck gerät – nicht nur irgendwo, sondern auch hier, in unserer Gesellschaft“, mahnte das Stadtoberhaupt.
Im Anschluss an die Rede des Oberbürgermeisters wurde das Projekt „Stolpersteine“ vorgestellt, welches nun auch in Herne an fünf Erinnerungsorten umgesetzt wird. Dafür kam zunächst Diane Mossenson mit ihrer Tochter Talya auf die Bühne. Diane ist Enkelin der Familie Hecht und lebt in Perth, Australien.
Eindringliche Worte
Sie schilderte mit eindringlichen Worten die Kindheit ihrer Mutter in Herne, ihre Rede wurde von Pat van den Brink auf Deutsch übersetzt. „Der Holocaust begann nicht mit Lagern und Massenmord. Er begann mit Kindheiten wie der meiner Mutter, in denen Ausgrenzung alltäglich war, Grausamkeit akzeptiert wurde. Er begann mit Schweigen, mit kleinen Veränderungen im alltäglichen menschlichen Verhalten. Völkermord beginnt nicht mit Gewalt, er beginnt mit Gedanken und Worten. Er vollzieht sich schrittweise, bis er plötzlich eintritt“, sagte Diane Mossenson.
Die weiteren Stolpersteine, die bis Ende Februar im Stadtgebiet verlegt werden, und an welche Schicksale sie erinnern, stellten verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen vor. Die Familienangehörigen Gabriela Eleonora Macagnino und Giulia Turek brachten den Anwesenden das Schicksal von Emma Schlewitz nahe, die Opfer des sogenannten „Euthanasie-Programms“ geworden ist. Ihr Stolperstein wird an der Bruchstraße 136 verlegt werden. Prof. Dr. Gregor Büchel von der DGB- Geschichtswerkstatt stellte die Geschichte von Wilhelmine und August Schuster vor, die im Widerstand der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) waren. Ihre Stolpersteine kommen vor das Haus an der Altenhöfener Straße 47.
Geschichtliche Rückblicke
Werner Bergermann erinnerte für die AG Lila Winkel an Helene und Friedrich Gotthold, die als Zeugen Jehovas verfolgt wurden und deren Stolpersteine an der Düngelstraße 58 verlegt werden. Ralf Piorr schließlich führte in die Geschichte von Sally und Frieda Neugarten ein, die Opfer der Shoah geworden sind. Ihre Gedenksteine werden bald an der Bahnhofstraße 27 bis 29 zu sehen sein.
Aus Herne und Wanne-Eickel fielen etwa 400 Menschen dem deutschen Genozid an der jüdischen Bevölkerung in Europa zum Opfer. Bis jetzt sind 190 Opfer der Euthanasie aus Herne namentlich bekannt. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung sprachen am Shoah- Mahnmal Rabbi Andrés Bruckner, Mitglied der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, Pfarrer Nils Petrat, Katholische Pfarrei St. Dionysius, Imam Ibrahim Nazik, Islamische Gemeinde Herne e.V., und Superintendentin Claudia Reifenberger, Evangelischer Kirchenkreis Herne, Gebete. Die Veranstaltung endete mit einer Schweigeminute.