Erinnerung an Familie Hecht an der Hauptstraße 293
Erste Stolpersteine in Herne verlegt
Nur einen Tag nach der Gedenkfeier zur Erinnerung an die Opfer der Shoah auf dem Willi-Pohlmann-Platz und im Kulturzentrum am Dienstag (28.1.2026, halloherne berichtete) stand an der Hauptstraße 293 / Ecke Mozartstraße in Wanne eine weitere Zeremonie an. Hier wurden die ersten vier Stolpersteine verlegt. Das Projekt mit den quadratischen Tafeln aus Messing des Kölner Künstlers Gunter Demnig soll an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Die vier Steine tragen die Namen der jüdische verfolgten Chaim Hecht, seiner Frau Jutta Malka sowie der beiden Kinder Simon und Jeannette. Chaim, Jahrgang 1890, wurde im September 1939 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht. 1942 wurde er nach Ausschwitz deportiert und dort am 5. November desselben Jahres ermordet. Jutta Malka, Jahrgang 1893, wurde ins Ghetto Riga nach Lettland deportiert, bevor sie ins KZ Riga-Kaiserwald kam und noch ins KZ Stutthof gebracht wurde. Sie überlebte dort und emigrierte nach Australien.
Simon Hecht bei der 'Polenaktion' verhaftet und ermordet
Simon, 1921 geboren, wurde bei der sogenannten „Polenaktion“ des NS-Regimes im Oktober 1938 verhaftet und ermordet. Seine Schwester Jeannette, die 1926 geboren wurde, wurde wie ihre Mutter ebenfalls 1942 ins Ghetto Riga deportiert. Wie ihre Mutter überlebte Jeannette die KZ Riga-Kaiserwald und Stutthof, die 1944 von der Roten Armee befreit wurden. Anschließend emigrierte sie ebenfalls nach Australien. Im Haus an der Hauptstraße 293 wohnte die Familie bis zur Verhaftung.
Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda sprach bei der feierlichen Verlegung der Stolpersteine davon, dass Herne spät dran sei. Mit dem Stand von Dienstag (28.1.2026) gibt es 124 solcher Steine in 32 Ländern. „Es ist Zeit, dass die Stolpersteine nach Herne kommen. Es ist ein weiterer Bestandteil der Herner Erinnerungskultur“, erklärte das Stadtoberhaupt. „Heute ist ein Tag des Innehaltens und der Erinnerung.“
'Diese Menschen sind nicht vergessen'
Auch wenn das ehemalige Haus der Familie Hecht, die früher noch ein Kaufhaus für Möbel und Haushaltswaren auf der Mozartstraße hatte, mittlerweile in die Jahre gekommen sei, sei mit den Stolpersteinen ein wesentlicher Schritt erfolgt, um den Opfern und Hinterbliebenen Namen und Erinnerungen zurückzugeben. Im Erdgeschoss ist zudem ein Handygeschäft beheimatet. „Diese Menschen sind nicht vergessen, ihr Leid wird nicht relativiert“, betonte Dudda. Jugendliche und weitere Passanten legten auf den frisch verlegten Steinen noch Blumen nieder. Rund 100 Leute, darunter Bürger und Vertreter aus Politik und Stadtverwaltung, waren bei der Zeremonie vor Ort.
Anschließend trat Dr. Diane Mossenson, eine Enkelin der Familie Hecht, die extra aus Perth (Australien) mit ihrer Tochter Tayla angereist war, vor das Rednerpult. Sie dankte den Verantwortlichen für das Gedenken und die Stolpersteine am letzten Wohnort und sieht die Hauptstraße 293 als Symbol für die letzte Etappe der Ausgrenzung von Juden.
Weitere Verlegungen von Stolpersteinen
Dudda verwies zudem darauf, dass bereits im Februar weitere Stolpersteine verlegt werden. Am Dienstag, 17. Februar, erfolgt um 15 Uhr die Verlegung der Stolpersteine für Frieda und Sally Neugarten an der Bahnhofstraße 29a. Am Samstag, 21. Februar, wird um 11 Uhr der Stein für Emma Schlewitz, Opfer der Euthanasie, an der Bruchstraße 136 verlegt. Eine Stunde später geht es zur Altenhöfener Straße 47, hier für August und Wilhelmine (Mimmi) Schuster, Opfer des KPD-Widerstandes. Den vorläufigen Abschluss bilden die Stolpersteine für Friedrich und Helene Gotthold, Opfer der Zeugen Jehovas, am Montag, 23. Februar 2026, um 10:30 Uhr an der Düngelstraße 58.
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- Samstag, 21. Februar 2026, um 11 Uhr
- Montag, 23. Februar 2026, um 10:30 Uhr