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Franziska Brix eröffnete an der Leibnizstraße mit dem

Serie 'Frauen ins Scheinwerferlicht' über Franziska Brix

'Sei deine eigene beste Freundin'

Was als Serie zum Weltfrauentag begann, geht nun weiter. halloherne-Redakteurin Julia Blesgen spricht mit verschiedenen Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Dabei geht es unter anderem um ihre persönlichen Werdegänge, die Herausforderungen, denen sie sich stellen mussten oder was sie ihrem jüngeren Ich oder anderen jungen Mädchen nun mit auf den Weg geben würden. Alle weiteren Teile der Serie sind auf halloherne zu finden.

Der neue Teil beschäftigt sich mit Franziska Brix, die im Oktober 2025 mit dem Luma Room an der Leibnizstraße 18 in Baukau, das erste Pilates-Reformer-Studio in Herne eröffnete (halloherne berichtete). Damit erfüllt sich die 30-Jährige einen Herzenswunsch. Denn mit dem Luma Room kreiert sie einen Safe Space für Frauen und Mädchen, in dem sie sich nicht nur sportlich betätigen, sondern auch zu sich selbst finden können.

Bodybuilding fordert seinen Preis

Franziska Brix ist, seit sie denken kann, sportlich aktiv. Nach dem Fachabitur absolviert sie eine Ausbildung als Sport- sowie Fitnesskauffrau und beginnt selbst Kurse zu geben und als Personalcoach zu arbeiten. In dieser stressigen Zeit beginnt Brix sich stark mit ihrem Äußeren auseinanderzusetzen und droht in die Magersucht zu rutschen.

In dieser Zeit beginnt sie Bodybuilding für sich zu entdecken. Sie wird schnell erfolgreich. 2018 steht sie zum ersten Mal auf der Bühne und 2023 erlangt sie den Titel der Deutschen Meisterin und wird Gesamtsiegerin. Jedoch fordert dieser intensive Sport seinen Tribut. Bei der heute 30-Jährigen drehte sich alles nur noch um Sport und Gewicht.

Der

„Ich war fünfmal die Woche im Gym, hatte kaum noch soziale Kontakte und meine Gedanken drehten sich nur noch darum, im Sport möglichst erfolgreich zu sein. Ich habe beispielsweise täglich mein Essen abgewogen. Wenn man mir heute ein Gericht hinstellt, kann ich noch die Kalorienanzahl angeben“, verdeutlicht die Hernerin, in welcher Situation sie sich zur damaligen Zeit befand.

Ihr exzessives Training führt so weit, dass ihre Periode ausbleibt, was Brix aufgrund ihres Polyzystischen Ovarialsyndroms (POCS) zunächst nicht ernst nimmt. „Für mich war das erst mal nichts Neues, weil meine Periode aufgrund meiner Erkrankung eh nie regelmäßig kam. Obwohl das natürlich schon ein gefährliches Anzeichen war“, sagt Brix heute.

Für ihre damalige Beziehung war das Bodybuilding auch eine Belastungsprobe, wenn gleich ihr damaliger Partner auch aus der Szene kam. Doch bei allem Sport und dem sehr disziplinierten Lebensstil bleibt eine Paarbeziehung auf der Strecke.

'Es muss sich etwas ändern'

Obwohl Franziska Brix als Bodybuilderin äußerlich den perfekten Körper hat, ist sie im Inneren zerrissen. Bald lernt sie ihren heutigen Mann kennen, sie heiraten 2024. Dann wird sie ungewollt schwanger und erleidet kurz darauf eine Fehlgeburt. In dieser für sie schrecklichen Zeit merkt sie: Es muss sich etwas ändern.

Franziska Brix findet durch Pilates zurück zu sich selbst.

„Ich wusste, ich muss mich aus der Spirale von Sport und Diäten befreien und zurück zu mir finden“, berichtet die Sport- sowie Fitnesskauffrau. Sie beginnt sich mit sich und ihren Gefühlen auseinanderzusetzen und lernt, dass sie auch ohne perfekt zu sein, liebenswert ist. Sie musste lernen, dass sie Sport für sich und ihr Wohlbefinden machen möchte und nicht um einem Ideal hinterherzujagen.

Selbstliebe durch Pilates

So kommt Franziska Brix mit Pilates in Berührung und merkt schnell, dass das, was ihr diese Sportart gibt, auch anderen Frauen in Bezug auf Sport und Selbstliebe helfen könnte. Nach einer Ausbildung zur Pilatestrainerin, kommt sie im Februar 2025 erstmals auf die Idee, sich selbstständig zu machen. Im April unterschreibt sie den Mietvertrag und im Oktober 2025 geht der Luma Room an den Start.

In kurzer Zeit entsteht hier nicht nur ein Safe Space für Frauen, sondern eine echte Community, in der sich Frauen austauschen und ihre kleinen wie großen Erfolge feiern. „Manche Frauen trauen sich nicht ins Fitnessstudio, teils wegen der Männer, aber auch weil sie mit sich und ihrem Aussehen hadern. Im Luma Room ist das anders. Frauen können hier einfach so, wie sie sind herkommen... niemand urteilt. Es ist wirklich so, dass sich die Frauen füreinander freuen, wenn eine Fortschritte macht und die anspruchsvollen Übungen immer besser ausführt“, freut sich die 30-Jährige über ihre Gemeinschaft.

Hoher Druck auf Frauen

Brix will Frauen stärken und ihnen Selbstliebe nah bringen. Sie weiß, wie schwierig es gerade in den heutigen Zeiten ist und dass die sozialen Medien viel mit der Psyche von Frauen machen, da sie dort immer wieder mit scheinbar perfekten Körpern und makellosen Gesichtern konfrontiert werden. „Gerade um junge Mädchen sorge ich mich hier schon sehr, weil dies einen unheimlichen Druck aufbaut. Wenn wir ehrlich sind, beschäftigten wir uns doch auch damit und vergleichen uns mit den Influencerinnen, obwohl wir es besser wissen müssen“, zeigt sich die junge Frau nachdenklich.

Deshalb freue es sie umso mehr, wenn sie positives Feedback von ihren Teilnehmerinnen, aber auch von ihren Followerinnen erhalte. Wenngleich sie sich nicht darüber definiere. „Ich freue mich sehr, wenn mir junge Mädchen oder Frauen schreiben, dass ich sie inspiriere oder stolz auf mich sein kann, aber das ist nicht mein Hauptanliegen. Ich möchte andere Frauen und Mädchen ermutigen, mit sich selbst ins Reine zu kommen und ihnen dabei helfen, dass sie lernen sich selbst zu lieben und zu akzeptieren“, so die Hernerin.

Ausweitung des Luma Room-Angebots

Dass das Brix immer besser gelingt, zeigt auch die große Nachfrage nach Kursplätzen. Im Mai werde auch nochmal aufgestockt, sodass bald im Luma Room bis zu 55 Kurse angeboten werden können. Trainieren kann man in Fünfergruppen, Zweiergruppen oder im Personal Training. Außerdem können sich Interessierte auch zu Trainerinnen ausbilden lassen.

Aber auch Männer können in den Luma Room kommen und dort Kurse buchen. Bisher gebe es schon zwei Teilnehmer. Franziska Brix' Ehemann ist mittlerweile auch auf den Geschmack gekommen und lässt sich zum Trainer ausbilden. Brix' Traum ist es, dass Konzept des Luma Rooms auch in andere Städte zu tragen.

„Es wäre sehr cool, wenn wir den Vibe auch in die Nachbarstädte bringen könnten, da auch hier Angebote fehlen“, sagt die Hernerin.

'Setze dich an die erste Stelle'

Auf die abschließende Frage, was sie jungen Frauen und Mädchen raten würde, die momentan vielleicht auch mit sich hadern würden, antwortet sie: „Gerade wir Frauen sind oftmals unsere größten Kritiker. Wir sollten alle so mit uns selbst sprechen, wie wir es mit unserer besten Freundin tun würden. Denn bei aller Liebe, die wir anderen geben. Am Ende ist es so: Wir kommen alleine auf diese Welt und gehen alleine. Deshalb sollte man sich selbst an die erste Stelle setzen.“

Franziska Brix weiß, dass sie ihr Glück im Inneren finden muss und nicht in äußerer Anerkennung.
Samstag, 24. Januar 2026 | Autor: Julia Blesgen