'Bunbury' in Essen

Ernst ist das Leben – und heiter die Kunst

Theaterstück Bunbury im Grillo Theater, Nach dem Corona-Lockdown kann es nicht bunt genug zugehen: (v.li.) Dennis Bodenbinder, Ines Krug, Sven Seeburg und Janina Sachau.
Theaterstück Bunbury im Grillo Theater, Nach dem Corona-Lockdown kann es nicht bunt genug zugehen: (v.li.) Dennis Bodenbinder, Ines Krug, Sven Seeburg und Janina Sachau. Foto: Birgit Hupfeld

„And now the end is near“: Pandemie-Zeit im Essener Grillo-Theater. Vorn auf dem Sofa liegt bäuchlings ein völlig ermatteter Sven Seeburg, hingestreckt mit abgewandtem Gesicht, während linkerhand am Flügel Dennis Bodenbinder wie in Trance vom Hocker rutscht, in Elton-John-Manier nur mit einem Bademantel bekleidet. Im Lockdown daheim siehts ja keiner. Doch allmählich kommt wieder Leben zurück auf die Bretter, Kostüme werden gebügelt und die Stimmbänder geölt…

Die beiden Freunde Jack Worthing (Stefan Migge) und Algernon Moncrieff (Dennis Bodenbinder) haben sich eine gemeinsame, äußerst praktische Angewohnheit zugelegt: Um sich ungestört ihren ausgedehnten und naturgemäß amourösen Eskapaden in London bzw. auf dem Land widmen zu können, haben sie einen kranken Bruder bzw. einen hilfsbedürftigen Freund erfunden. So besucht Jack regelmäßig seinen Bruder „Ernst“ in der Stadt, während sich Algernon rührend um seinen Freund „Bunbury“ auf dem Land kümmert. Das geht so lange gut, bis Frauen ins Spiel kommen – und mit ihren der Ernst aufrichtiger Liebe.

Jack liebt, als sein Alter Ego „Ernst“, Gwendolen Fairfax (Lene Dax) und will sie heiraten, Algernon stellt sich auf Jacks Landgut als dessen Bruder „Ernst“ vor – und zwar seiner Angebeteten Cecily Cardew (Beatrix Strobel). Als Gwendolen ihren Verlobten „Ernst“ auf dem Land besucht und Cecily trifft, kommt es unweigerlich zu einer bösen Überraschung – beide lieben „Ernst“.

Zwei Stunden ohne Pause

Zu diesem am Essener Theaterplatz bis hin zum boulevardesk-klattrigen Happy End nach zwei pausenlosen Stunden eher outrierenden denn doppelbödigen Spiel voller Albernheiten, Übertreibungen und furioser Slapstick gehören überdies Algernons Tante Lady Bracknell (eine Wucht von Diva: bei Ines Krug stimmen Tempo und Timing), Cecilys Gouvernante Miss Prism (Janina Sachau), Reverend Chasuble (Sven Seeburg) sowie die Bediensteten Lane (ebenfalls Sven Seeburg) und Merriman (immer eine Bank mit Sinn für feinste Petitessen: eine freche Silvia Weiskopf).

„Man sollte alles Triviale mit großem Ernst und alles Ernste mit schrankenloser und kunstvoller Trivialität behandeln“ hat Oscar Wilde für sein letztes – und erfolgreichstes - Bühnenstück „The Importance of Being Earnest“ gefordert. Charme und Witz der 1894 entstandenen und Mitte Februar des folgenden Jahres im Londoner St. James Theatre uraufgeführten „trivialen Komödie für ernsthafte Leute“, die in Deutschland ursprünglich den Titel „Bunbury oder: Ernst muss man sein“ trug, stehen bei dieser knalligen Bonbonniere deutlich im Hintergrund. Nicht, weil Susanne Lietzow jetzt am Schauspiel Essen Falk Richters 2005 am Wiener Burgtheater uraufgeführte Neubearbeitung der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek inszeniert hat.

Theaterstück Bunbury im Grillo Theater, Zwei Hallodris beim Bunburysieren: (v.li.) Stefan Migge und Dennis Bodenbinder.
Theaterstück Bunbury im Grillo Theater, Zwei Hallodris beim Bunburysieren: (v.li.) Stefan Migge und Dennis Bodenbinder. Foto: Birgit Hupfeld

Sondern weil „Bunbury – Ernst ist das Leben“ nach so quälend langer Home-Office-Verbannung mit Gurken-Sandwiches und Champagner die Ketten sprengt: Endlich wieder Live-Theater. Das glückliche Publikum im weiterhin coronabedingt ausgedünnten Parkett bejubelt völlig losgelassene Rampensäue, bei denen sich allein Ines Krug für die annoncierten „messerscharfen Pointen“ zuständig fühlt.

Energetische Pop-Hits

Es bejubelt nicht minder das Farb-Feuerwerk der Ausstatter Aurel Lenfert (Bühne) und Marie-Luise Lichtenthal (Kostüme) und nicht zuletzt die vom Österreicher Gilbert Handler angeschrägten Musiknummern mit romantischen Evergreens wie „Everybody loves somebody sometime“ im wundervollen Duett Janina Sachau/Sven Seeburg, mit energetischen Pop-Hits wie „Love is in the air“ zur explodierenden Blütenpracht auf den Brettern und dem großen Ensemble-Finale „What the world needs now is love sweet love“.

Bleibt nur noch auf die letzten Vorstellungen in dieser Spielzeit hinzuweisen: Am Samstag, 12. Juni 2021, und Sonntag, 27. Juni 2021, sowie am Donnerstag und Freitag, 1. und 2. Juli 2021, im Grillo-Theater Essen, Karten über die TUP-Homepage.

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