Bei Aldi gibt‘s kein Klopapier

Bei Aldi gibt es kein Klopapier - die Cool Cats horten es.
Bei Aldi gibt es kein Klopapier - die Cool Cats horten es. Illustrator: Jörg Lippmeyer

Wenn man sich in diesen Tagen in den Supermärkten umsieht, sind die Regale leergeräumt fast wie weiland in der DDR. Ein Freund hat beobachtet, dass die Leute teilweise Anhänger mit Konserven und Klopapier vollgeladen haben. Infolge der COVID-19-Pandemie (Coronavirus SARS-CoV-2) hat augenscheinlich ein relevanter Teil unseres Volkes „einige Latten vom Zaun“ verloren. Dennoch, die Zahlen und Fakten zum Coronavirus sind verwirrend. Es kursieren viele verschiedene sich teils widersprechende Informationen.

Wenn Sie befürchten, an Covid-19 erkrankt zu sein:

  • Kontaktieren Sie den Ärztlichen Bereitschaftsdienst Tel 116 117
  • Von dort werden Sie an die richtige Adresse weitergeleitet
  • Setzen Sie sich nicht ins Wartezimmer!

Ein Vergleich mit der Spanischen Grippe

Um einfach mal die Größenordnung zu umreißen hier ein Vergleich mit einer veritablen Seuche, der Spanischen Grippe von 1918/19: Ab Herbst/Winter 1918 starben an der Spanischen Grippe weltweit circa 50 Millionen Menschen, deutlich mehr als im gesamten ersten Weltkrieg. Möglicherweise waren es sogar noch mehr, da auch entlegene Regionen davon betroffen waren und in Ländern wie etwa Russland aufgrund der Nachkriegswirren die Zahl der an der Grippe Verstorbenen nicht zuverlässig erfasst wurde. Die US-amerikanische Armee verlor etwa so viele Infanterie-Soldaten durch die Grippe wie durch die Kampfhandlungen während des Ersten Weltkrieges. Allein in Indien sollen mehr als 17 Mio. Menschen an der Spanischen Grippe gestorben sein.

An der Grippewelle 2017/18 starben in Deutschland 25.000 Menschen bei circa 9 Millionen Infizierten. Für heutige Verhältnisse war das eine ziemlich schlimme Grippesaison, im Vergleich zur Spanischen Grippe (die ihren Ursprung übrigens in den USA hatte) aber noch ein milder Verlauf. Stand heute (4.März 2020) haben wir 262 durch SARS-CoV-2 nachgewiesen Infizierte, weltweit weniger als 100.000 Fälle. Gemessen an den alljährlichen Grippetoten und an der Spanischen Grippe allemal ist das eine fast verschwindend geringe Zahl.

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologe an der Berliner Charité und der derzeit wohl renommierteste Sachverständige in Sachen Coronavirus, sagt zum aktuellen wissenschaftlichen Stand in Deutschland, dass es derzeit fast unmöglich ist zu sagen, wie gefährlich das Virus tatsächlich ist. Man kennt das Virus einfach noch nicht gut genug. Und deshalb könnten sich Einschätzungen auch in kurzer Zeit wieder ändern. Wichtig seien für die Beurteilung einer Krankheit vor allem drei Dinge:

1) Fallsterblichkeit bei COVID-19

Diese liege derzeit zwischen 0,3 und 0,7 Prozent, sagt Drosten, der damit anderen Rechnungen widerspricht, die von mehr als zwei Prozent ausgehen. In den sozialen Medien werde hierzu viel Drama gemacht. Es gäbe inzwischen sogar Unternehmen, die Profit aus den Zahlen schlagen wollten und gezielt hohe Sterblichkeitsraten streuen würden.

2) Geschwindigkeit der Ausbreitung

Eine wichtige Kennziffer für eine Pandemie oder Epidemie sei, wie schnell sich die Krankheit ausbreite. Dies hätte den „höchsten Informationswert“, sei hier aber auch am „allerschwersten zu schätzen“, so Drosten. Die Frage sei, wie viele Menschen sich infizieren, die mit einem Kranken in Kontakt kommen. Er nimmt aktuell Zahlen von circa 5-10 Prozent an. Das liege unter der Verbreitungs-Geschwindigkeit von Influenza-Pandemien. Es gäbe aber noch große Unsicherheiten. Grundsätzlich verliefen viele Fälle wie eine Erkältung. Für den Einzelnen sei die Krankheit deshalb kein großes Problem, wenn er zu keiner Risikogruppe gehört.

3) Dauer einer möglichen Pandemie/Epidemie

Wie lange dauert es, bis die Corona-Epidemie in Deutschland vorbei ist? Zu dieser Frage sagte der Virologe, dass sich knapp 70 Prozent der Bevölkerung infizieren müssten, damit die Erkrankung im Endeffekt erlischt. Wenn sich das über eine längere Zeit ausdehnt, ist das kein bedrohliches Szenario. Man gehe aktuell davon aus, dass ein Erkrankter im Schnitt drei andere Menschen infiziere, also in der ersten Woche einer, in der zweiten Woche drei, in der dritten Woche neun. Es müsse das Ziel sein, diese Quote auf unter eins zu drücken. Dann würde sich die Krankheit nicht weiter ausbreiten. Und das passiere, wenn mindestens zwei von drei Menschen immun gegen eine Ansteckung seien, also schon mal erkrankt (oder geimpft) waren. „Und zwei von drei sind eben 67 Prozent“, so Drosten.

Doch werden Corona-Infizierte wirklich immun gegen die Krankheit? Nach Information des Robert-Koch-Institutes (RKI) ist davon auszugehen, dass das der Fall ist. Gegenteilige Informationen hielten einer genauen Überprüfung nicht stand. RKI-Chef Lothar Wieler: „Patienten haben neutralisierende Antikörper“, die sie immun machten. „Wie lange die Immunität hält, werden wir natürlich erst hinterher beantworten können.“

Bei allen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geht es also darum, die zukünftigen saisonalen Infektionswellen so flach zu halten, dass die Gesundheitssysteme nicht überfordert werden bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Das wird voraussichtlich in 2 Jahren der Fall sein. Bis dahin wird man sich an die COVID-19-Pandemie gewöhnt haben. Die derzeit gebunkerten Vorräte an Klopapier, Konserven, Mundschutz und Desinfektionsmitteln kann man dann versuchen, zu einem Bruchteil des Kaufpreises bei Ebay-Kleinanzeigen zu veräußern.

Hier gibt es noch mehr Kolumnen von Dr. Gerd Dunkhase von Hinckeldey

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