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Susan (Inga Krischke) und Jon (Luc Steegers) wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Musical „Tick, Tick … Boom!“ am MiR

Angst oder Mut – geh deinen Weg

Jon, Musical-Komponist im angesagten, aber auch arg heruntergekommen Szeneviertel Soho, hat seine Midlife-Crisis schon im zarten Alter von 29 Jahren. Weil ihm das Standard-Attest potentieller Investoren und Produzenten, ein „junger, vielversprechender Künstler“ zu sein, inzwischen zum Halse heraushängt. Für solches Lob kann er sich nämlich nichts kaufen. Und da er schließlich nicht von Luft und Liebe leben kann, kellnert er im „Diner Soho“ um die Ecke, wo er sich auch noch dumme Sprüche arroganter Kunden anhören muss.

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Apropos Liebe. Seiner Freundin Susan geht es nur unwesentlich besser. Die ausgebildete Tänzerin wohnt zwar in einem besseren Viertel New Yorks, steht aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf den Brettern, sondern im Studio neben der Ballettstange, an der sich verwöhnte Gören wohlhabender Eltern quälen. Sie träumt von einem stinknormalen Familienleben in einem Haus am Meer.

Jon (Luc Steegers) wird von seinem besten Freund Michael (Sebastian Schiller) bequatscht, ins Marketing zu wechseln.

Könnte Jon aber nicht dafür begeistern, der für seine beruflichen Ambitionen die Nähe zum Broadway benötigt. Dessen bester Freund Michael hatte einst eine künstlerische Karriere als Schauspieler begonnen, dann aber die bunten Kostüme mit grauen Anzügen getauscht: Im Marketing kann er seine Kreativität mit einem prallen Monatsgehalt versilbern. Fettlebe mit großzügiger Eigentumswohnung und nagelneuem BMW – wäre das nicht auch eine Perspektive für Jon? Erstmal steht ein Workshop an, in dem Jon seine Show „Superbia“, an der er nun schon seit fünf Jahren herumdoktert, einem Fachpublikum präsentiert. Ob Stephen Sondheim („West Side Story“) vorbeischaut? „Angst oder Mut – geh deinen Weg“…

„Tick, Tick … Boom!“, ursprünglich geplant als solistischer Rock-Monolog, der dann zur Uraufführung 2001 am Off-Broadway zum Drei-Personen-Musical umgearbeitet wurde, spielt im Jahr 1990 und weist zahlreiche Parallelen zum Leben des Autors, Komponisten und Songtexters Jonathan Larson auf. Auch er war zu Beginn der Neunziger dreißig Jahre jung, jobbte als Kellner in Manhattan, weil seine kritische Science-Fiction-Show „Superbia“ keinen Produzenten fand, verlor zahlreiche Freunde an den Folgen ihrer HIV-Infizierung – und starb selbst sechs Jahre später am Tag der Uraufführung seines größten Erfolges „Rent“ (das Musical hat am 30. September 2023 in der Oper Dortmund Premiere).

Unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Wilger feierte „Tick, Tick … Boom!“ am 9. September 2023 heftig umjubelte Premiere im Kleinen Haus des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier in einer zwar eher konventionellen, aber über gut neunzig Minuten sehr temporeichen Inszenierung Carsten Kirchmeiers. In Christiane Rollands verschachtelter Einheitsbühne, deren variable Requisiten (die Umzugskartons stehen für das nomadische Künstlerdasein) keine Umbaupausen erforderlich machen, agieren drei großartige, so junge wie genreerfahrene Gesangssolisten, die zu Recht die Ovationen des enthusiasmierten Publikums entgegennehmen konnten: Der Niederländer Luc Steegers (u.a. Prof. Abronsia im Oberhausener „Tanz der Vampire“) als Jon, die Berliner Folkwang-Absolventin Inga Krischke (u.a. Penny im Dortmunder „Hairspray“) als Susan und das MiR-Ensemblemitglied Sebastian Schiller als Michael. Er wird Ende November 2023 auch in „Eine Nacht in Venedig“ zu erleben sein.

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Karten für die weiteren Vorstellungen bis Anfang Dezember 2023 unter musiktheater-im-revier.de oder an der Theaterkasse unter Tel 0209 – 4097-200.

Die weiteren Aufführungstermine im Kleinen Haus des MiR

  • Samstag, 16. September 2023, 19 Uhr
  • Sonntag, 17. September 2023, 18 Uhr
  • Freitag, 22. September 2023, 19:30 Uhr
  • Sonntag, 1. Oktober 2023, 18 Uhr
  • Samstag, 7. Oktober 2023, 19 Uhr
  • Sonntag, 8. Oktober 2023, 18 Uhr
  • Sonntag, 15. Oktober 2023, 18 Uhr
  • Sonntag, 19. November 2023, 18 Uhr
  • Samstag, 2. Dezember 2023, 19 Uhr
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  • Samstag, 16. September 2023, um 19 Uhr
  • Sonntag, 17. September 2023, um 18 Uhr
  • Freitag, 22. September 2023, um 19:30 Uhr
  • Sonntag, 1. Oktober 2023, um 18 Uhr
  • Samstag, 7. Oktober 2023, um 19 Uhr
  • Sonntag, 8. Oktober 2023, um 18 Uhr
  • Sonntag, 15. Oktober 2023, um 18 Uhr
  • Sonntag, 19. November 2023, um 18 Uhr
  • Samstag, 2. Dezember 2023, um 19 Uhr
Sonntag, 10. September 2023 | Quelle: Pitt Herrmann