Ablenkung für kognitiv beeinträchtigte Patienten

Evangelischen Krankenhaus in Herne-Eickel

Betreuungsassistentin Claudia Bode und Uta Peiffert (Fachberatung Pflege).
Betreuungsassistentin Claudia Bode und Uta Peiffert (Fachberatung Pflege). Foto: EvK Herne-Eickel

Claudia Bose ist Betreuungsassistentin am Evangelischen Krankenhaus in Herne-Eickel. Ihre Aufgabe ist es, kognitiv beeinträchtigten Patienten zur Seite zu stehen, wenn der Klinik-Alltag in ihnen Ängste auslöst und somit eine innere Unruhe auslöst. Diese führt oftmals bei den Betroffenen zu einem unkontrollierbaren Nestelzwang.

Die Betreuungsassistentin hat nun ein Hilfsmittel entwickelt, das den Nestelzwang dieser Patienten kanalisiert und dadurch ihre innere Unruhe verringert. Gerade in Corona-Zeiten, da Besuche auf ein Minimum reduziert sind, ist jede Beschäftigungsmöglichkeit willkommen. Der Tastsinn, die haptische Wahrnehmung der Umwelt, ist der Sinn, der bei einem Menschen am längsten erhalten bleibt. Die Berührung ist das wichtigste Moment, wenn ein Baby zur Welt kommt. Und das Fühlen, Tasten, Berühren ist auch der Sinn, über den man einen Menschen am Ende seines Lebens am längsten erreicht.

Diese Erkenntnis, die Claudia Bose vor dem Hintergrund ihrer jahrelangen Erfahrung im Umgang mit kognitiv beeinträchtigten Patienten nur bestätigen kann, hat sie gemeinsam mit der Fachberatung Pflege für die Entwicklung des Haptic-Beutels zugrunde gelegt. Das Besondere an dem Beutel ist seine Form. Er sieht aus wie ein Kinderpullover mit weiten Ärmeln, durch die die Patienten ihre Hände stecken können. Oben befindet sich ein Reißverschluss, damit der Beutel immer wieder neu befüllt werden kann.

Dazu bietet die Öffnung so viel Platz, dass man mit hinein greifen kann, um die Hände des Patienten bei der Entdeckungstour behutsam zu leiten. Und zu entdecken gibt es für jeden Patienten etwas anderes. Denn die Betreuungsassistentin versucht durch Beobachten, aber auch durch Gespräche mit Angehörigen Füllungen zusammenzustellen, die einen positiven Reiz auf den Patienten ausüben. Die Basis sind zumeist Terra-Steine, die schon pur ein angenehmes Gefühl bei der Berührung auslösen. Darin kann zusätzlich ein Gegenstand versteckt werden, der entweder noch einen besonderen Tastreiz auslöst, wie ein Igelball, oder zum Beispiel eine Trillerpfeife, wenn der Patient in jungen Jahren im sportlichen Bereich sehr aktiv war.

Sowohl der Beutel als auch der Inhalt genügen den strengen Hygiene-Richtlinien des EvK. Material und Schnitt sind so gewählt, dass nach jedem Einsatz alles desinfiziert werden kann. Unter dieser Perspektive hatte die Fachberatung Pflege die Entwicklung des Beutels begleitet. Sie war von Anfang an von der Idee überzeugt und hat mit viel Interesse die ersten Einsätze des Haptic-Beutels verfolgt. Der Erfolg begeistert sie: „Die Prototypen finden bei unseren Patienten in Eickel so viel Anklang, dass wir solche Beutel auch für unsere anderen Standorte anfertigen lassen.“

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