75 Jahre Ruhrfestspiele

Vorverkauf beginnt am 19. April 2021

Lars Eidinger wird mit seinem fulminanten Schaubühnen-Solo als Ibsens „Peer Gynt“ sicherlich für einen Höhepunkt im Jubiläumsprogramm sorgen.
Lars Eidinger wird mit seinem fulminanten Schaubühnen-Solo als Ibsens „Peer Gynt“ sicherlich für einen Höhepunkt im Jubiläumsprogramm sorgen. Foto: Ruhrfestspiele

„Utopie und Unruhe“ ist das Jubiläums-Programm der 75. Ruhrfestspiele überschrieben, dass Intendant Olaf Kröck am Donnerstag (25.3.2021) in einer Zoom-Pressekonferenz vorgestellt hat. Ab 1. Mai 2021 darf sich das Corona-bedingt kulturhungrige Publikum auf 90 Produktionen mit rund 210 Veranstaltungen freuen, davon u. a. zwei Uraufführungen, sieben Deutschlandpremieren und eine Eigenproduktion in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen. Bis zum 20. Juni 2021 sind erstmals elf Spielstätten im Ruhrfestspielhaus, in der Halle König Ludwig 1/2 in Recklinghausen-Süd, im Theater Marl, in der Recklinghäuser Innenstadt und an zahlreichen weiteren Orten in das nach wie vor größte Festival seiner Art einbezogen.

Zum 75. Jubiläum haben sich die Ruhrfestspiele einiges einfallen lassen, um der Pandemie zu trotzen. Geplant ist ein Hybrid-Festival mit nach Möglichkeit vielen Präsenzveranstaltungen mit Publikum mit einer Platzausnutzung zwischen 30 und 50 Prozent. Dafür ist ein ausgefuchstes Hygienekonzept entwickelt worden für Künstler, Festspiel-Mitarbeiter und Besucher. Weil aber niemand voraussehen kann, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten hierzulande entwickelt, fahren Olaf Kröck & Team parallel eine Digital-Strategie. Es wird von vornherein digital produzierte Veranstaltungen geben, im Netz übertragene Live-Events wie der spektakuläre Auftakt „Die Seidentrommel“ mit der 87-jährigen japanischen Theater-Ikone Yoshi Oida in Zusammenarbeit mit dem nicht weniger legendären Peter Brook und, so es die Lage erfordert, Aufzeichnungen aus der Konserve,

Stellte das Programm des Hybrid-Festivals auf einer Zoom-Pressekonferenz vor: Ruhrfestspiel-Intendant Olaf Kröck.
Stellte das Programm des Hybrid-Festivals auf einer Zoom-Pressekonferenz vor: Ruhrfestspiel-Intendant Olaf Kröck. Foto: Pitt Herrmann

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, wird es zum traditionellen Start am 1. Mai 2021 kein Kulturvolksfest geben. Auch die Vielzahl der über das gesamte Stadtgebiet Recklinghausens verteilten Spielstätten dient der Entzerrung. Erstmals dabei das Stadion Hohenhorst mit gut vierhundert überdachten festen Sitzplätzen: Hier finden Musikveranstaltungen statt, so am 16. Juni 2021 mit Helge Schneider. Von vornherein digital ist zwei Tage später ein Konzert der Tiger Lillies geplant, das aber auch, wenn es die Corona-Situation zulässt, open air am Festspielhaus stattfinden könnte.

Utopie und Unruhe

Mit „Utopie und Unruhe“ haben die Ruhrfestspiele die Jubiläumssaison überschrieben. Intendant Olaf Kröck: „Wir befinden uns schon seit geraumer Zeit in einer Phase der Unruhe. Wir sehen weltweite Verwerfungen in politischen Systemen, Kräfteverschiebungen globaler Machtverteilung, ein Verlust der Verständigung über die Frage was Fakt ist und was Fake. Unruhe bedeutet aber auch, etwas ist in Bewegung, in Gang gesetzt. Dynamik entsteht. Kunst, Kultur und Theater sind in diesen Zeiten wichtiger denn je. Wir brauchen sie, um neue Blickwinkel zu bekommen, Fremdes wirken zu lassen, Unbekanntes auszuhalten, das Nicht-Verstehen-Müssen als Qualität zu begreifen, Überwältigung, Erkenntnis und auch Begeisterung zu erleben. In diesem Jahr wollen wir Recklinghausen wieder in eine Kultur- und Theatermetropole verwandeln. Wir alle haben eine schwierige Zeit hinter uns und erleben sie noch. So auch die Kunst. Weltweit waren Theater, Museen, Opern- und Konzerthäuser geschlossen – und sind es augenblicklich noch immer. Wir planen die aktuelle Saison mit unterschiedlichen Szenarien, die auch hybride oder digitale Formen einschließen und freuen uns auf gemeinsame Ruhrfestspiele und unserem Publikum.“

Andreas Rossmann.
Andreas Rossmann ist Kurator einer Fotoausstellung, die zum 75. Jubiläum der Ruhrfestspiele einmal das Publikum in den Mittelpunkt stellt. Foto: Andrea Hummerich

75 Jahre Ruhrfestspiele

Andreas Rossmann, langjähriger NRW-Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kuratiert eine Fotoausstellung im Festspielhaus, die einmal nicht die Künstler oder Intendanten, sondern das Publikum in den Mittelpunkt stellt. Sie wird am 2. Mai 2021 eröffnet, eine Publikation ist geplant. Eröffnet werden die Jubiläums-Festspiele mit der Deutschlandpremiere einer Koproduktion des Festival d'Avignon und Théâtre de la Ville, Paris. Nach der Festrede der Autorin Enis Maci beginnt mit „Die Seidentrommel. Ein modernes Nō-Spiel“ ein 70-minütiges Ereignis der 87-jährigen japanischen Theaterlegende Yoshi Oida nach einem von Yukio Mishima inspirierten Text von Jean-Claude Carrière. Regie der zusammen mit Peter Brooks entwickelten choreographischen Arbeit führt Oida zusammen mit Kaori Ito. Im Rahmen der Festival-Eröffnung findet auch die Vernissage der Ausstellung „Ein faszinierender Plan“ statt. Die Dramatikerin und Essayistin Enis Maci entwickelt mit weiteren Künstlern eine begehbare Videoinstallation in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen.

halloherne wird bis zum Vorverkaufs-Start am 19. April 2021 weitere Höhepunkte der Ruhrfestspiele vorstellen. Das Programmheft und weitere, was das Hygienekonzept betrifft ständig aktualisierte Informationen sind auf der Homepage ruhrfestspiele.de abrufbar.

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